TV-Preisverleihung: Für Raab zeigte Jury «Stil und Geschmack»
Aktualisiert

TV-PreisverleihungFür Raab zeigte Jury «Stil und Geschmack»

Stunk bei der Verleihung des «Deutschen Fernsehpreises»: Während es etwa für Regie oder Nebendarsteller keine Ehrung mehr gibt, bekam die deutsche Nati einen Preis. Stefan Raab sahnte gar doppelt ab.

von
Markus Peters
AP

Im Moment seines grossen Triumphs gab sich Stefan Raab ungewohnt bescheiden: «Hinge der Erfolg vom Aussehen ab, stände ich heute nicht hier», bekannte der ProSieben-Entertainer auf der Bühne des Kölner Coloneums. Gleich zweimal war er soeben mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet und damit zum grossen Gewinner der Veranstaltung gekürt worden. Die Ehrung erfolgte als Entertainer des Jahres und für seine Show «Unser Star für Oslo» als beste Unterhaltungssendung. Prompt bescheinigte Raab der Jury «Stil und Geschmack».

Ebenfalls zwei Preise gingen an die ARD-Produktion «Im Angesicht des Verbrechens», die als bester Mehrteiler und als Besondere Leistung Fiktion ausgezeichnet wurde. Zuvor hatte die neunköpfige Jury dem Fernsehjahr 2010 «unumstrittene Spitzenleistungen» attestiert. «Besonders haben wir uns über frische und mutige Formatentwicklungen wie 'Danni Lowinski' oder 'Klimawechsel' gefreut», erklärte die Juryvorsitzende Bettina Böttinger.

Streit um Wettbewerbskategorien

Im Vorfeld hatte es Kritik von Schauspielern und Regisseuren und ihren Verbänden gegeben, da die Auszeichnungen für die beste Regie, die beste Kamera und die besten Nebendarsteller gestrichen wurden. Viele der eingeladenen Gäste trugen daher einen silbernen Pin mit der Aufschrift «Ich bin preiswert», der vom Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) ausgegeben wurde. Der im Vorfeld angekündigte Boykott der Medienszene blieb aber offensichtlich aus.

Dafür griffen mehrere Preisträger den Streit auf, am deutlichsten Annette Frier, die mit der Anwaltsserie «Danni Lowinski» den einzigen Fernsehpreis für Sat.1 holte. Sie forderte den BFFS und die Verantwortlichen des Fernsehpreises auf, sich an einen Tisch zu setzen, «damit man sich im nächsten Jahr wieder gemeinsam besaufen kann». Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Wie der BFFS am Samstagabend mitteilte, haben die Stifter des Fernsehpreises inzwischen ein Gespräch «über den Preis und seine Perspektiven» angeboten.

Kritik am Ehrenpreis für deutsche Kicker

Für Ärger sorgte auch die Entscheidung der Stifter - ARD, ZDF, RTL und Sat.1 - ihren Ehrenpreis an die deutsche Fussballnationalmannschaft zu geben. Ihre Spiele seien die Fernsehereignisse des Jahres, hiess es zur Begründung. In den vergangenen Jahren waren TV-Urgesteine wie Dietmar Schönherr oder Alfred Biolek geehrt worden. «Dieser Schuss ging daneben», befand Moderatorin Ulla Kock am Brink. Comedian Michael Kessler bezeichnete die Ehrung der Nationalelf als «sehr fragwürdig»: «Den Ehrenpreis sollte jemand bekommen, der sich um das Medium verdient gemacht hat.» Er bekomme ja auch nicht den Uefa-Pokal.

Box-Champion Wladimir Klitschko verteidigte hingegen die Ehrung. Die Mannschaft habe dieses Jahr wirklich für Furore gesorgt. Und auch Ex-WDR-Intendant Friedrich Nowottny vermochte der Ehrung der Elite-Kicker positive Aspekte abzugewinnen: «Die erhalten derzeit so viele Preise, vielleicht fühlen sie sich jetzt auch mal bemüssigt, Welt- oder Europameister zu werden.»

Manch schöner Rücken entzückte

Der Fernsehpreis ist traditionell auch ein Schaulaufen der Branche. Die spätsommerlichen Temperaturen in Köln hatten die weibliche Prominenz zu reichlich freiem Rücken ermutigt. Silbern, aber auch kräftige Farben wie Blau und Rot bei den Abendroben sorgten bei den zahlreich anwesenden Celebrity-Reportern für Entzücken. Besondere Akzente setzte die hochschwangere Komikerin Mirja Boes mit einem auffallenden grünen Kleid. ZDF-Nachrichtenfrau Dunya Hayali zeigte im schwarzen Abendkleid grossflächige Tätowierungen. Getoppt wurden aber alle von Cindy aus Marzahn in einem pinken Pailetten-Inferno.

Sandra Maischberger und Kurt Krömer führten souverän durch den Abend, der für Fernsehpreis-Verhältnisse ungewohnt straff durchgezogen wurde. Offenbar freuten sich alle auf das Gala-Dinner, das erstmals die traditionelle Party ersetzte.

Alle Preisträger

Bester Fernsehfilm: «Tatort: Weil sie böse sind» (ARD/hr)

Bester Mehrteiler: «Im Angesichts des Verbrechens» (ARD)

Beste Serie: «Danni Lowinski» (Sat.1)

Bester Schauspieler: Christoph Bach für «Dutschke» (ZDF)

Bester Schauspielerin: Ulrike Kriener für «Klimawechsel» (ZDF)

Beste Dokumentation: «Aghet-Ein Völkermord» (ARD/NRD)

Beste Reportage: «Somalia - Land ohne Gesetz (ZDF)

Beste Information: «logo! Die Welt und ich» (Ki.ka/ZDF)

Beste Sportsendung: «Die Fussball-WM 2010» (RTL)

Beste Unterhaltung: «Unser Star für Oslo» (ARD/NDR/ProSieben)

Beste Comedy: «heute-show» (ZDF)

Bestes Dokutainment: «Rach der Restauranttester» und «Rachs Restaurantschule» (RTL)

Besondere Leistung Fiktion: Schauspieler-Ensemble «Im Angesichts des Verbrechens» (ARD)

Besondere Leistung Information: Volker Heise und Thomas Kufus für «24h Berlin - Ein Tag im Leben» (rbb/arte)

Besondere Leistung Unterhaltung: Stefan Raab als Entertainer des Jahres

Förderpreis: Michelle Barthel und Carolyn Genzkow als Darstellerinnen in «Keine Angst» (ARD/WDR)

Publikumspreis: «Sturm der Liebe» (ARD)

Ehrenpreis der Stifter: Fussball-Nationalmannschaft der Herren mit ihrem Trainer- und Betreuerstab

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