Angst vor dem Flirt: «Für Männer ists schwer, Frauen zu schmeicheln»
Aktualisiert

Angst vor dem Flirt«Für Männer ists schwer, Frauen zu schmeicheln»

Männer getrauen sich kaum mehr, einer Frau ein Kompliment zu machen – aus Angst, sie zu belästigen. Experten machen den Männern Mut.

von
Ph.Flück
Flirtexperte Thomas Peter: «Ein ehrliches Kompliment zu machen soll erlaubt sein.»

Flirtexperte Thomas Peter: «Ein ehrliches Kompliment zu machen soll erlaubt sein.»

Eine nette Bemerkung über die neue Frisur oder das hübsche Kleid – das bekommen Frauen in unseren Breitegraden immer seltener zu hören. Davon ist zumindest eine Redaktorin der «Süddeutschen Zeitung» überzeugt. Sie äussert in einem Artikel die Befürchtung, wegen dem Feminismus sterbe das Kompliment aus. Aus Angst, gleich als «blöder Anmacher» zu gelten, würden sich nämlich immer weniger Männer trauen, eine Frau anzusprechen oder ihr ein Kompliment zu machen.

In der Schweiz beklagte sich die Journalistin Esther Meyer unlängst über ein ähnliches Phänomen. «Männer, was ist mit euch los?», fragte sie in der «SonntagsZeitung» rhetorisch, und weiter: «Fehlt es am Flirt-Wissen, haben wir ein Balz-Manko?» Fakt sei, dass die meisten Gespräche schon nach der Begrüssung zum Erliegen kämen. In anderen Ländern seien Männer hingegen offener: «Ich höre andauernd, wie in Paris die Frauen an jeder Strassenecke charmant und unaufdringlich angesprochen werden.»

«Frauen bauen oft einen Schutzschild»

Auch Flirtexperte Thomas Peter beobachtet, dass es für Schweizer Männer heute schwieriger ist, einer Frau ein Kompliment zu machen, ohne dass sich diese belästigt fühlt: «Frauen bauen heute oft einen Schutzschild um sich und sind misstrauischer gegenüber Komplimenten.»

Viele könnten auch nur schlecht damit umgehen: «Wenn jemand einer Frau sagt, sie habe ein schönes Kleid, antwortet sie oft, es sei das vorderste im Schrank gewesen oder sie habe es schon länger.» Damit werte sie sich gleich selber ab, anstatt sich für das Kompliment zu bedanken. Eine solche Reaktion ermutige das Gegenüber nicht, das nächste Mal wieder ein Kompliment zu machen. Auch Journalistin Meyer stellt fest, dass Schweizer Frauen mangels Aufmerksamkeit Komplimente gar nicht mehr gewohnt sind – sie eingeschlossen: «Ich wurde vor einigen Jahren von einem jungen Herrn im Coop angesprochen. Ich war so verwirrt, dass ich zürcherisch schnippisch reagierte.»

Flirtcoach Peter rät den Männern, sich nicht unterkriegen zu lassen. Einer Frau ein ehrliches Kompliment zu machen, sei erlaubt, solange es spontan sei und nicht irgendein auswendig gelernter Spruch.

«Frauen sind mutiger geworden»

Markus Theunert, Präsident des Dachverbands der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, glaubt nicht, dass sich heute Frauen schneller belästigt fühlen als früher: «Frauen sind einfach mutiger geworden und wehren sich eher, wenn sie etwas als Belästigung empfinden.»

Laut Theunert ist es auch nicht schwieriger geworden für einen Mann, einer Frau durch ein Kompliment zu schmeicheln: «Ein echtes Kompliment wird auch heute noch als positiv empfunden.» Die Linie zwischen einem schönen Kompliment und einem anstössigen Kommentar sei zwar dünn, doch: «Mit Respekt und Wertschätzung geht fast alles, ohne geht es hingegen fast sicher schief».

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