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Pfister schluckt HubacherFür kleine Möbelhäuser wird es eng

Wenige Ketten geben im Schweizer Möbelmarkt den Ton an. Traditionelle Möbelhäuser haben es dagegen schwer.

von
Fabian Lindegger

Die Konzentration im Schweizer Möbelmarkt spitzt sich zu. Die Pfister Arco Holding, zu der auch Möbel Pfister gehört, übernimmt per sofort Möbel Hubacher mit Standort in Rothrist. Die Nummer drei im Schweizer Möbelmarkt schluckt mit dem Familienunternehmen Hubacher die Nummer neun. 2014 erwirtschaftete die Pfister-Gruppe 603 Millionen Franken Umsatz, Möbel Hubacher rund 50 Millionen Franken. Zum Vergleich: Der Schweizer Marktführer Ikea erzielte 2014 einen Umsatz von 1,04 Milliarden Franken, wobei aber auch der Umsatz aus der Gastronomie eingerechnet ist.

Möbel Hubacher werde nach der Übernahme unter gleichem Namen und am selben Standort wie bisher weitergeführt, teilte die Pfister-Gruppe mit. Auch die 200 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Zur Übernahme sei es gekommen, weil die Inhaberfamilie Medina Hubacher eine externe Schweizer Nachfolgeregelung für Möbel Hubacher gesucht habe.

Mindestkurs-Aus macht Branche zu schaffen

Der Schweizer Möbelmarkt wird inzwischen dominiert von den grossen Ketten Ikea, Conforama, der Pfister-Gruppe, Migros, Coop und Otto's. Traditionelle regionale Möbelhäuser dagegen haben zu kämpfen. Erst im September gab das Haus Weibel Möbel im aargauischen Endingen nach 150 Jahren Bestehen die Schliessung bis Ende Jahr bekannt.

Die Möbelhäuser würden die Auswirkungen der Aufhebung des Euro-Mindeskurses zu spüren bekommen, sagt Hannes Vifian, Präsident des Verband Schweizer Möbelhandel- und industrie, zu 20 Minuten. Dies schlage sich auch auf die Frequenzen nieder: «Sehr viele Konsumenten gehen ins benachbarte Ausland einkaufen, weil sie das Gefühl haben, dass es dort billiger ist.» Dies sei aber oft gar nicht der Fall, erklärt Vifian.

Rückläufige Umsätze

Die starke Fokussierung auf den Preis ist laut Vifian eine der Herausforderungen im hiesigen Möbelmarkt: «Der Trend geht immer mehr in Richtung Billig- oder Luxussegment. Die Händler brauchen ein klares Profil, um sich entsprechend zu positionieren.» Darunter leiden traditionelle Möbelhäuser, die meist das mittlere Preissegment abdecken, besonders. Auch die Pfister-Gruppe verkauft vor allem Möbel mittleren Preises. Die Umsätze der Gruppe waren in den vergangenen Jahren denn auch rückläufig.

Durch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses habe der Preisdruck weiterhin deutlich zugenommen und generell hätten auch die Unternehmen der Pfister Gruppe die Zurückhaltung im Markt und der Konsumenten gespürt, erklärt Alfredo Schilirò, Pressesprecher der Pfister Gruppe. Es sei aber kein Stellenabbau geplant. Personalabgänge würden aber zum Teil nicht mehr ersetzt. Die verschiedenen Unternehmen der Pfister Gruppe beschäftigen insgesamt rund 2000 Angestellte.

Auch Möbelindustrie leidet

Neben dem Möbelhandel steht auch die Schweizer Möbelindustrie vor grossen Herausforderungen. Im August musste etwa die Möbelfabrik Karl Schuler in Rothenturm im Kanton Schwyz Konkurs anmelden, 48 Angestellte verloren ihre Stelle. Die Möbelfabrik Fraubrunnen im Kanton Bern gab im Sommer bekannt, dass rund 15 der 70 Angestellten die Kündigung erhalten würden.

Er hoffe zwar nicht, dass in der Möbelbranche weitere Stellen verloren gehen, sagt Hannes Vifan. «Aber wenn man es realistisch betrachtet, werden wohl noch weitere Arbeitsplätze abgebaut oder – im Fall der Industrie – ins Ausland ausgelagert werden.»

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