Aktualisiert 12.06.2019 07:48

Schulareal gesperrt

«Für uns Mütter ist das total diskriminierend»

Die Gemeinde Sevelen SG hat über Pfingsten eine Schulanlage mit Absperrband blockiert – sehr zum Ärger einiger Mütter, die dort mit ihren Kindern spielen wollten. Die Gemeinde erklärt sich.

von
juu
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«Das ist einfach unter aller Sau», echauffiert sich eine Mutter aus Sevelen. Über das Pfingstwochenende wurde das Schulareal Gadretsch kurzerhand abgesperrt.

«Das ist einfach unter aller Sau», echauffiert sich eine Mutter aus Sevelen. Über das Pfingstwochenende wurde das Schulareal Gadretsch kurzerhand abgesperrt.

Leser-Reporter
Mehrere Zettel mit der Aufschrift: «Ganze Anlage gesperrt – Feiertag», hingen an der Anlage. Zudem wurde der hintere Teil des Schulareals mit einem Absperrband versehen.

Mehrere Zettel mit der Aufschrift: «Ganze Anlage gesperrt – Feiertag», hingen an der Anlage. Zudem wurde der hintere Teil des Schulareals mit einem Absperrband versehen.

Leser-Reporter
«Wo sollen wir denn mit unseren Kindern noch hin?», fragt sich die Mutter.

«Wo sollen wir denn mit unseren Kindern noch hin?», fragt sich die Mutter.

iStock/Fstop123

«Es ist für uns Mütter einfach nicht fair. Wo sollen wir denn mit unseren Kindern noch hin?», fragt sich eine Mutter aus Sevelen. Sie wollte am Pfingstwochenende mit ihrem Kind auf dem Schulareal Gadretsch in Sevelen spielen gehen, als sie eine abgesperrte Anlage vorfand. Mehrere Zettel mit der Aufschrift: «Ganze Anlage gesperrt – Feiertag» hingen an der Anlage. Zudem wurde der hintere Teil des Schulareals mit einem rot-weissen Absperrband versehen.

«Dass man das Schulhaus für Kinder sperrt, ist unter aller Sau», so die Mutter gegenüber 20 Minuten. Sie habe langsam das Gefühl, als wolle man, dass Kinder zu Hause eingesperrt werden. Denn laut ihr gibt es im Dorf keine weiteren Spielmöglichkeiten.

Anwohner beschwerten sich über Lautstärke

Auf Nachfrage bei der Gemeinde zeigt sich ein ganz anderes Problem: «Wir haben eher gegenteilige Reklamationen», sagt Alex Schwendener, Leiter Infrastruktur Gemeinde Sevelen. So hätten sich vermehrt Anwohner beschwert, dass die Lärmemissionen, die von der Schulanlage ausgingen, teils unzumutbar seien. «Einige Kinder und Jugendliche sitzen dort mit ihren Musik-Anlagen. An schönen Tag hören Anwohner teils bis 22 Uhr Rambazamba», so Schwendener.

Aber auch Vandalismus sei ein grosses Problem auf dem Schulareal. Schwendener: «Diverse Sachen wurden bereits beschädigt. So unter anderem Bänkli, aber auch Velos wurden schon auseinandergeschraubt.» Dabei seien die Übeltäter nicht einmal alle in der Pubertät: «Es sind nicht nur Jugendliche. Einige von ihnen sind erst zehn oder elf Jahre alt.»

Benützungstafeln bereits seit 2015

Um sich gütlich zu einigen, verfasste die Gemeinde bereits 2015 ein entsprechendes Benützungsreglement für die Schulanlagen. Darin steht geschrieben, dass die Aussenanlage jeden Sonntag von 12 bis 14 Uhr und an diversen Feiertagen gesperrt ist. So auch an den Pfingstfeiertagen. Obwohl das Reglement bereits seit über vier Jahren existiert und auch als grosse Tafel am Schulareal angebracht ist, zeigte es kaum Wirkung: «Deshalb haben wir uns entschieden, dieses Jahr die Anlage erstmals komplett abzusperren», erklärt Schwendener.

Für die Mutter ist die Einstellung der Anwohner unverständlich: «Beschweren tun sich diese Leute immer. Alternativen bieten sie aber keine. Für uns Mütter ist das diskriminierend.» Zudem argumentiert sie, dass es in anderen Schweizer Gemeinden ja auch funktionieren würde.

Zum Vergleich: In St. Gallen sind die Aussenanlagen von Schulhäusern in der Stadt St. Gallen ganzjährig für Privatpersonen zugänglich. Lediglich die Nachtruhe von 22 bis 7 Uhr und die Mittagsruhe von 12 bis 13 Uhr müssten respektiert werden.

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