Aktualisiert 05.07.2012 11:31

Parlament hält festFukushima war «vermeidbar»

Eine Untersuchung durch einen parlamentarischen Ausschuss in Japan kommt zu einem eindeutigen Schluss: Schuld an der Kernschmelze von Fukushima tragen Menschen.

Ein Ausschuss des japanischen Parlaments ist zum Schluss gekommen: Die Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukushima wäre vermeidbar gewesen. Schuld am Ausbruch der Katastrophe tragen in erster Linie der AKW-Betreiber, die Verwaltung und die Regierung.

In ihrem am Donnerstag veröffentlichten Bericht findet die parlamentarische Untersuchungskommission klare Worte. Der GAU sei zwar eine Folge des Erdbebens vom 11. März 2011 und des darauf folgenden Tsunamis gewesen. Nach ihren Erkenntnissen handle es sich bei der Kernschmelze dennoch um eine «von Menschen verursachte Katastrophe».

Damit widerspricht die Kommission direkt der Darstellung der Betreibergesellschaft Tepco. Sie bezeichnete den beinahe 15 Meter hohen Tsunami wiederholt als «unvorhersehbar». Dies wirke wie eine «Entschuldigung», um «der Verantwortung zu entgehen», kritisierten die Parlamentarier. Denn das Atomkraftwerk von Fukushima sei «verwundbar» gewesen - und das Risiko allen bekannt.

Doch: «Obwohl sie bei zahlreichen Gelegenheiten Massnahmen hätten ergreifen können, unternahmen die Aufsichtsbehörden und die Tepco- Führung absichtlich nichts», heisst es im Bericht. Stattdessen vertagten sie ihre Entscheidungen und ergriffen diejenigen Massnahmen, «die ihnen passten».

Katastrophales Krisenmanagement

Dem Betreiber Tepco wirft die Kommission vor, das Unternehmen habe seine Mitarbeiter nicht ausreichend auf Unfälle vorbereitet und geschult. Auch habe es nicht ausreichend klare Anweisungen vor Ort zum Zeitpunkt der Katastrophe gegeben.

Die Situation habe sich nach der Kernschmelze weiter verschlimmert, weil das Krisensystem der Zentralregierung in Tokio und der betroffenen Behörden versagt habe, heisst es weiter. Die jeweiligen Verantwortlichkeiten und Aufgaben seien unklar gewesen.

Zudem hätten es die Aufsichtsbehörden jahrelang versäumt, geeignete Massnahmen für solche Krisenfälle einzuführen. Dies habe zu dem Chaos bei der anschliessenden Evakuierung der betroffenen Menschen beigetragen. So seien viele Anwohner erst spät über den Unfall informiert worden; andere seien in Gebiete evakuiert worden, die stärker verstrahlt waren als ihre Heimatorte.

Schwerster Atom-Unfall seit Tschernobyl

«Die Zentralregierung war nicht nur langsam bei der Information der örtlichen Regierungen über den Unfall, sondern versäumte es auch, die Schwere des Unfalls zu vermitteln», urteilte die Untersuchungskommission.

Das Atomkraftwerk Fukushima war bei der Doppelkatastrophe schwer beschädigt worden. Durch den Ausfall der Kühlsysteme kam es in drei Reaktoren zur Kernschmelze, grosse Gebiete im Umkreis wurden radioaktiv verseucht. Über 100 000 Menschen konnten bis heute nicht in ihr Zuhause zurückkehren.

Es war der schwerste Atomunfall seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986. Alle 50 japanischen Reaktoren wurden in der Folge für Sicherheitschecks heruntergefahren. Derzeit ist nur ein Atomreaktor in Japan wieder in Betrieb. (sda)

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