«Fernweh»-Podcast: Für René Schudel ist «Kochen wie ein Live-Konzert»
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«Fernweh»-PodcastFür René Schudel ist «Kochen wie ein Live-Konzert»

Als Spitzenkoch ist der Berner weit gereist. Im «Fernweh»-Podcast erzählt er von drei Orten, die ihm Momente für die Ewigkeit bescherten. 

von
Melanie Biedermann
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René Schudel gehört mit seinen Restaurants in der Jungfrau Region und seinen TV-Sendungen zum festen Bestandteil der Schweizer Kochszene.

René Schudel gehört mit seinen Restaurants in der Jungfrau Region und seinen TV-Sendungen zum festen Bestandteil der Schweizer Kochszene.

Rahel Schneuwly
Der Spitzenkoch ist waschechter Berner Oberländer.

Der Spitzenkoch ist waschechter Berner Oberländer.

René Schudel
Mit seinem Beruf reist er regelmässig um die Welt. 

Mit seinem Beruf reist er regelmässig um die Welt. 

René Schudel

Darum gehts

Basics mit Wumms in Indien

René Schudels Bezug zu Indien geht weit zurück: «In meinen Anfangszeiten machte ich viel Catering für Bollywood-Filme», erklärt er. Als sein TV-Format «Schudel’s Food Stories» an Fahrtwind aufnahm, lud ihn sein guter Freund, der Filmemacher Michael Steiner, ein, mit ihm für einen Dreh nach Indien zu kommen.

«Indien funktioniert einfach anders», meint der Koch. Das Vorurteil, dass das Land dreckig sei, winkt er direkt ab. «Klar liegt für unser Empfinden sehr viel Müll an Strassenrändern, aber die persönliche Hygiene wird sehr hoch geschrieben.» Dasselbe gelte beim Essen. Dort hebe sich die gigantische Kluft zwischen Arm und Reich, die im Land herrscht, beinah auf: «Das Essen stand bei all meinen Begegnungen immer im Vordergrund», so Schudel. 

«Wie einfach, gleichzeitig reichhaltig und geschmackvoll die Küche ist, hat mich wahnsinnig fasziniert», erklärt er. «Der Tanz mit diesen intensiven Geschmäckern – ich bekomme Gänsehaut, wenn ich nur daran denke.»

Bodenschätze in Finnland

«Ich wäre nie nach Finnland gegangen, wenn nicht ein guter Freund von mir dort ein Haus gekauft hätte», erzählt Schudel. «Das Land ist sehr eindrücklich, sehr dünn besiedelt, du bist stark auf dich gestellt.» Als er im tiefsten Winter dort war, empfand der Koch die Kulisse als «katastrophal fad»: «Schneeweiss von den Bäumen über gefrorene Seen.» Die Ruhe und Weite, die dadurch entstehe, sei aber auch «brutal beeindruckend, mystisch».

Die nordischen Länder sind auffällig stark in weltweiten Restaurant-Bestenlisten vertreten. «Norwegen, Schweden, Finnland sind kulinarische Highlights, weil sie sich sehr auf ihre DNA fokussieren. Sie lassen das Produkt Produkt sein, sind sehr besonnen – ich habe etwa noch nie so eine Vielfalt an Pilzen gesehen», erklärt Schudel. 

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Bootsmagie in Frankreich

In der Bretagne besuchte der Berner eine Austernfarm. «Das ist wahnsinnig körperlich», erinnert er sich. Die Erntefahrt blieb ihm besonders in Erinnerung: «Das sind ganz einfache Boote, flach, mit Führerstand und Kran, dann bretterst du damit übers Wasser. Wenn du Ebbe und Flut nicht im Griff hast, ist das Boot einfach irgendwo.»

Danach folgte «eines der heftigsten, kulinarischen Erlebnisse überhaupt». Der Austernbauer schenkte einen kühlen frischen Chardonnay in Plastikbecher und öffnete frisch gefangene Austern mit seinen baren Händen. «Da stand für mich zwei Minuten die Welt still», sagt Schudel. Beim Food zähle eben immer der Moment. «Kochen ist wie ein Live-Konzert. Du kannst dein Produkt nicht verewigen wie ein Bild oder einen Film.» 

Die komplette «Fernweh»-Folge mit René Schudel gibts direkt hier. Für mehr Reise-Anekdoten und -Inspiration gehts hier lang

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