Aktualisiert 14.07.2017 10:12

Stadt ZürichFür Velofahrer soll das Rotlicht nicht mehr gelten

Zwei GLP-Gemeinderäte der Stadt Zürich wollen die Idaho-Regel in Zürich einsetzen. Velofahrer dürften dann nach einem kurzen Halt bei Rot geradeaus fahren.

von
bec
1 / 4
Gilt bislang für alle: Rotlicht, aufgenommen in Zürich. Zwei Zürcher GLP-Gemeinderäte sprechen sich dafür aus, dass Velofahrer Rotlicht überfahren dürfen.

Gilt bislang für alle: Rotlicht, aufgenommen in Zürich. Zwei Zürcher GLP-Gemeinderäte sprechen sich dafür aus, dass Velofahrer Rotlicht überfahren dürfen.

Keystone/Gaetan Bally
Am 23. Mai 2018 hat das Zürcher Stadtparlament das Postulat der GLP überwiesen.

Am 23. Mai 2018 hat das Zürcher Stadtparlament das Postulat der GLP überwiesen.

Keystone/Gaetan Bally
Rechtsabbiegen bei Rot wurde in Basel bereits getestet: «Unsere Bilanz ist positiv», sagt Markus Stöss vom Amt für Mobilität.Voraussichtlich wird es schweizweit erlaubt werden.

Rechtsabbiegen bei Rot wurde in Basel bereits getestet: «Unsere Bilanz ist positiv», sagt Markus Stöss vom Amt für Mobilität.Voraussichtlich wird es schweizweit erlaubt werden.

20 Minuten/Störr

Bei Rot rechts abbiegen – das dürfen Schweizer Velofahrer vermutlich bald. Doch das ist den grünliberalen Gemeinderäten Sven Sobernheim und Shaibal Roy nicht genug. Sie wollen mit der Idaho-Regel einen Schritt weiter gehen –

Velofahrer sollen bei roten Ampeln auch geradeaus fahren dürfen. Einen entsprechenden Vorstoss haben sie im Gemeinderat eingereicht, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Der Name der Regel verweist auf den US-Bundesstaat Idaho, in dem eine solche Regel bereits seit 1982 existiert. Die dortigen Velofahrer dürfen mit einem roten Lichtsignal umgehen wie mit einem Stopp-Schild. Kurz anhalten genügt, solange die Strasse frei ist. Bei Stoppschildern gelten dort ebenfalls andere Regeln für Velofahrer – sie dürfen wie «Haifischzähne» behandelt werden. Somit sind Rollstopps erlaubt.

Ziel ist landesweites Gesetz

Für die Regel spreche, dass immer mehr Leute in der Stadt Zürich aufs Velo umsteigen würden, so Roy und Sobernheim. Nun müsse die Stadt dafür sorgen, dass sie schnell und einfach vorankämen. Die momentanen Regeln seien für Autofahrer gedacht. Velofahrer seien aber langsamer unterwegs und hätten beim Überblicken des Verkehrs keinen toten Winkel. In Zürich wollen die GLP-Gemeinderäte einen Pilotversuch starten. Bei Erfolg zielen darauf ab, die Idaho-Regel in das landesweite Strassenverkehrsgesetz aufzunehmen.

Doch der Vorschlag kommt nicht bei allen gut an: «Aus unserer Sicht würde die Idaho-Regel das Unfallrisiko für Velofahrer erhöhen», sagt Nicolas Kessler, Sprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) zum «Tages-Anzeiger». Für Sicherheit im Verkehr müssten alle die Rotlichter beachten. Sollte man die Regel nur an bestimmten Kreuzungen einsetzen, würde der «Mitzieheffekt» das Rotlicht-Überfahren auch an anderen Kreuzungen verstärken, an denen es nicht erlaubt sei. Das zeige eine belgische Studie.

In Paris bereits eingeführt

Bei Pro Velo Schweiz hat die Einführung der Idaho-Regel keine Priorität. «Beim Geradeausfahren am Rotlicht stellen sich nochmals ganz andere Fragen zur Verkehrssicherheit», sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Bettina Maeschli. Das Rechtsabbiegen habe sich in einem Pilotversuch in Basel bewährt und solle deshalb möglichst bald schweizweit durchgesetzt werden. Man verfolge aber die Entwicklungen im Ausland.

So zum Beispiel in verschiedenen französischen Städten. Bordeaux, Strassburg und auch Paris setzen auf die Idaho-Regel. Hier kommt sie jedoch nur an einzelnen Kreuzungen zur Anwendung. Gelbe Pfeile zeigen an, wo rechts oder geradeaus gefahren werden darf. An Kreuzungen ohne Pfeilen gilt weiterhin für alle das Rotlicht. Die Pilotversuche in Paris zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit von Unfällen zwischen Autos und Velos verkleinert wird, wenn die Velos sich freier bewegen können.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.