Xherdan Shaqiri im grossen Interview – «Für mich war immer klar, dass ich mich impfen lasse»
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Xherdan Shaqiri im grossen Interview«Für mich war immer klar, dass ich mich impfen lasse»

Nach seinem Wechsel zu Lyon scheint Xherdan Shaqiri rechtzeitig für die WM-Quali wieder voll im Saft zu sein. Im Interview spricht der Nati-Star über seinen neuen Club, seine Corona-Impfung und seinen 30. Geburtstag.

von
Lucas Werder
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Xherdan Shaqiri weilt derzeit bei der Schweizer Nati. 

Xherdan Shaqiri weilt derzeit bei der Schweizer Nati.

Toto Marti/Blick/freshfocus
Im Interview spricht er über seinen Geburtstag, die Corona-Impfung und seinen Wechsel zu Lyon.

Im Interview spricht er über seinen Geburtstag, die Corona-Impfung und seinen Wechsel zu Lyon.

Toto Marti/Blick/freshfocus
Der 29-Jährige zeigt sich auch mit den Fans. 

Der 29-Jährige zeigt sich auch mit den Fans.

Toto Marti/Blick/freshfocus

Darum gehts

  • Xherdan Shaqiri spricht im Interview über seinen Wechsel zu Lyon, die Nati-Pause und den Geburtstag.

  • Bei einem allfälligen Penalty würde der 29-Jährige die Verantwortung übernehmen.

  • Ausserdem äussert sich Shaqiri über seine Corona-Impfung.

Xherdan Shaqiri, am Sonntag werden Sie 30 Jahre alt. Was löst das bei Ihnen aus?

«Die drei auf dem Rücken», sagt man doch, oder? Man wird halt älter. Weisse Haare habe ich noch keine, ich fühle mich immer noch jung.

Sie sind mittlerweile einer der Ältesten in der Nati.

Ich muss aber schon sagen, die Zeit vergeht unglaublich schnell. Ich fühle mich aber noch nicht wie einer der Ältesten. (lacht)

Wie werden Sie Ihren Geburtstag feiern?

Ich habe fast jedes Jahr während der Nati-Pause Geburtstag und feiere mit meinen Teamkollegen. Ein Sieg am Samstag wäre ein tolles Geschenk.

Sie haben am Dienstag auf Instagram für die Corona-Impfung geworben. Was hat Sie dazu bewegt?

Man sieht, wie viele Leute sich in ihren Kosovo-Ferien infiziert haben und jetzt nach ihrer Rückkehr im Spital liegen. Ich wollte einen Aufruf machen, um Leute anzusprechen, die sich noch nicht geimpft haben. Wir sollten uns gegenseitig helfen und uns schützen. Darum finde ich das Impfen eine gute Sache.

War für Sie immer klar, dass Sie sich impfen lassen?

Ich war ja selber infiziert und habe das Ganze durchgemacht. Für mich war immer klar, dass ich mich impfen lassen werde.

Granit Xhaka erkrankte Anfang Oktober an Corona. Er war nicht geimpft. Haben Sie mit ihm darüber gesprochen?

Nein, ich war ja das letzte Mal schon vor ihm von der Nati abgereist. Am Ende ist es jedem selber überlassen, ob er sich impfen lassen will.

«Ich war immer einer, der gerne Penaltys schiesst»

Shaqiri über die Penalty-Verantwortung.

Der Captain soll laut Murat Yakin ab sofort auch die Penaltys schiessen. Sie tragen nun die Binde gegen Nordirland und Litauen. Ist das ein zusätzlicher Druck?

Druck hat man immer, das ist völlig normal. Ich habe Muri gesagt, das sei kein Problem für mich. Ich war immer einer, der gerne Penaltys schiesst.

Kann es nerven, dass die Leute immer Grosses von Ihnen erwarten?

Früher sicher mehr als heute. Ich mache mir ja auch selber Druck, weil ich von mir auch gute Leistungen erwarte und Erfolg haben möchte. Es ist aber völlig normal, dass diese nicht immer nur gut sein kann.

Ende Jahr könnten Sie Ihr 100. Länderspiel bestreiten. Was bedeutet Ihnen diese Zahl?

100 ist eine schöne Zahl. Es ist nicht alltäglich, dass man so viele Spiele für sein Land bestreiten kann. Es macht mich sehr stolz, dass ich das erleben darf. Ich habe immer versucht, alles für unser Land zu geben.

Vielleicht klappt es genau in diesem Spiel auch mit der Qualifikation für die WM 2022?

Das wäre natürlich sehr schön. Mit dieser Mannschaft müssen wir das Ziel haben, uns für die WM zu qualifizieren.

Was wäre, wenn die Schweiz die WM verpassen würde?

Das kann immer passieren. Italien hat die WM 2018 verpasst, drei Jahre später wurden sie Europameister. Aber ich denke nicht, dass es so weit kommen wird, dass wir uns nicht qualifizieren werden.

Wie beurteilen Sie die ersten Spiele unter Murat Yakin?

Ein neuer Trainer bringt in der Regel auch eine neue Spielweise mit. Natürlich hat Muri neue Ideen, die wir nun Schritt für Schritt umsetzen wollen und müssen.

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Der Nati-Star äussert sich auch über Neu-Trainer Yakin. 

Der Nati-Star äussert sich auch über Neu-Trainer Yakin.

Toto Marti/Blick/freshfocus
Gegen Nordirland wird Shaqiri der Captain sein. 

