Funktionäre von Terrorregime in Kambodscha verhaftet
Aktualisiert

Funktionäre von Terrorregime in Kambodscha verhaftet

Drei Jahrzehnte nach der Schreckensherrschaft der Roten Khmer in Kambodscha sind der damalige Aussenminister, Ieng Sary, und dessen Ehefrau, Ex-Sozialministerin Ieng Thirith, festgenommen worden.

Die Festnahme erfolgte nach Angaben der Polizei auf Antrag des Völkermord-Tribunals, das die UNO in Kambodscha eingerichtet hat. Die seien dem Gericht bereits vorgeführt worden, sagte ein Sprecher des Tribunals.

Im Falle einer Anklageerhebung müssten sich damit bereits vier Führungsmitglieder der Roten Khmer vor dem Tribunal verantworten. Dort sind bereits der Sicherheitschef der Roten Khmer, Nuon Chea, und der Aufseher des berüchtigten Foltergefängnisses von Phnom Penh, Kang Khek Iev alias «Duch», angeklagt.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Mit Ieng Sarys Festnahme war seit längerem gerechnet worden. Ihm droht eine Anklage wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wegen Völkermords kann er seit einer Begnadigung 1996 durch den früheren König Norodom Sihanuk nicht mehr angeklagt werden.

Unter dem Anführer der Roten Khmer, Pol Pot, war Ieng Sary das öffentliche Gesicht des Regimes. Er überredete viele geflüchtete Studenten und Diplomaten zur Rückkehr nach Kambodscha, wo sie später festgenommen und ermordet wurden.

Der 78-Jährige ist der einzige Vertreter der ehemaligen Führung der Roten Khmer, der als Gründer einer kleineren Partei auch später noch eine politische Rolle spielte. Seine Ehefrau Ieng Thirith war während der Schreckensherrschaft Sozialministerin und ist eine Schwägerin Pol Pots.

Ex-Staatschef wohl der Nächste

Insgesamt soll vor dem UNO-Tribunal fünf Verantwortlichen der Prozess gemacht werden. Ihre Namen wurden bislang nicht offiziell bekannt gegeben, doch soll unter ihnen auch der Staatschef der Roten Khmer, Khieu Samphan, sein.

Die Roten Khmer hatten 1975 die Macht ergriffen und wollten einen maoistischen Bauernstaat aufbauen. Sie vertrieben die Stadtbevölkerung, ermordeten Intellektuelle und zwangen die Menschen in Arbeitslager.

Bis zu ihrem Sturz 1979 durch einmarschierende Vietnamesen kamen nach Schätzungen fast zwei Millionen Menschen ums Leben - durch Hungersnot, Zwangsarbeit, Folter und Exekutionen. (sda)

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