Aktualisiert 23.06.2011 08:34

Ausrede oder Wahnsinn?

Fuhr Lüthi mit Gehirn-Erschütterung?

Eine neue, abenteuerliche Erklärung für Tom Lüthis miserablen England-GP: Er sei trotz einer Gehirnerschütterung gefahren.

von
Klaus Zaugg, Assen

Tom Lüthis Rückschlag ist auch vor dem GP von Holland hier in Assen immer noch Gesprächsstoff im Fahrerlager. Aus den letzten zwei Rennen (Sturz, Platz 15) hat der 24jährige Emmentaler nur noch einen Punkt geholt, der Rückstand auf WM-Leader Stefan Bradl ist auf hoffnungslose 79 Punkte angewachsen. Anfang Saison war Lüthi um Sieg und Podest gefahren.

Teamchef Terrell Thien hatte sich in Silverstone noch bitter über die fehlende technische Betreuung durch den Motorrad-Hersteller Eskil Suter beklagt (20 Minuten Online berichtete). Erstmals in dieser Saison waren Suters Techniker nicht vor Ort gewesen. Thiens Kritik machte also Sinn. Dass er mit seiner Analyse möglicherweise richtig lag, zeigt sich an der Reaktion: Eskil Suters Fahrwerkspezialist Reto Karrer arbeitete bereits gestern wieder in Lüthis Box.

Das Rätsel um die Gehirnerschütterung

Thien sagte denn auch gegenüber 20 Minuten Online, mit Suter sei nun alles bereinigt. «Wir hätten in Silverstone Unterstützung nötig gehabt. Ob wir besser gewesen wären, wenn wir diese Unterstützung gehabt hätten – das wissen wir natürlich nicht.»

Inzwischen tischt Thien gegenüber 20 Minuten Online eine brisante, ja abenteuerliche Erklärung für das Silverstone-Debakel in Training (14.) und Rennen (15.) auf: «Wahrscheinlich litt Tom in Silverstone an einer Gehirnerschütterung. Unter diesen Umständen sind seine Resultate gar nicht so schlecht.» Beim heftigen Sturz in Barcelona (GP von Katalonien) habe sich Lüthi eine Woche vorher wahrscheinlich eine Gehirnerschütterung geholt. Dort fiel der Weltmeister von 2005 tatsächlich auf den Kopf.

Allerdings wäre es ein Wahnsinn, einen Piloten fahren zu lassen, der an einer Gehirnerschütterung leidet. Lüthi sagte gegenüber 20 Minuten Online, er habe zwar in Silverstone tatsächlich Kopfweh gehabt, aber den Arzt deswegen nicht konsultiert. «Ich gehe davon aus, dass es keine Gehirnerschütterung war. Ich hatte früher schon Gehirnerschütterungen und kenne die Symptome.» Ein Problem sei eher die beim Sturz in Barcelona erlittene Nackenstauchung gewesen. «Die Verkrampfung der Muskeln liessen sich in Silverstone während des ganzen Wochenendes nicht lösen. Doch nun bin ich wieder fit.»

Clevere Taktik?

Lüthis Gehirnerschütterung – eine Ausrede oder Wahnsinn? Wohl eher eine Ausrede. Lüthis Teamchef ist ein schlauer Fuchs. Seine offene, ehrliche und fundierte Kritik an der technischen Betreuung durch Bike-Hersteller Suter hatte viel Pulverdampf aufsteigen lassen. Die Gehirnerschütterungs-Theorie von Thien dürfte eher ein schlauer Versuch sein, den durch die Kritik verärgerten Eskil Suter ein wenig zu besänftigen und von den tatsächlichen technischen Problemen abzulenken. Schliesslich muss die Zusammenarbeit weitergehen und ein Krach mit Suter wäre fatal.

Sicher ist nur: Der Druck auf Tom Lüthi und seine Crew ist immens. Der Emmentaler sagt, er sei nun wieder fit. Die technische Betreuung funktioniert in Assen wieder klaglos. Lüthis persönlicher Manager und Freund Daniel M. Epp ist vor Ort und Freundin Fabienne Kropf auch (beide fehlten in England). Nun ist alles wieder so, wie es sein sollte.

Der Druck lastet damit auf dem Piloten. Der GP von Holland (Training ab Donnerstag, Rennen am Samstag) wird damit auch so etwas wie ein GP der Wahrheit. Beunruhigen lässt sich Lüthi deswegen nicht und er sagt gegenüber 20 Minunte Online. «Druck habe ich immer. Das gehört dazu. Ich bin nicht beunruhigt. Das Fahren habe ich ja in den letzten beiden Rennen nicht verlernt.»

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