Tularämie: Für Menschen tödliche Hasenpest auf Vormarsch
Aktualisiert

TularämieFür Menschen tödliche Hasenpest auf Vormarsch

Im grenznahen Ausland werden plötzlich Fälle einer tödlichen Infektionskrankheit bekannt. Die Hasenpest kann auch für Menschen tödlich verlaufen und nimmt in der Schweiz zu.

von
tso
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Auch bei Menschen kann Tularämie auftreten. Bei der äusseren Erscheinungsform führt dies zu offenen Wunden.

Auch bei Menschen kann Tularämie auftreten. Bei der äusseren Erscheinungsform führt dies zu offenen Wunden.

CDC Public Health Image Library
Die Tularämie wird von Feldhasen übertragen und deshalb auch Hasenpest genannt. Ebenfalls leicht übertragbar ist sie auf kleine Säugetiere, insbesondere Nagetiere.

Die Tularämie wird von Feldhasen übertragen und deshalb auch Hasenpest genannt. Ebenfalls leicht übertragbar ist sie auf kleine Säugetiere, insbesondere Nagetiere.

Keystone/Markus Jenny
Erreger sind Bakterien namens Francisella tularensis.

Erreger sind Bakterien namens Francisella tularensis.

CDC/Larry Stauffer, Oregon State Public Health Laboratory

Funde toter Hasen beunruhigen die Spaziergänger am Bodensee. Die Tiere verendeten an der Hasenpest, auch Tularämie genannt, berichtet vol.at. Die verendeten Tiere sollten keinesfalls angefasst werden: Die Krankheit ist auf Menschen übertragbar und kann tödlich enden, schreibt das Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Schon in den vergangenen Jahren wurden bei Friedrichshafen und im ganzen Bodenseeraum tote Tiere mit dem tödlichen Erreger gefunden. Die Hasenpest ist laut dem BAG auf dem Vormarsch. 2015 gab es in der Schweiz 50 registrierte Fälle von Tularämie, schreibt das Amt. Seit 2004 besteht eine Meldepflicht. «Tote Tiere, bei denen Verdacht auf gefährliche Infektionskrankheiten besteht, werden jeweils zur Untersuchung ins Labor nach Bern geschickt», so Amtsleiter Roman Kistler von der Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau. Man habe bisher keine Kenntnis von aktuellen Fällen bei Menschen. Das St. Galler Amt für Jagd und Fischerei erteilt dieselbe Auskunft: Es gebe aktuell auf dem Kantonsgebiet von Tularämie, verdächtig scheinende Kadaver von Wildtieren würden aber in jedem Fall untersucht.

Bereits wenige Erreger genügen

Eine Tularämie äussert sich beim Menschen durch Symptome wie Fieber, fortschreitende Entzündung der Eintrittsstelle sowie Lymphknotenschwellungen und kann unbehandelt in 5 bis 15 Prozent der Fälle einen tödlichen Verlauf nehmen, schreibt das BAG. Je nach Verlauf führt die Krankheit auch zu offenen Wunden oder Geschwüren. Weitaus gefährlicher ist jedoch der Verlauf, bei dem das Bakterium die inneren Organe befällt.

Die Übertragung auf andere Tiere oder den Menschen erfolgt meist durch Zecken- oder Insektenstiche, durch direkten Kontakt mit kontaminierter Umgebung oder erkrankten Tieren, beim Verzehr von deren ungenügend erhitztem Fleisch sowie durch Einnahme beziehungsweise Einatmen von verseuchtem Wasser und Staub. Bereits wenige Erreger können eine Erkrankung auslösen. Hundehalter sollten den Kontakt zwischen Hund und totem Tier unbedingt meiden. Kleine Nagetiere sind ebenso besonders anfällig für eine Infektion. Kaninchenhalter sollten deshalb bei Verdacht die Meldepflicht beachten und einen Tierarzt informieren, so das Veterinäramt St. Gallen auf Anfrage. Dies gilt grundsätzlich für alle Seuchen.

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