Rapperswil-Jona: «Für Geld stechen manche einfach alles»
Aktualisiert

Rapperswil-Jona«Für Geld stechen manche einfach alles»

Der Tätowierer Sunheart Thommy Nowak arbeitet mit der traditionellen japanischen Technik Tebori. Mit seinem Bambusstock sticht er nur positive Motive.

von
qll
1 / 17
Der Tätowierer Sunheart Thommy Nowak arbeitet mit der uralten, japanischen Technik Tebori.

Der Tätowierer Sunheart Thommy Nowak arbeitet mit der uralten, japanischen Technik Tebori.

qll
Sunheart sticht die Tattoos am liebsten mit einem Bambusstock, besitzt aber auch Metallnadeln.

Sunheart sticht die Tattoos am liebsten mit einem Bambusstock, besitzt aber auch Metallnadeln.

qll
Er sticht ausschliesslich positive Tattoos.

Er sticht ausschliesslich positive Tattoos.

zvg

«Ich möchte den Menschen nur Glück und Freude mitgeben», sagt Sunheart Thommy Nowak. «Deshalb steche ich nur positive Tattoos.» Einmal sei beispielsweise ein Kunde gekommen und wollte sich einen Totenkopf tätowieren lassen. Ein anderes Mal wollte jemand auf dem Rücken ein Wesen halb Engel, halb Dämon. Er habe beide nicht tätowiert. «Jedes Tattoo hat eine Kraft in sich, wieso soll ich also die Menschen mit negativen Tattoos belasten», so Sunheart.

Das richtige Tattoo finden

Der 47-Jährige, der in Sri Lanka geboren wurde, lebt seit rund 15 Jahren in der Schweiz. Das Tätowieren hat er sich selber beigebracht. Seit zwei Jahren besitzt er einen Tattoo-Laden in der Rapperswiler Altstadt an der Kluggasse 14. Dort sticht er mit der japanischen Methode Tebori Tattoos: «Zwar habe ich auch eine Maschine und Metallnadeln, aber das Stechen mit dem Bambusstab macht mir am meisten Spass», so Sunheart. Der Bambusstab besitzt eine Spitze, die aus mehreren Nadeln besteht. Damit sticht Sunheart die Farbe per Hand in die Haut seiner Kunden. «Diese Technik erfordert nicht nur viel Übung, sondern auch Geduld.» Es dauere um einiges länger als mit der Maschine und sei auch ein bisschen schmerzhafter – auch für ihn. «Wenn es länger geht, habe ich Rückenschmerzen», so Sunheart. «Dieser Aufwand lohnt sich aber, denn das Resultat ist einzigartig.»

Diese Technik und allgemein die japanische Kultur habe er durch japanische Kampfsportarten wie Judo und Aikido kennen gelernt. Doch nicht nur die japanische Kultur fasziniere ihn: «Ich setze mich gerne mit den Wünschen und der Kultur meiner Kunden auseinander und versuche mit ihnen gemeinsam das richtige Tattoo zu finden und dieses auch richtig umzusetzen», so Sunheart.

Keinen Respekt für die Tattoo-Kultur

Viele andere Künstler hätten in seinen Augen in dieser Hinsicht aber versagt: «Für Geld stechen sie einfach alles, anstatt sich hinzusetzen und sich klarzumachen, was dieses Tattoo für den Kunden bedeutet und was es ihm im Leben bringt», so Sunheart. Seiner Meinung nach haben diese Tätowierer keinen Respekt für die Kunst und die Tattoo-Kultur. Die Leidtragenden seien die Kunden.

Doch nicht nur diese Gier, sondern auch die fehlende Hygiene und die Präzision hätten ihm bei anderen Künstlern gefehlt: «Ich war auf einigen Tattoo-Conventions und dort wurden Tattoos manchmal in einer eher unhygienischen Umgebung und ohne Handschuhe gestochen», so Sunheart, der über zehn Jahre in

verschiedenen Spitälern als OP-Lagerungspfleger gearbeitet hat und die Hygienevorschriften sehr gut kennt.

Verschiedene Materialien

Sunheart ist aber nicht nur ein begnadeter Tattoo-Artist, sondern macht auch einzigartige Kunstwerke, indem er auf echte Federn mit Ölfarben oder auf Stein und auf Samt malt. Seine Kunst auf Federn stellt er seit zwei Jahren im Ritterhaus in Bubikon ZH auf.

«Die Kunstwerke sind der Farbe und der Struktur der Feder angepasst», so Sunheart. Die Idee Kunstwerke auf Federn zu

malen, habe er in der Kindheit schon ausprobiert. In einer Indianer-Ausstellung habe er diese Kunst wieder entdeckt: «Ich fand es so speziell, dass ich es gleich selber ausprobiert habe», so Sunheart. Aus der indianischen Kultur habe er auch den Namen Sunheart: «Ein Indianerhäuptling hat mir in einem Ritual den Namen gegeben», so Sunheart. Die Sonne sei sehr wichtig für ihn. «Sie ist stark und macht die Menschen glücklich, so möchte ich auch sein», so Sunheart.

Deine Meinung