Aktualisiert 04.06.2015 17:04

Bezirksgericht Zürich

Für Schönheits-OPs 860'000 Fr abgezweigt

Für Schönheits-OPs, Autos und Pferde hat eine Angestellte ihre Arbeitgeberin um 860'000 Franken betrogen. Dafür kassierte sie eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren.

von
A. Szenogrady
Eine künftige Medizinstudentin stand am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zürich.

Eine künftige Medizinstudentin stand am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zürich.

Noch vor einem Jahr pflegte die heute 30-jährige Beschuldigte aus Bülach einen gediegenen Lebensstil. Obwohl die attraktive Frau als Teilzeitangestellte einer Werbefirma monatlich lediglich 2300 Franken verdiente, lebte sie in einer Wohnung mit einer gehobenen Ausstattung, besass zwei Personenwagen, unterhielt im Bezirk Dielsdorf gleich mehrere Pferde und leistete sich mehrere Schönheitsoperationen.

Doch wie war dies möglich? Auf diese Frage gab ein Strafprozess vom Donnerstag am Bezirksgericht Zürich die Antwort. So legte die elegant gekleidete Deutsche vor den Schranken ein umfassendes Geständnis ab. Demnach hatte die frühere Empfangsdame ihre Arbeitgeberin zwischen November 2011 und April 2014 regelmässig um hohe Geldbeträge betrogen.

In drei Jahren 860'000 Franken abgezweigt

Die Polizei nahm die Bülacherin am 28. Mai 2014 fest, worauf sie 78 Tage in Untersuchungshaft verbrachte und alle Vorwürfe zugab. So hatte die begeisterte Reiterin in drei Jahren mit der Hilfe eines Mittäters rund 860'000 Franken der Werbefirma mittels fiktiven Zahlungen und Unterschlagungen für sich abgezweigt.

Wobei sie mit den ergaunerten Geldern ein Leben in Saus und Braus führte. «Sie haben sich einen exorbitanten Lebensstil geleistet», lastete ihr der Gerichtsvorsitzende Thomas Müller während der Urteilseröffnung an. Die Beschuldigte zeigte sich reumütig und führte aus, dass sie heute wieder arbeite und demnächst in Zürich ihr Medizinstudium aufnehmen werde.

Wohlwollende Strafe, aber kein mildes Urteil

Die Beschuldigte habe das Vertrauen ihrer Arbeitgeberin missbraucht, führte Präsident Müller aus und sprach deshalb von einer wohlwollenden Bestrafung, auf die sich die Parteien bereits vor der Verhandlung geeinigt hatten. Demnach wurde die künftige Ärztin wegen gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage sowie mehrfacher Veruntreuung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Ein Jahr davon unbedingt, abzüglich der Untersuchungshaft.Die verbliebenen neuneinhalb Monate kann sie auch in Halbgefangenschaft verbüssen. Was bedeutet, dass sie tagsüber an der Universität studieren und die Nacht im Gefängnis verbringen darf.

Von einem milden Urteil zu sprechen, wäre aber verfehlt. So sieht sich die junge Frau mit einem gigantischen Schuldenberg konfrontiert. So muss sie der Werbefirma einen verbliebenen Schadenersatz von 755'000 Franken sowie eine Prozessentschädigung von über 15'000 Franken entrichten. Zudem soll sie für die beachtlichen Verfahrenskosten von rund 45'000 Franken aufkommen. Einen Teil des Deliktbetrags konnte die geschädigte Firma mit dem Verkauf der beschlagnahmten Pferde wieder einbringen. Die Beschuldigte wird in naher Zukunft auf ihren Lieblingssport wohl verzichten müssen.

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