Aktualisiert 02.12.2018 09:21

BrandschutzFür Flüchtlinge sind die Vorschriften weniger strikt

Nach der tödlichen Brandnacht in Solothurn kommt heraus: Die Kantone haben 2015 den Brandschutz für Asylunterkünfte gelockert.

von
woz
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Bei einem Brand in Solothurn starben am Montag, 26. November, sieben Menschen. Abdul Karem (21), der Bewohner eines Nachbarhauses, rettete in dieser Nacht ein kleines Kind.

Bei einem Brand in Solothurn starben am Montag, 26. November, sieben Menschen. Abdul Karem (21), der Bewohner eines Nachbarhauses, rettete in dieser Nacht ein kleines Kind.

Noah Zygmont/20M
Eine Nachbarin klingelte um 2 Uhr morgens bei ihm. Er sah, wie eine Frau im brennenden Haus ein Kind heraushielt. «Ich ging sofort nach draussen und schaffte es knapp, es zu fangen», sagt er.

Eine Nachbarin klingelte um 2 Uhr morgens bei ihm. Er sah, wie eine Frau im brennenden Haus ein Kind heraushielt. «Ich ging sofort nach draussen und schaffte es knapp, es zu fangen», sagt er.

Kantonspolizei Solothurn
Unter den Todesopfern sind auch Kinder.

Unter den Todesopfern sind auch Kinder.

Kantonspolizei Solothurn

Sieben Asylbewerber sind beim Brand in Solothurn gestorben. Das Haus, in dem sie untergebracht wurden, war auf dem aktuellen Stand der Technik. Nun berichtet jedoch die «SonntagsZeitung», dass für Asylsuchende weniger strikte Brandschutzvorschriften gelten als für Normalbürger.

Die Lockerung dieser Vorschriften geht auf einen Beschluss vom Dezember 2015 zurück. Damals hätten die Kantone auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle verzweifelt nach Unterkünften gesucht – aber sie seien oft an hohen Auflagen gescheitert. Also habe das zuständige Interkantonale Organ Technische Handelshemmnisse (IOTH) die Brandschutzvorschriften angepasst. Auch bei der Belegung in Gewerbe- oder Wohnhäusern setzte man niedrigere Standards als zum Beispiel in Hotels an.

«Krisensituation»

Im entsprechenden Entscheid heisst es: «Das IOTH nimmt zur Kenntnis, dass mit diesen Abweichungen das in den Brandschutzvorschriften anvisierte Schutzziel im Personenschutz nicht mehr im gleichen Umfang gewährleistet ist.»

Die Verantwortlichen verteidigen das Vorgehen in der Zeitung, dass der Auslöser eine Krisensituation gewesen sei. «Damals ging es nicht darum, wie man die Asylsuchenden unterbringt. Sondern dass man sie überhaupt platzieren kann», sagt IOTH-Generalsekretärin Christa Hostettler. (woz/sda)

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