Historischer Bau: «Für uns Denkmalschützer ist es eine Tragödie»
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Historischer Bau«Für uns Denkmalschützer ist es eine Tragödie»

Heimatschützerin Barbara Truog schmerzt der Brand des historischen Gebäudes am Zürcher Bahnhofplatz. Sie hofft, dass die Fassade gerettet werden kann.

von
daw

Drohnenaufnahmnen der Polizei sowie Augenzeugenvideos der Explosionen. (Video: Tamedia)

Frau Truog, Sie sind Präsidentin des Stadtzürcher Heimatschutzes. Was waren Ihre Gedanken, als Sie vom Brand erfahren haben?

Ich war sehr betroffen. Das ist eine Tragödie für uns Denkmalschützer. Ich hatte noch die Pläne für die Sanierung genau geprüft und aus denkmalschützerischer Sicht keinen Grund für eine Einsprache gesehen, auch nachdem die Pläne überarbeitet wurden. Ich hoffe, dass man die wertvolle Fassade erhalten kann. So oder so ist der Schaden aber immens.

Was wissen Sie über die Geschichte des Hauses?

Es handelt sich um eine Blockrandbebauung, die um 1895 erbaut wurde. Das Haus steht unter Denkmalschutz. Die genaue Geschichte ist mir nicht bekannt, da ich das Gutachten nicht einsehen konnte. Klar ist: Es handelt sich um hochrepräsentative Gebäude, wie es sie fast nur im Bahnhofstrassenquartier gibt.

Was macht das Gebäude schützenswert?

Die zeittypische Ausgestaltung: Sandsteinfassade, der Reichtum der Fassadengestaltung, die Skulpturen und die klar abgesetzten Sockelgeschosse. Wie viel von der Originalsubstanz im Inneren noch vorhanden war, weiss ich nicht. Möglich ist, dass es Wandmalereien etwa im Treppenhaus gab. Diese sind unwiederbringlich verloren – wenn sie nicht durch das Feuer zerstört wurden, dann durch das Löschwasser.

Würden Sie sich wünschen, dass man das Gebäude wieder originalgetreu nachbaut?

Das ist wohl sehr teuer – ein solches Haus könnte man heute gar nicht mehr bauen, weil es viel zu viel kosten würde. Eigentlich ist die Rekonstruktion aus denkmalpflegerischer Sicht abzulehnen. Ich bin aber in einem inneren Zwist: Ein störender Neubau in dieser Häuserzeile wäre fast noch schlimmer.

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Skulpturen und reiche Fassadengestaltung: Denkmalschützerin Barbara Truog blutet nach dem Grossbrand das Herz.

Skulpturen und reiche Fassadengestaltung: Denkmalschützerin Barbara Truog blutet nach dem Grossbrand das Herz.

Keystone/Walter Bieri
Am Hauptbahnhof Zürich sind alle Ausgänge Richtung Bahnhofquai abgesperrt, Polizisten informieren Pendler über die Umleitungen der Bus- und Tramlinien.

Am Hauptbahnhof Zürich sind alle Ausgänge Richtung Bahnhofquai abgesperrt, Polizisten informieren Pendler über die Umleitungen der Bus- und Tramlinien.

Liliane Minor
Das Gebiet um den Brandplatz wird voraussichtlich noch länger abgesperrt bleiben.

Das Gebiet um den Brandplatz wird voraussichtlich noch länger abgesperrt bleiben.

Liliane Minor

Die Explosionen im Video:

Die Explosionen im Video

Leser-Videos zeigen die heftigen Explosionen am HB. (Video: Tamedia/Leser-Reporter/Storyful)

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