«Inglourious Basterds»: «Für mich ist das koscherer Porno»
Aktualisiert

«Inglourious Basterds»«Für mich ist das koscherer Porno»

Stauffenberg und die Geschwister Scholl sind gescheitert, aber Quentin Tarantino schafft es: Der Kultregisseur beendet in «Inglourious Basterds» das Nazi-Regime frühzeitig.

Er lockt Adolf Hitler, Joseph Goebbels und Martin Bormann zur Premiere eines Propagandafilms in einem Pariser Lichtspielhaus in eine Falle. Die NS-Grössen sterben im Inferno aus brennendem Zelluloid und Maschinenpistolen-Salven.

Mit diesem Film habe er sich einen lange gehegten Traum erfüllt, sagte Tarantino am Mittwoch beim Filmfestival in Cannes: «Die Macht des Kinos besiegt das Dritte Reich.» Seinen Hauptdarsteller Brad Pitt überzeugte er mit einem Skript, das mit «Es war einmal im Nazi-besetzten Frankreich» beginnt. «Es war definitiv provozierend, was ich immer haben will», sagte der Hollywood-Star bei der Premiere am Mittwoch in Cannes.

Bei den Filmfestspielen ist «Inglourious Basterds» im Rennen um die Goldene Palme. Doch verglichen mit dem Enthusiasmus nach der Uraufführung von «Pulp Fiction», der seinem Regisseur vor 15 Jahren den Hauptpreis in Cannes gebracht hat, waren die Reaktionen nach der Pressevorführung am Mittwochmorgen eher gelassen.

«Wie eine Sexszene»

«Ich bin oft gefragt worden, ob das ein Märchen sei, eine jüdische Wünsche erfüllende Fantasie», sagte Tarantino. «Meine Charaktere veränderten den Verlauf des Krieges. Nun, das ist nicht passiert, weil es meine Charaktere nicht gab.»

Hätte es sie gegeben, wären die in dem zwei Stunden und 40 Minuten langen film gezeigten Ereignisse durchaus plausibel gewesen. Für den jüdischen Filmmacher Eli Roth («Hostel»), den Tarantino für einen von Pitts «Basterds» anwarb, ist der Film mehr als eine Rachephantasie. «Für mich ist das koscherer Porno», sagte er. «Es ist etwas, über das ich seit meiner Kindheit fantasiere. Und es war wirklich wie eine Sexszene, als ich den Burschen tot prügelte und das Blut spritzte.»

An der Seite von Pitt spielen eine Reihe deutscher Schauspieler: Diane Krüger, Daniel Brühl, Michael Fassbender, Martin Wuttke als Hitler und Sylvester Groth als Goebbels. Eine herausragende Rolle spielt Christoph Waltz als deutscher «Judenjäger», der immer höflich und zugleich gnadenlos brutal ist. Die Rolle eines englischen Generals übernahm Mike Myers, der Superspion aus der Filmkomödie «Austin Powers».

Skalp-Sammel-Tour

«Basterds» hat zwei Handlungsstränge: Da ist ein Trupp amerikanisch-jüdischer Soldaten, geführt von Brad Pitt, die mit dem einzigen Ziel agieren, Nazis zu töten und deren Skalps zu sammeln. Auf der anderen Seite steht ein junger deutscher «Kriegsheld» (Daniel Brühl) im besetzten Paris, der sich in eine hübsche Kinobesitzerin verliebt.

Ein Propagandafilm über seine Grosstaten soll in ihrem Kino Premiere haben. Keiner der Nazigrössen ahnt, dass die junge Frau Jüdin ist und ihre Familie getötet wurde. Sowohl die Soldaten- «Basterds» als auch die Frau mit dem Kino planen für den Premierenabend das grosse Attentat.

Unter Wein: Pitt lenkt ein

Tarantino besuchte Pitt im vergangenen Sommer, um ihn für seinen Film zu gewinnen. Der Mann von Angelina Jolie sagte, er habe mit dem Regisseur bis tief in die Nacht über Filme diskutiert. «Als ich am nächsten Morgen aufwachte, lagen fünf leere Flaschen Wein auf dem Boden. Fünf. Und etwas, das an einen Rauchapparat erinnerte. Ich weiss nicht, worum es alles ging», berichtete Pitt. «Sechs Wochen später trug ich auf einmal eine Uniform. Ich war Leutnant Aldo Raine.»

Pitts Figur wird als «Aldo der Apache» zum Schrecken der Nazis. Allein die Nennung seines Namens und der Basterds lässt den deutschen Soldaten schon das Blut in den Ader gefrieren. Aldo sagt seinen Leuten, er wolle von jedem 100 Skalps deutscher Soldaten. Im Film ist auch zu sehen, wie sie dem Folge leisten.

«Die Kraft des Kinos»

Der Film hält sich an historische Kostüme und Kulissen, dazu gibt es aber Tarantinos typische und eigenwillige Musikauswahl. So gibt es Klänge a la Spaghetti-Western und Ennio Morricone, aber auch David Bowies «Cat People».

Tarantino gewann schon einmal, 1994 für «Pulp Fiction», die Goldene Palme. Sein neuer, die Geschichte umschreibende Film sei eine Metapher für die Kraft des Kinos, sag er. «Auf der anderen Seite ist es gar keine Metapher. Es ist wortwörtlich. Es ist: Die Kraft des Kinos stürzt das Dritte Reich. Und das gibt mir einen richtigen Kick.»

Exklusiv-Video: Quentin Tarantino präsentiert einen noch nie zuvor gezeigten Ausschnitt aus seinem Film.$$VIDEO$$ (sda)

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