Aktualisiert 09.05.2019 14:21

Temporärfirma

Für Zalando-Packerinnen kam Kündigung per SMS

Sie arbeiten die Päckli-Retouren für Zalando im Thurgau ab: Das Temporärbüro kündigte mehreren Frauen diese Woche per SMS.

von
Isabel Strassheim
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«Kündigung!»: So teilte die Firma das Einsatzaus mit.

«Kündigung!»: So teilte die Firma das Einsatzaus mit.

Keystone/20Min
Zalando: Bestellen per App - und kündigen per SMS?

Zalando: Bestellen per App - und kündigen per SMS?

Keystone/Christian Beutler
Versand und auch Retouren geben viel Arbeit bei Zalando – auch in der Schweiz. DIe Retouren müssen aus rechtlichen Gründen in der Schweiz bearbeitet werden.

Versand und auch Retouren geben viel Arbeit bei Zalando – auch in der Schweiz. DIe Retouren müssen aus rechtlichen Gründen in der Schweiz bearbeitet werden.

Keystone/Steffen Schmidt

Statt mit einer Anrede beginnt das SMS mit: «Kündigung!». Ein Temporärbüro aus der Ostschweiz teilte so 10 bis 13 Mitarbeiterinnen mit, dass ihr Einsatz zum Bearbeiten der Retouren des Onlinehändlers Zalando in Arbon diesen Freitag für sie unerwartet schnell endet. Das Temporärbüro rekrutiert die Arbeitskräfte für die Firma MS Direct, die wiederum von Zalando beauftragt worden ist, die Retouren in Arbon zu bearbeiten.

In der Schweiz gibt es keine Formvorgabe für die Kündigung des Arbeitsvertrags. Auch eine Mitteilung per SMS ist rechtlich gültig, die Firma hat also rechtlich richtig gehandelt. «Aber niemand möchte wohl eine solche Kündigung ohne direkten Kontakt und ohne Rückfragemöglichkeiten erhalten», sagt Silja Kohler, Sprecherin der Gewerkschaft Unia, zu 20 Minuten. Das sei schlicht schlechter Stil.

Arbeiterinnen ohne festen Wohnsitz

Für die Temporärarbeitsfirma soll es praktische Gründe für die SMS-Kündigung gegeben haben: Es sei zum Teil schwierig, die ausländischen Arbeiterinnen per Brief zu erreichen, denn sie hätten nicht unbedingt einen festen Wohnsitz. Auch das Du im SMS sei normal, denn zwischen den Beschäftigten und der Firma sei man per Du.

MS Direct wie auch die Temporärfirma selbst wollen zu den Kündigungen gegenüber 20 Minuten nicht Stellung nehmen.

Am Berliner Hauptsitz von Zalando heisst es zu dem Vorfall: «Die MS Direct AG betreibt für uns den Standort in der Schweiz und plant den Einsatz der Mitarbeiter oder Zeitarbeiter für Stosszeiten.» Zalando unterstütze bei der Planung durch frühzeitige und regelmässige Prognosen des zu erwartenden Volumens.

Stundenlohn von 23.10 Franken

Fürs Bearbeiten der Zalando-Retouren sollen die Leiharbeiterinnen 23.10 Franken brutto pro Stunde bekommen. Darin enthalten seien Ferien- und Feiertagsentschädigung. Die Arbeiterinnen müssen in einer grossen Halle die zurückgeschickte Ware auf ihre Vollständigkeit kontrollieren, wenn nötig reinigen sowie neu verpacken. Dafür soll es Zeitvorschriften geben. Laut Zalando ist die angebliche Zielvorgabe von mindestens 180 Paketen pro Tag «weit überhöht», wie Barbara Debowska vom Zalando-Hauptsitz in Berlin zu 20 Minuten sagt. Mehr wollte sie aber nicht dazu sagen.

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