14.10.2020 21:39

My Lovestory«Für meine grosse Liebe bin ich zwölfmal nach L.A. geflogen»

Eigentlich wollte Max (28) in Los Angeles nur Party machen. Aber schon bei seinem ersten Date mit James (30) war klar: Das könnte etwas Ernstes werden.

von
Meret Steiger
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Max (28) und James (30) haben sich in Los Angeles kennen gelernt.

Max (28) und James (30) haben sich in Los Angeles kennen gelernt.

privat
Max war dort mit einer Freundin in den Ferien. James, der ursprünglich aus England stammt, hat dort gearbeitet.

Max war dort mit einer Freundin in den Ferien. James, der ursprünglich aus England stammt, hat dort gearbeitet.

privat
An dieser Kreuzung haben sich die beiden das erste Mal getroffen – und danach die ganze Nacht geredet.

An dieser Kreuzung haben sich die beiden das erste Mal getroffen – und danach die ganze Nacht geredet.

privat

Darum gehts

  • Max (28) ist mit einer Kollegin für Partyferien nach Los Angeles gereist – und hat dort James (30) getroffen.
  • Zwischen den beiden hat es sofort gefunkt.
  • Anderthalb Jahre hat das Paar eine Ultra-Fernbeziehung geführt.
  • Heute lebt James bei Max in Zürich.

Im Dezember 2017 bin ich mit einer Freundin nach Los Angeles geflogen. Es sollten Partyferien werden: Wir waren beide gerade Single und wollten einfach nur Spass haben. Silvester habe ich dann bei Grindr diesen wirklich, wirklich herzigen Typ gesehen und ihn angeschrieben. Bei Grindr geht es, normalerweise, schon eher um eine schnelle Nummer, aber irgendwie wollte ich das bei James nicht. Ich wusste: Den Typ möchte ich zum Essen ausführen.

Wir haben uns dann am 2. Januar an einer Kreuzung in der Nähe seiner Wohnung getroffen. Dort die Überraschung: Der vermeintliche Amerikaner hat British English gesprochen. Wir sind dann zum Mexikaner essen gegangen und hatten einen fantastischen Abend. Danach ging es noch zu ihm nach Hause, wo wir stundenlang geredet haben. Am Morgen wurde mir klar: «Uh, shit, den mag ich wirklich.»

«Hat unsere Beziehung überhaupt eine Chance?»

In den letzten drei Tagen vor meinem Heimflug habe ich meine Kollegin links liegen gelassen und jede freie Minute mit James verbracht. Aber natürlich habe ich mir auch da schon viele Gedanken gemacht, was aus dieser Geschichte werden könnte. Wir sind beide durch Jobs «gebunden», und objektiv betrachtet, waren die Voraussetzungen wirklich nicht besonders gut.

Nach meiner Rückkehr haben wir sehr viel geschrieben und unseren Alltag geteilt. Das war nicht einfach: Wegen der Zeitverschiebung konnten wir nicht tagsüber telefonieren, sondern eigentlich immer nur, wenn der eine gerade aufstand und der andere ins Bett ging. Nachdem wir das ungefähr drei Wochen so durchgezogen hatten, redeten wir dann mal darüber, was aus uns werden soll.

«Die Entscheidung habe ich in L.A. gefällt»

Ende Februar bin ich erneut nach Los Angeles geflogen – dort sollte sich entscheiden, ob das mit uns wirklich etwas werden könnte oder ob wir hier einfach eine komplizierte Fernbeziehung romantisierten. Ich habe in dieser Woche bei ihm gewohnt, und es war wunderbar: Zwar musste er arbeiten, aber wir sind jeden Morgen gemeinsam 40 Minuten zu seinem Büro spaziert, und abends haben wir viel mit seinen Freunden unternommen.

Er hat mich schon am ersten Abend, nach meiner Ankunft am LAX, an eine Party geschleppt – ich war ein bisschen überfordert, aber es hat sehr viel Spass gemacht. Da war für mich klar: Das mit uns, das wird was. Das ist nicht nur das Feriengefühl, ich mag den wirklich. Um so trauriger war es, als ich dann nach einer Woche wieder nach Hause musste.

«Wir haben anderthalb Jahre Ultra-Longdistance gemacht»

James hat Familie in England, die er im April 2018 besucht hat. Von dort ist er dann auch das erste Mal zu mir in die Schweiz gekommen. Danach haben wir uns etwa alle sechs bis acht Wochen gesehen. Meistens bin ich zu ihm geflogen, die Amerikaner haben ja eigentlich kaum Ferien.

Einen nächsten Meilenstein hatten wir im Dezember 2018: Da habe ich an Weihnachten erstmals mit ihm seine Familie in England besucht, danach er an Silvester meine in der Schweiz.

«Endlich keine Fernbeziehung mehr»

Im Sommer 2019 ist James’ Arbeitsvertrag ausgelaufen, und er zog zu seiner Familie nach England, bis er einen neuen Job gefunden hat. Die grösste Umstellung war für mich die Zeitzone! Plötzlich waren wir nicht nur gleichzeitig wach, James war ja auch gerade arbeitslos und hatte viel Zeit, mir zu schreiben.

Kurz darauf ist er dann zu mir in die Schweiz gezogen, und wir waren endlich mal für eine längere Zeit zusammen. Und genau als James angefangen hat, sich einen Job zu suchen und sich anzumelden, kam Corona. Das hat alles ein bisschen durcheinandergebracht. Zum Glück hat er aber doch noch Arbeit gefunden, und seine Aufenthaltsbewilligung wurde verlängert – andernfalls hätte er im Mai 2020 wieder gehen müssen.

«Umstände schlecht, Ergebnis wunderbar»

Rückblickend bin ich einfach überrascht, wie reibungslos das alles lief, trotz der schlechten Voraussetzungen. Natürlich hatten wir kleinere Krisen, wegen der Jobsuche, der Sprachbarriere, wegen der Tatsache, dass er in der Schweiz noch kein eigenes Umfeld hat und so weiter. Alle haben sich an den Kopf gefasst, wenn wir ihnen unsere Geschichte erzählt haben, und doch: Für uns ist es so einfach genau richtig.

Zukunftspläne haben wir keine allzu konkreten. Heiraten, beziehungsweise unsere Partnerschaft eintragen lassen, möchten wir erst, wenn diese Partnerschaft der Ehe gleichgestellt ist. Für jetzt träumen wir von einem Eigenheim, das ist fast wichtiger.

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