4,2 Milliarden Gewinn: Für Swiss Re war «Sandy» nur ein laues Lüftchen

Aktualisiert

4,2 Milliarden GewinnFür Swiss Re war «Sandy» nur ein laues Lüftchen

Die Swiss Re weist für das vergangene Jahr 4,2 Milliarden Dollar Gewinn aus – trotz Jahrhundertsturm «Sandy». Das überraschend gute Ergebnis wird sich kaum wiederholen lassen.

von
Sabina Sturzenegger

Der Schweizer Rückversicherungskonzern Swiss Re hat für das Jahr 2012 abgerechnet. Er kann einen Gewinn von 4,2 Milliarden Dollar ausweisen. 2011 hatte das Unternehmen noch 2,6 Mrd. Dollar verdient – das macht ein sattes Plus von 60 Prozent. Der Grund für den Geldsegen im vergangenen Jahr liege in allen Geschäftsbereichen, heisst es bei Swiss Re.

Gemäss Analysten gehen die grossen Gewinne aber auch auf eine grosse Portion Glück zurück sowie auf eine aggressive Strategie. So sagt ein Analyst zu 20 Minuten Online: «Ein positiver Effekt für Swiss Re war im letzten Jahr die geringe Zahl der Schadensfälle sowie ein aufgeblasener Gewinn durch die Auflösung von sehr vielen Reservierungen.»

2011: Flut in Australien und Thailand, Hurrikan Irene

Der Hurrikan «Sandy», der im Oktober über die Ostküste der USA fegte, kostete die Swiss Re zwar 900 Millionen Dollar, doch sonst war das Jahr 2012 arm an teuren Naturkatastrophen. Ausser «Sandy» fielen das Erdbeben in Norditalien vom Mai mit 140 Millionen sowie die anhaltende Trockenheit in den USA mit 50 Millionen ins Gewicht. Unter den Katastrophen, die von Menschenhand verursacht wurden, zählt die Havarie der Costa Concordia im Januar mit 93 Millionen Dollar zu den teuersten.

Zum Vergleich: Fukushima und das Erdbeben in Neuseeland allein kosteten 2011 mehr als 2 Milliarden. Hinzu kamen Überschwemmungen in Australien und Thailand, Hurrikan Irene, die nochmals fast 1 Milliarde Dollar Kosten verursachten. Das Verhältnis von Schadenslasten und administrativen Kosten zu den Einnahmen betrug tiefe 83,1 Prozent im Vergleich zu 104,7 Prozent im 2011.

«Gewinn lässt sich nicht wiederholen»

Die Reserveauflösungen der Swiss Re fallen 2012 ebenfalls überdurchschnittlich hoch aus, wie der Analyst erklärt. Swiss-Re-Finanzchef George Quinn beziffert sie auf 1 Milliarde Dollar – alles Gelder, die für Verpflichtungen und Versicherungsleistungen nicht mehr gebraucht werden. «Die Auflösung von Reserven in dieser Höhe ist eine wirklich aggressive Strategie», sagt der Analyst. Man müsse davon ausgehen, dass ein so hoher Gewinn, wie die Swiss Re ihn letztes Jahr eingefahren hat, sich nicht wiederholen lasse.

An der Börse legte die Aktie des Rückversicherers nach Handelsstart um über 3,5 Prozent zu. Damit übertraf die Swiss Re die Erwartungen der Analysten deutlich: Experten hatten laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur awp 3,6 Mrd. Dollar Gewinn erwartet.

Die Stimmung unter den Aktionären ist vor allem dank einer grosszügigen Gewinnbeteiligung gut. Der Konzern, der dieses Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiert, gibt den Aktionären im Jubiläumsjahr neben der Dividende von 3,50 Franken pro Aktie eine Sonderausschüttung von 4 Franken pro Anteilsschein. Im Vorjahr hatten die Investoren 3 Franken erhalten.

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