Gegen Nordirland wird Shaqiri der Captain sein.

Claudio Thoma/freshfocus
Dies hat Murat Yakin bereits bekanntgegeben. 

Dies hat Murat Yakin bereits bekanntgegeben.

20min/Taddeo Cerletti

Sie sind im Sommer nach Lyon gewechselt. Wie waren die ersten Wochen in Frankreich?

Ich bin sehr froh, dass der Wechsel geklappt hat. Der Start ist mir geglückt, ich bin endlich wieder bei 100 Prozent.

Wie gut steht es um Ihr Französisch? Sind Sie fleissig am Lernen?

Ich muss ja. In Frankreich wird nicht viel Englisch geredet. Verstehen tue ich schon fast alles. Sie können mir die Fragen gerne auch auf Französisch stellen. (lacht)

Wie unterscheidet sich der Fussball in Frankreich von anderen Top-Ligen?

Viele Teams spielen mit Fünferketten. Das macht es für uns Offensivspieler natürlich nicht einfacher. Es hat viele junge Talente in Frankreich. Die Liga befindet sich sicher im Aufschwung.

In der Ligue 1 kam es zuletzt vermehrt zu Fan-Ausschreitungen und Gewalt innerhalb der Stadien. Ihr Club blieb bis jetzt verschont. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Das hat mich schon etwas überrascht. Als Spieler kannst du auf solche Dinge leider nur wenig Einfluss nehmen. So etwas hat im Fussball nichts verloren.

Mitte September spielten Sie mit Lyon gegen das Starensemble von PSG. Ein besonderes Spiel?

Natürlich, Lionel Messi war immer ein Vorbild für mich. Es war speziell gegen ihn zu spielen, zum Glück hat er gegen uns nicht getroffen. Das war mit der Nati schon anders.

Sie sprechen vom Testspiel 2012 (1:3), als Messi gleich dreimal traf?

Genau. Und ich konnte das einzige Tor für die Schweiz schiessen. Es gibt ein tolles Foto von ihm und mir nach dem Spiel. Das muss ich irgendwann mal gross aufziehen lassen.

Shaqiri mit Messi im Jahr 2012.

Shaqiri mit Messi im Jahr 2012.

freshfocus

Ist das Kapitel Lyon für Sie ein Neustart?

Jeder Wechsel ist ein Neustart. Ich bin sicher noch in der Eingewöhnungsphase. Das braucht einfach noch etwas Zeit. Für mich war es gut, dass ich mich in der letzten Nati-Pause auf den Verein konzentrieren konnte. Dafür kehre ich jetzt fit zur Nati zurück.

Welches Fazit ziehen Sie zu Ihrer Zeit bei Liverpool?

Ein sehr gutes. Ich habe ja zu Beginn viel gespielt und wir konnten grosse Titel gewinnen.

Hat Ihnen der Abschied weh getan?

Überhaupt nicht. Sonst wäre ich bei Liverpool geblieben. Ich hatte ja noch einen Vertrag.

Sie hatten mehrere Angebote. Warum der Wechsel zu Lyon?

Die offensive Spielphilosophie des Trainers hat mich überzeugt. Ich wollte auch ein neues Land kennenlernen und nahe bei meiner Familie sein. Das Gesamtpaket hat am besten gepasst.

Wie hat sich Jürgen Klopp von Ihnen verabschiedet?

Wir haben telefoniert und als der Wechsel fix war, hat er mir nochmals geschrieben. Er hat mir alles Gute gewünscht und gesagt, dass ich ein guter Spieler und guter Typ bin. Wir hatten immer ein sehr gutes Verhältnis.

Schon vor einem Jahr gab es Kontakt mit Lyon.

Ich wollte schon zu diesem Zeitpunkt weg von Liverpool und hatte neben Lyon auch Angebote aus Spanien und Italien. Doch der Verein wollte mich nicht gehen lassen. Das habe ich akzeptiert und mich professionell verhalten.

Haben Sie also ein Jahr verloren?

Das glaube ich nicht. Ich habe auch in diesem Jahr wertvolle Erfahrungen gesammelt.

«Der Trainer-Job würde mich schon reizen»

Shaqiri über seine Zukunft.

Wie sieht Ihre Zukunft in den nächsten drei bis vier Jahren aus?

Ich bin einer, der nicht gross in die Zukunft schaut. Früher hätte ich nie gedacht, dass ich mal für Liverpool oder Bayern München spielen würde. Man weiss nie, was die Zukunft bringt. Ich möchte so lange meine Gesundheit es zulässt auf Top-Niveau weiterspielen.

Sehen wir Sie noch einmal im Trikot des FC Basel?

Das ist schon immer noch ein kleiner Traum von mir. Ich möchte mir das aber offen lassen.

Wie sehen Sie die aktuellen Entwicklungen beim FCB?

Ich verfolge den Club natürlich immer noch. Sportlich scheint es wieder aufwärts zu gehen. Patrick Rahmen, den ich von früher kenne, macht einen guten Job. Was im Hintergrund passiert, kann ich nicht beurteilen.

Was haben Sie für Pläne nach Ihrer aktiven Karriere?

Ich möchte dem Fussball erhalten bleiben. Der Trainer-Job würde mich schon reizen, das muss ich zugeben. Noch habe ich leider kein Trainer-Diplom, aber ich mache mir schon Gedanken darüber.

Das Interview wurde im Rahmen einer Medienrunde aufgezeichnet.

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