Blutige Hormongewinnung: Für unser Schweinefleisch werden Pferde gequält
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Blutige HormongewinnungFür unser Schweinefleisch werden Pferde gequält

Auf Pferdeblut-Farmen in Südamerika wird trächtigen Stuten literweise Blut abgenommen. Daraus werden Tiermedikamente hergestellt – auch für die Schweizer Schweinezucht.

von
pat
Begehrte Schwangerschaftshormone: In Uruguay leiden Pferde, um die Schweizer Fleischproduktion zu optimieren.

Begehrte Schwangerschaftshormone: In Uruguay leiden Pferde, um die Schweizer Fleischproduktion zu optimieren.

Auf Weiden in Uruguay weiden zahlreiche Pferde, viele davon sind trächtig. Doch sie werden ihr Fohlen nicht zur Welt bringen – nur ihr Blut interessiert.

Die Pharmaindustrie stellt aus den Schwangerschaftshormonen dieser Tiere ein Medikament her, dass die Schweinemast in Europa ankurbeln soll, wie die Sendung «Kassensturz» auf SRF berichtet. Muttersauen sollen auf diese Weise nach dem Wurf möglichst schnell wieder trächtig werden und mehr Ferkel werfen.

Zehn Liter Blut pro Woche

Das Vorgehen haben Mitarbeiter des Tierschutzbunds Zürich aufgedeckt und mit versteckter Kamera gefilmt. Zu sehen sind bis stark abgemagerte und kranke Pferde.

Rund zehn Liter Blut nehmen Arbeiter den Stuten einmal wöchentlich ab. Sie würden die Wildtiere systematisch schlagen, erzählt York Ditfurth vom Tierschutzbund Zürich gegenüber dem SRF: «Da wird auf sie eingeprügelt, bis sie ruhig stehen, sie sind dann leicht betäubt, damit man ihnen die Katheternadel setzen kann. Diese ist sehr gross, sehr lang und sehr dick, damit entsprechend schnell viel Blut kommt», schildert sie den grausigen Ablauf.

Ungeborene Fohlen werden von Hand getötet

Aus dem Blut gewinnt man das Hormon PMSG. Daraus stellt die Pharmaindustrie Hormonpräparate für die Tierzucht her, die in der Schweiz zugelassen sind und zum Einsatz kommen.

Da die Stuten das begehrte Schwangerschaftshormon nur bis zum 130. Trächtigkeitstag produzieren, werden die ungeborenen Fohlen danach von Hand getötet. Die Pferde würden sich danach selbst überlassen, schildert Ditfurth im Beitrag.

Sie landen dann zum Beispiel in den Sammelstellen des Schlachthofs Clay, im Departement Canelones in Uruguay – von da bezieht auch der Verband der Schweizer Pferdefleischimporteure (VPI) regelmässig Fleisch. Man werde künftig «Pferdefleisch von Pferden, welche für die Produktion von PMSG eingesetzt werden, verbieten», heisst es in einer Stellungnahme des VPI.

Stuten-Hormon in der Schweiz

In der Schweiz bekommen rund zehn Prozent der Mutterschweine einmal im Jahr eine PMSG-Spritze. Nur auf Bio-Betrieben sind solche hormonellen Behandlungen untersagt.

Der Zentralpräsident vom Verband Suisseporcs zeigt sich im Interview mit dem «Kassensturz» überrascht. Man habe davon nichts gewusst und billige solche Zustände keineswegs. Auch Migros und Coop haben sich dazu geäussert und wollen die Prozedur auf keinen Fall akzeptieren.

Kein Importverbot

Obschon der Umgang mit den Pferden nicht den Schweizer Tierschutzstandards entspricht, erlassen die Behörden kein Verbot. Denn niemand fühlt sich dafür zuständig.

Das Bundesamt für Veterinärwesen und Lebensmittelsicherheit BLV sagt gegenüber der SRF-Sendung «Espresso», der Sachverhalt sei bekannt und bedauernswert. Ein Eingreifen sei jedoch schwierig, «da wir keinen Einfluss auf ausländische Tierschutzgesetzgebungen haben».

Auch beim Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic will man von einem Verbot nichts wissen. Ein Importverbot aus Tierschutzgründen sei nicht möglich. Eine Zulassung könne lediglich aufgrund der Kriterien Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit verweigert werden.

Der Schweizer Tierarztverband schiebt die Verantwortung auf den Hersteller des Präparats ab. Man könne höchstens eine Empfehlung abgeben, auf das Produkt zu verzichten.

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