Aktualisiert 29.05.2018 15:00

TiradeFür SVP-Amstutz sind Zivis «traurige Weicheier»

Als «Hosenscheisser und Schutzverweigerer» tituliert SVP-Haudegen Adrian Amstutz Zivildienstler. Armeegegner finden das «unschweizerisch».

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pam

Adrian Amstutz (SVP) erzählte in einer früheren 20-Minuten-Umfrage von seinen Erfahrungen als Fallschirmgrenadier. (Video: bz)

Noch nie fanden mehr 18- bis 29-Jährige, die Schweizer Armee sei notwendig, wie eine Studie der Militärakademie an der ETH Zürich zeigt. Grund genug für Adrian Amstutz, SVP-Nationalrat und ehemaliger Fallschirmgrenadier, gegen «die traurige Minderheit von Schutzverweigerern und Weicheiern» auszuteilen. «Vor lauter Selbstbeweihräucherung und Freude darüber, vermeintlich dem Staat ein Schnippchen geschlagen zu haben, merken diese Pseudopazifisten nicht, dass sie sich in Wirklichkeit ins eigene Bein schiessen und ihren Beitrag zum Schutz der Menschen in der Schweiz verweigern.»

Zu seiner Tirade unter dem Titel «Heldenstories der Hosenscheisser» veranlasst hat ihn, dass 20-Minuten-Tilllate im Nachgang zur ETH-Studie die Leser gefragt hatte, wie sie auf «untauglich» gemacht hätten. Auf Anfrage präzisiert er: «Ich meine diejenigen, die sich überhaupt durch geschickte Ausreden von jeglicher Dienstverpflichtung befreien, und diejenigen jungen, gesunden Männer, die Militärdienst leisten könnten und aus reiner Bequemlichkeit in den Zivildienst abschleichen.» Zivilschutz-Dienstleistende seien im Gegensatz dazu bereit, im Katastrophen- und Kriegsfall anpacken zu helfen.

«Verweigerer sind die Ersten, die nach der Armee schreien»

Die Logik hinter Amstutz' Angriff auf die «Schutzverweigerer»: «Sie wollen also im schlimmsten Fall ihre Familien, ihr Freunde und ihr Land nicht verteidigen helfen. Würde sich jeder junge Mann vor seiner Pflicht drücken, könnte die Armee ihren Auftrag zur Kriegsverhinderung, zur Erhaltung des Friedens und zur Landes- und Bevölkerungsverteidigung nicht mehr wahrnehmen.» Das gehe so lange gut, bis der Ernstfall eintrete. «Dann darf man damit rechnen, dass diese Hosenscheisser und Schutzverweigerer die Ersten sein werden, die nach dem Schutz durch die Armee schreien.»

GSoA findet Amstutz' Attacke «unschweizerisch»

Lewin Lempert, Sekretär der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA), findet Amstutz' Aussagen «grenzwertig». «Es ist bedenklich, wenn ein gewählter Nationalrat den Beitrag des Zivildiensts an unser Land herabwürdigt.» Denn jene jungen Menschen leisteten sehr wohl einen Dienst an der Gemeinschaft. «Ich finde es unschweizerisch, den Weg des Zivildienstes, der demokratisch beschlossen wurde, in Frage zu stellen.» Lempert: «Herr Amstutz hätte wohl lieber die Zeit zurück, als Tausende junge Männer für Dienstverweigerung ins Gefängnis gesteckt wurden und keinen sinnvollen Dienst wählen konnten.»

Auch die Untauglichen nimmt Lempert in Schutz: «Wer tauglich ist, entscheidet die Armee aufgrund der körperlichen und psychischen Gesundheit.» Zu behaupten, alle sie würden sich Lügengeschichten ausdenken, um vom Dienst wegzukommen, sei eine Frechheit.

Zur GSoA-Kritik sagt Amstutz: «Der Zivildienst ist nicht für Tausende Abschleicher und Schutzverweigerer geschaffen worden, sondern für die wenigen Ausnahmen mit echten Gewissenskonflikten.» Wenn jemand unschweizerisch sei, dann die GSoA. «Das ist ja der Schutzverweigerungsclub der Armeeabschaffer, der unser Land und damit die Menschen in der Schweiz im Notfall schutzlos einem Aggressor ausliefern will.»

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