Rubel-Zerfall: Für Russen heisst es jetzt Sotschi statt St. Moritz
Aktualisiert

Rubel-ZerfallFür Russen heisst es jetzt Sotschi statt St. Moritz

Russen wollen lieber zuhause Ski fahren als traditionell in der Schweiz oder Österreich. Schweiz Tourismus befürchtet einen Einbruch der Buchungen.

von
Claudia Landolt
1 / 7
Das Hotel Gstaad Palace ist bei einigen russischen Gästen beliebt. Der Zerfall des Rubels sorgt aber dafür, dass viele Russen sich dieses Jahr keine Skiferien in der Schweiz leisten können.

Das Hotel Gstaad Palace ist bei einigen russischen Gästen beliebt. Der Zerfall des Rubels sorgt aber dafür, dass viele Russen sich dieses Jahr keine Skiferien in der Schweiz leisten können.

Keystone/Gaetan Bally
Ebenfalls beliebt und ein «Must-see»: Zermatt. Dort ist vor allem das Hotel Mont Cervin Palace äusserst beliebt. Nicht nur russische Gäste fallen weg, sondern auch Touristen aus Japan.

Ebenfalls beliebt und ein «Must-see»: Zermatt. Dort ist vor allem das Hotel Mont Cervin Palace äusserst beliebt. Nicht nur russische Gäste fallen weg, sondern auch Touristen aus Japan.

Keystone/Olivier Maire
Ein Klassiker ist natürlich St. Moritz. Das Palace (hier im Bild) sowie das Kempinski Les Bains gelten als Lieblingshotels der Russen.

Ein Klassiker ist natürlich St. Moritz. Das Palace (hier im Bild) sowie das Kempinski Les Bains gelten als Lieblingshotels der Russen.

Keystone/Giancarlo Cattaneo

Sie waren beliebte Feriengäste, weil sie mehr konsumierten als alle anderen und sie füllten das Januarloch, weil sie Weihnachten erst am 7. Januar feiern: die Russen. Ihr Anteil an den Übernachtungen in St. Moritz und Umgebung macht 4 Prozent aus, das ist doppelt so viel wie im gesamtschweizerischen Durchschnitt. Doch jetzt müssen die Hoteliers um diese zahlungskräftige und konsumfreudige Klientel fürchten.

Schuld sind der Rubelzerfall und der Ukraine-Konflikt sowie die damit zusammenhängenden Sanktionen gegen Russland. Wegen der Schwäche des Rubels, der seit dem vergangenen Dezember mehr als 30 Prozent an Wert verloren hat, und als Folge der antiwestlichen Propaganda in ihrem Land bleiben viele Russen lieber daheim.

Ein Minus bis zu 30 Prozent

Das zeigen auch die Zahlen: Laut Bundesamt für Statistik gingen die durch russische Gäste registrierten Hotellogiernächte dieses Jahr markant zurück. Von Januar bis Oktober 2014 beträgt der Rückgang 7,4 Prozent (im Vergleich zur Vorjahresperiode). Und es könnte noch mehr werden: «Für den laufenden Winter gehen wir von signifikanten Rückgängen aus, die aufgrund volatiler Effekte wie Währung, Ölpreis oder politische Situation sehr schwer vorauszusagen sind», sagt Alain Suter, Mediensprecher von Schweiz Tourismus. Ein Minus zwischen 10 und 30 Prozent erscheine durchaus realistisch.

Das ist viel, hat doch der Tourismus in der Schweiz von der stark wachsenden russischen Mittelschicht profitiert. «Das schmerzt die touristische Schweiz besonders, da russische Gäste je nach Destination gerade im Winter ein starkes Gästesegment ausmachen und einen bedeutenden Beitrag an der Wertschöpfung vor Ort leisten», wie Suter sagt. Dieses habe sich schon lange Ferien in der Schweiz leisten wollen, aber zu preiswerteren Konditionen als heute.

«Davon profitierten neue Destinationen und auch Unterkünfte im Mittelklassebereich», sagt Suter. Die jüngsten Entwicklungen führten bei der neuen Mittelklasse wegen der schwachen lokalen Währung zu einem spürbaren Rückgang. Beim Nationalstolz der Mittelschicht finde auch Putins Aufruf, im eigenen Land Ferien zu machen und russische Produkte zu kaufen, einen guten Nährboden, heisst es bei Schweiz Tourismus.

Besonders betroffen ist die Mittelschicht

Dies bestätigt auch Elena Gerber, Vizedirektorin von Open Up Travel, einer Reiseagentur, die auf Reiseangebote für russische Gäste in der Schweiz spezialisiert ist, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung»: «Die Zahl der vermittelten Pauschalreisen für Kunden aus der russischen Mittelschicht ist um rund 40 Prozent eingebrochen.»

Den Ultrareichen unter den Russen kann der jüngste Währungszerfall (noch) nichts anhaben. Recherchen von 20 Minuten zufolge erfreuen sich die beliebten Fünf-Sterne-Hotels in St. Moritz bei der obersten Kaufkraftklasse Russlands nach wie vor grosser Beliebtheit.

Deine Meinung