Aktualisiert 01.06.2011 11:02

Gökhan Inler

«Für mich beginnt eine neue Zeit»

Mit Gottes Segen und Gökhan Inler bricht die Schweizer Nationalmannschaft in eine neue Zukunft auf. Doch der Oltner muss seine Rolle erst noch finden.

von
Eva Tedesco
Gökhan Inler ist der neue Captain der Nationalmannschaft und der verlängerte Arm von Nati-Coach Ottmar Hitzfeld auf dem Platz. (Keystone/AP)

Gökhan Inler ist der neue Captain der Nationalmannschaft und der verlängerte Arm von Nati-Coach Ottmar Hitzfeld auf dem Platz. (Keystone/AP)

«Ich bin der Nati-Pfarrer», stellt sich der Herr am Rand des Trainingsplatzes in Freienbach vor und übergibt Gökhan Inler eine Plastiktasche. Als neuer Captain der Nationalmannschaft soll Inler im Namen von Peter Hallauer jedem Nationalspieler einen Brief und Appenzeller Biber aushändigen. Natürlich nicht ohne der Nati auch Gottes Segen und Glückwünsche mit auf den Weg zu geben.

Eine kleine Aufgabe im Gegensatz zu der, die in England und überhaupt in Zukunft auf den «Capitano» wartet. Der Mittelfeldspieler ist erstmals als Captain an einem Nati-Zusammenzug und reiht sich in die Galerie von prominenten Namen wie Heinz Hermann, Alain Geiger, Ciri Sforza, Johan Vogel und Alex Frei ein, indem ihn Naticoach Ottmar Hitzfeld zum Nachfolger des zurückgetreten Baselbieters bestimmt hat. Die Fussstapfen, die der (Noch-)Udinese-Söldner nach Frei auszufüllen hat, sind indes gross. Und die Nati befindet sich im Umbruch. Die bisherige Hierarchie existiert nicht mehr, die neuen zentralen Figuren müssen sich erst finden.

Serie-A-Torschützenkönig als Lehrmeister

Nach dem Rücktritt von Frei hatten sich Inler und Hitzfeld in Venedig getroffen. Der Lörracher hat ihm in der Stadt der Lagunen klar dargelegt, wie er sich seinen verlängerten Arm vorstellt. «Der Trainer hat mir gesagt, dass ich den jungen Spielern helfen soll in die Mannschaft hineinzuwachsen. Er will, dass ich in der Nati der Leader werde, zu dem ich bei Udinese geworden bin.» Inler hat sich vorgenommen, Mannschaftsgeist vorzuleben und seine Mitspieler mitzuziehen, wie er es beim Serie-A-Klub von seinem Captain Antonio Di Natale erlebt hat. Vom Torschützenkönig der Serie A habe er gelernt, wie wichtig es ist, mit ganzem Herzen bei der Sache zu sein.

«Das letzte Jahr in Udine war meine beste von vier Saisons.» Das Erreichen der Champions-League-Qualifikation ist der Lohn. Der Solothurner hat dabei als «Sechser» zentral vor der Abwehr gespielt. Eine ähnliche Position soll er nach dem geplanten Systemwechsel auf ein 4-2-3-1-System oder in einem 4-1-4-1 auch in der Nati bekleiden. Als Schnittstelle zwischen Defensive und Mittelfeld, wo er seine defensive Stärke ausspielen und die Dreier bzw. Viererkette vor ihm seine offensive Schwäche kompensieren kann. Und auch als Dirigent.

Inler will keine Riesen-Vorträge halten

Nur, viele Worte sind nicht das Ding des bald 27-Jährigen. «Ich brauche auch in der Nati nicht die Riesen-Vorträge zu halten», sagt Inler zum Thema, «wenn ich etwas zu sagen habe, werde ich mich sicher äussern. Ich werde mich vor die Spieler stellen, wenn nötig, und sie können immer zu mir kommen, wenn sie Hilfe brauchen. Aber als Mensch verändere ich mich bestimmt nicht». Hitzfeld ist überzeugt, dass das Amt eine Chance für Inler sein kann. Das gelte für alle, speziell aber für Inler.

Die Aufbruchstimmung hoch über dem Zürichsee ist spürbar. Mit diesem neuen Spirit will die «Next Generation» am Samstag ein Wunder schaffen, wie es an der WM mit dem 1:0-Sieg gegen den späteren Weltmeister Spanien gelungen ist. Und auch wenn dieses Wunder nicht ganz wiederholt werden kann, muss man sich um die junge Truppe keine Sorgen machen – denn die nächste Qualifikation für die WM 2014 steht bald an. Mit Inler als Captain und Leader – und vielleicht auch wieder mit Appenzeller Biber und mit Gottes Segen.

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