«Time-out»: Für Schläpfer ist es Zeit, zurückzutreten
Aktualisiert

«Time-out»Für Schläpfer ist es Zeit, zurückzutreten

Biels Kevin Schläpfer ist der Trainer des Jahres. Nun wird es Zeit, dass er seinen Job vorübergehend aufgibt und entweder Verwaltungsrat oder Assistent des General Managers wird. Eine Polemik.

von
Klaus Zaugg

Zweimal hat der Baselbieter als Nothelfer für die gefeuerten Trainer Biel im siebten Spiel der Liga-Qualifikation gerettet (2009 und 2010). Zuletzt führte er Biel zweimal sensationell in die Playoffs.

Kevin Schläpfer ist inzwischen viel mehr als einfach ein Trainer. Er hat dem Sportunternehmen EHC Biel ein Gesicht gegeben. Er ist Biels bester Botschafter seit Torhüter Olivier Anken (Rücktritt 1994). Ja, er ist der eigentliche Sympathieträger dieses Sportunternehmens. Davos war schon vor Arno Del Curto eines der populärsten Teams im Lande. Biel ist erst durch Kevin Schläpfer wieder auf die sportliche Landkarte der Schweiz gekommen.

Über der Belastungsgrenze

Wäre der ehemalige Kultstürmer ein gewöhnlicher Trainer und Lohnempfänger des EHC Biel, dann könnte er weiterhin an der Bande bleiben. Aber er ist ein ungewöhnlicher Trainer mit ungewöhnlichen Arbeitsmethoden. Er ist mit ziemlicher Sicherheit neben Arno Del Curto der emotionalste Bandengeneral der Liga. Aber noch nicht so erfahren und so robust wie Arno Del Curto. Diese Saison ist Kevin Schläpfer über seine Belastungsgrenze hinausgegangen. Diese Saison hat er die Kerze an beiden Enden angezündet und im letzten Qualifikationsspiel einen Zusammenbruch erlitten.

Seine Arbeit wird nächste Saison nicht einfacher. Sie wird noch viel schwieriger. Weil das Management beim EHC Biel richtigerweise nur so viel Geld ausgibt, wie hereinkommt. Das führt dazu, dass die Mannschaft nicht verstärkt werden kann. Jahr für Jahr verliert Schläpfer seine besten Spieler, weil die Konkurrenz höhere Löhne zahlt. Er hat ungeschliffene Diamanten zu guten NLA- oder gar Nationalspielern gemacht.

Am Ende dieser Saison gehen unter anderem die Nationalspieler Clarence Kparghai (Lugano), Thomas Wellinger (SC Bern) und Reto Berra (noch unbestimmt). Auch Anthony Huguenin (Gottéron) verlässt Biel. Sie alle waren als «Nobodies» nach Biel gekommen. Als valable Zuzüge stehen erst Langnaus Christian Moser und Langenthals Claudio Cadonau fest. Keine Nationalverteidiger. Und als neuer Goalie kommt Robert Mayer. Auch noch kein Nationaltorhüter.

Schläpfer muss noch mehr Gas geben

Damit zeichnet sich bereits ab: Die nächste Saison wird noch schwieriger. Kevin Schläpfer muss noch mehr Gas geben, Emotionen machen, einheizen. Und das ist eigentlich fast nicht mehr möglich. Doch entscheidend ist etwas anderes: Die Gefahr, dass die Bieler die Playoffs nicht erreichen, ist erheblich. Wer aber soll dann Kevin Schläpfer ersetzen, wenn der Puck nicht den Weg der Bieler gehen will? Wenn sie im Frühjahr 2014 in die Playouts müssen? Oder gar in die Ligaqualifikation geraten?

Es gibt nur einen erfolgreichen Nothelfer für Biel: Kevin Schläpfer. Deshalb sollte Biels Hockeygott seinen Platz an der Bande zumindest vorübergehend verlassen und Assistent von General Manager Daniel Villard oder Verwaltungsrat werden. In dieser Position kann er den EHC Biel bestens als Botschafter vertreten. Er kann als Berater eines neuen Trainers und des Sportchefs seine reiche Erfahrung ins Tagesgeschäft einfliessen lassen.

Wenn die Dinge dann aus dem Ruder laufen sollten, so kann er im Frühjahr 2014 wieder an die Bande herabsteigen und «seinen» EHC Biel in den Playouts oder in der Liga-Qualifikation retten. Sollte es gar gelingen, einen neuen Trainer zu finden, der auch ein Wunder schafft und Biel in die Playoffs bringt – umso besser. Dann hat Biel einen «Hockeygott» und einen «Vize-Hockeygott».

Törmänen als Schläpfer-Nachfolger?

Aber wer könnte für Kevin Schläpfer neuer Trainer werden? Nun, da gibt es in der grossen weiten Welt genügend Kandidaten. Und am Ende dieser Woche könnte sich sogar eine ganz interessante Möglichkeit ergeben. Was macht der SC Bern in der Trainerfrage, wenn Antti Törmänen in den Playoffs scheitern sollte? Der freundliche Finne hat sich bisher als sehr guter Trainer für den milden Ausbildungs-Alltag der Qualifikation erwiesen. Aber vorerst hat er noch etwas Mühe mit der Hitze der Playoffs.

Ende der Polemik. Natürlich wird Kevin Schläpfer seinen Trainervertrag bis Ende der nächsten Saison beim EHC Biel erfüllen. Aber ich hoffe sehr, dass sich die Bieler und Kevin Schläpfer in einem Jahr nicht reumütig an die Gedankenspiele in dieser Kolumne erinnern.

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