Aktualisiert 26.07.2011 15:38

Dürrekatastrophe

Für viele kommt jede Hilfe zu spät

Um der Hungersnot zu entkommen, riskieren immer mehr Somalier die gefährliche Reise aus dem von Rebellen kontrollierten Süden in die Hauptstadt Mogadischu. Viele überleben die Strapazen nicht.

Das Sterben in den von der Hungerkatastrophe in Ostafrika betroffenen Gebieten geht unvermindert weiter. Die Not wird noch verschlimmert durch die Al-Shabaab-Miliz, die internationalen Hilfslieferungen im Süden Somalias den Zugang verweigert.

Im Bürgerkriegsland Somalia machen sich immer mehr verzweifelte Menschen aus dem von Rebellen kontrollierten Süden auf in die Hauptstadt Mogadischu. Nur wenige Kilometer ausserhalb der somalischen Metropole lägen Camps mit unzähligen Zelten und Notunterkünften, in denen die hungernden Menschen Zuflucht suchten, berichtete der britische Sender BBC am Freitag.

«Sie riskieren die gefährliche Reise, um Hilfe zu finden, aber für viele ist es schon zu spät», sagte ein Journalist vor Ort. Ärzte hätten in den somalischen Lagern allein in den vergangenen neun Tagen über 1000 schwer unterernährte Kinder behandelt. Mütter mit ihren vom Hunger gezeichneten Kindern stünden stundenlang Schlange, um eine Erstversorgung für ihre Babys zu bekommen.

Hilfe nicht zugelassen

Die somalische Al-Shabaab-Miliz will keine Hilfslieferungen an die hungernden Menschen in den von ihnen kontrollierten Gebieten im Süden des Landes zulassen.

Die von der Miliz bereits verbotenen Organisationen seien dort weiterhin «nicht willkommen», sagte der Rebellensprecher Sheik Ali Mohamud Rage am Freitag im somalischen Radio. Die Einschätzung der UNO, dass in zwei Gebieten im Süden des Landes eine akute Hungersnot herrsche, wies er zurück.

«Es gibt eine Dürre in Somalia, aber keine Hungersnot», sagte der Rebellensprecher. Die Erklärung der UNO sei «zu 100 Prozent falsch» und «politisch» motiviert.

Die Miliz hatte Anfang Juli noch erklärt, sie werde angesichts der katastrophalen Lage erstmals seit zwei Jahren wieder internationale Organisationen in Südsomalia zulassen - «ob muslimisch oder nicht-muslimisch», wie es hiess.

Luftbrücke geplant

Die 1998 gegründete Gruppe hat Verbindungen zum Terrornetzwerk Al- Kaida und will am Horn von Afrika einen islamischen Staat errichten. In der Vergangenheit hatten die Rebellen immer wieder Hilfsgüter zerstört, geplündert oder weiter veräussert und unter anderem «Sicherheitsgebühren» von UNO-Organisationen gefordert.

Die UNO liess vergangene Woche erste Hilfsgüter einfliegen. Das Welternährungsprogramm (WFP) will eine Luftbrücke für Kinder in Mogadischu einrichten.

(sda)

Spendenaufruf der Glückskette

Die Glückskette hat am Freitag ihren vor zehn Tagen lancierten Spendenaufruf verstärkt. Die Hungersnot habe sich in einem Teil Ostafrikas noch verschärft. Die Bedürfnisse seien unermesslich, teilte die Glückskette mit. Die Glückskette stützt sich auf Abklärungen ihrer Schweizer Partnerhilfswerke und auf die UNO, welche am Mittwoch in zwei südsomalische Regionen offiziell eine Hungersnot ausrief. Deshalb verstärke die Glückskette nun ihren Spendenaufruf in den Medien, namentlich im Radio, wie Glückskette-Sprecherin Priska Spörri auf Anfrage erklärte.

Bis Freitag seien 2'294'624 Franken an Spenden gesammelt worden. Bereits in Äthiopien, Kenia, Somalia und Somaliland Nothilfe leistend sind folgende sieben Partnerhilfswerke der Glückskette: ADRA, Ärzte ohne Grenzen, Caritas, Christoffel Blindenmission, HEKS, Medair und das Schweizerische Rote Kreuz. Weitere Hilfswerke prüften ihre Einsatzmöglichkeiten in der Region.

Die Glückskette nimmt Spenden auf dem Postkonto 10-15000-6 mit dem Vermerk «Afrika» oder online auf www.glueckskette.ch entgegen.

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