Schweizer Presse: Für viele Medienbosse ist die Zeitung gestorben
Aktualisiert

Schweizer PresseFür viele Medienbosse ist die Zeitung gestorben

Die Schweizer Zeitungen und Zeitschriften konnten ihre Umsätze im letzen Jahr halten. 22 Prozent der Medienmanager glauben jedoch an den Tod der Printmedien bis 2025.

Die Schweizerinnen und Schweizer haben im letzten Jahr insgesamt 1,8 Milliarden Franken für Zeitungen und Zeitschriften ausgegeben, das ist gleich viel wie im Vorjahr. Statt in Tageszeitungen investieren sie ihr Geld immer häufiger in Sonntagszeitungen.

Die Studie «Medienbudget und Medientrends» des Verbandes Schweizer Presse bezeichnet die Sonntagsblätter denn auch als «die Erfolgsstory» des Jahres 2008. Diese Zeitungen erreichten dank Neulancierungen innerhalb eines Jahres einen Abonnentenzuwachs von stolzen 68 Prozent.

Alle anderen Publikationen, also Tages-, Wochen-, Publikums- und Fachpresse, mussten im letzten Jahr Abo-Verluste zwischen 1,4 und 4,3 Prozent hinnehmen. Dies geht aus der Studie hervor, die am Mittwoch in Zürich präsentiert wurde.

Die Tagespresse beispielsweise musste im Jahr 2008 einen Abonnenten-Verlust von 1,9 Prozent hinnehmen. Per Ende Jahr hatten noch 1,7 Millionen Schweizerinnen und Schweizer oder Firmen eine Tageszeitung abonniert. Das tägliche Lesen einer Kaufzeitung sei bei einem immer grösseren Anteil der Bevölkerung keine Gewohnheit mehr, hält die Studie fest.

Printtitel nahmen 4,2 Milliarden ein

Insgesamt nahmen die Schweizer Zeitungen und Zeitschriften im letzen Jahr 4,2 Milliarden Franken ein. Davon kamen 2,4 Milliarden aus der Werbung. Die Werbekunden waren jedoch untreuer als die Leser: 2008 gingen die Werbeeinnahmen der Printtitel um 3,3 Prozent zurück. Besonders gelitten hat die Tagespresse mit einem Minus von 8 Prozent, während die Sonntagspresse um 10,3 Prozent zulegen konnte.

Diese Zahlen zeigen eine noch relativ gute wirtschaftliche Situation, wie Verbandspräsident Hanspeter Lebrument am Mittwoch vor den Medien in Zürich erklärte. Weil die Wirtschaftskrise erst gegen Ende 2008 eingesetzt habe, sehe man das Ausmass der Verluste erst in den Zahlen 2009.

Insgesamt könne man aber sagen, dass die zum Verband gehörenden Medien sich sehr gut aufgestellt hätten. Ausser bei «.ch» habe man bisher keine Zusammenbrüche erleben müssen, sagte Lebrument weiter. «Dort waren aber keine Schweizer Verleger am Werk.»

«Keine Qualitätseinbussen»

Die Qualität der Tagespresse ist nach Ansicht Lebruments nach wie vor hoch. Trotz der Krise der letzten Monate habe er keine Qualitätseinbussen feststellen können.

Die wirtschaftliche Lage zwinge viele Blätter zudem wieder dazu, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren. Regionalzeitungen beispielsweise würden sich wieder mehr auf ihre Region beschränken und gleichzeitig Ballast abwerfen. «Die Zeitungen sind zwar etwas dünner, aber inhaltlich wesentlicher geworden», sagte er.

Printtitel bis 2025 ausgestorben?

Erstmals befragte der Verband seine Mitglieder zudem zu ihrer Einschätzung der aktuellen Entwicklung. Die Umfrage bei 137 Führungskräften zeigt deutlich, dass die Verlags- und Medienmanager zwar bereit sind, den Wandel konstruktiv anzugehen. Die Wirtschaftskrise verschärft jedoch den Druck, was Kosten und Innovationen angeht.

Mit 96 Prozent sind fast alle Befragten der Meinung, dass Kooperationen zwischen Medienunternehmen weiter zunehmen werden. Fast ebenso viele (94 Prozent) sind überzeugt, dass den multimedialen Angeboten die Zukunft gehört.

22 Prozent der Befragten gehen so weit, dass sie für die Printtitel keine Zukunft mehr sehen. Sie glauben, dass gedruckte Medien bis spätestens 2025 aussterben werden. (sda)

Deine Meinung