Nachgefragt - Funktionieren Corona-Schnelltests auch bei der Delta-Variante?
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NachgefragtFunktionieren Corona-Schnelltests auch bei der Delta-Variante?

Aufgrund von Mutationen wird immer wieder die Anpassung von Impfstoffen diskutiert. Aber wie sieht es mit den Schnelltests aus? Funktionieren die auch noch bei den Mutanten?

von
Fee Anabelle Riebeling
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Das Coronavirus mutiert. Einige Mutanten sind so stark, dass sie das Potenzial haben, die bisher vorherrschenden Varianten zu verdrängen. (Im Bild: die erste Ablichtung des Coronavirus Sars-CoV-2)

Das Coronavirus mutiert. Einige Mutanten sind so stark, dass sie das Potenzial haben, die bisher vorherrschenden Varianten zu verdrängen. (Im Bild: die erste Ablichtung des Coronavirus Sars-CoV-2)

Screenshot 20min/Nanographics
So war es unter anderem bei der zunächst  in Grossbritannien nachgewiesenen Alpha-Mutante. Sie wurde auch in der Schweiz zur dominanten Variante. (im Bild: London im Dezember 2020)

So war es unter anderem bei der zunächst in Grossbritannien nachgewiesenen Alpha-Mutante. Sie wurde auch in der Schweiz zur dominanten Variante. (im Bild: London im Dezember 2020)

REUTERS
Noch diesen Sommer könnte Alpha aber von Delta abgelöst werden. Science-Taskforce-Mitglied Volker Thiel geht davon aus, «dass die Delta-Variante bis im August dominant sein wird.»

Noch diesen Sommer könnte Alpha aber von Delta abgelöst werden. Science-Taskforce-Mitglied Volker Thiel geht davon aus, «dass die Delta-Variante bis im August dominant sein wird.»

Claudio De Capitani/freshfocus

Darum gehts

  • Treten neue Coronavirus-Varianten auf, stellt sich immer sofort die Frage, ob die Impfstoffe gegen diese wirken.

  • Weniger thematisiert wird, ob die Antigen-Schnelltests sie erkennen.

  • 20 Minuten ist der Frage nachgegangen.

Ansteckender? Tödlicher? Mit Auswirkungen auf den Impfschutz? Das sind die Fragen, die sich Virologen, Epidemiologen und Immunologen beim Auftreten neuer Varianten des Coronavirus Sars-CoV-2 aufdrängen. Besonders relevant sind diese bei den als besorgniserregend eingestuften Varianten, die sich als besonders dominant entpuppen.

Das war so bei der zunächst in Grossbritannien nachgewiesene Alpha-Mutante, die in vielen Ländern innert kurzer Zeit den Wildtyp verdrängte. Aktuell wiederholt sich das Ganze bei der Delta-Variante: Im Oktober 2020 erstmals in Indien aufgetaucht, machte sie in der Schweiz in der vergangenen Woche schon 12,6 Prozent aller Ansteckungen aus, nachdem sie in der Woche davor schon für 23,5 Prozent der Fälle verantwortlich war (Stand: 2. Juli). Science-Taskforce-Mitglied Volker Thiel geht bereits davon aus, «dass die Delta-Variante bis im August dominant sein wird.»

Doch was heisst das für unser Leben? Müssen die Covid-19-Impfungen und Corona-Tests an Delta angepasst werden?

Bereits klar ist: Die mRNA-Impfungen von Pfizer/Biontech und Moderna wirken – nach der zweiten Dosis! – auch gut gegen diese Mutante. Nicht so stark zwar wie gegen andere Varianten, aber sie schützen (siehe Box). Anpassungen braucht es demnach also nicht.

mRNA-Impfstoffe schützen gut

Mit einer vollständigen Biontech-Impfung lassen sich laut der jüngsten Studie der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) schwere Krankheitsverläufe bei der Delta-Variante ebenso wirksam vermeiden wie bei der Alpha-Variante. Zwei Dosen des Wirkstoffs verhinderten demnach bei der Variante B.1.617.2 in 96 Prozent der Fälle eine stationäre Behandlung. Eine schon Ende Mai von den britischen Gesundheitsbehörden veröffentlichte Untersuchung lieferte auch für weniger schwere Formen der Krankheit ähnliche Erkenntnisse. Demnach ist der Impfstoff von Biontech zwei Wochen nach der zweiten Dosis zu 88 Prozent wirksam gegen eine durch die Delta-Variante ausgelöste symptomatische Covid-19-Erkrankung. Ähnlich verhält es sich auch bei dem anderen in der Schweiz erhältlichen mRNA-Impfstoff Spikevax von Moderna. Das teilte das Unternehmen am 29. Juni mit: Die Daten deuteten darauf hin, dass das Vakzin nach zwei Impfungen fast genauso gut vor der Delta-Variante schützte wie vor dem Ursprungsvirus.

Unabhängig davon entwickeln sowohl Pfizer/Biontech als auch Moderna Impfstoffe, die gezielt an die Varianten angepasst sind und als Booster-Impfung verwendet werden sollen.

Dies gilt auch für die Antigen-Schnelltests: «Wir können auf Grundlage von in-vitro Studien bestätigen, dass unser Antigen-Schnelltest auch für den Nachweis der Delta-Variante geeignet ist und die Performance der Tests nicht beeinträchtigt ist», so Nina Mählitz, Sprecherin beim Pharmaunternehmen Roche, dessen Tests in der Schweiz zum Einsatz kommen. Man überwache die Performance der Tests bei neuen Varianten kontinuierlich.

Auch alle anderen in der Schweiz erhältlichen Antigentests können weiterhin problemlos angewendet werden, sagt Roman Fried vom Verein für medizinische Qualitätskontrolle in Zürich. «Bei den problematischen Varianten ist das Spikeprotein des Virus verändert. Antigentests detektieren jedoch das Nukleokapsid Protein (NC Protein), das im Innern des Virus die virale RNA umgibt», so Fried. (siehe Bildstrecke)

Für ein richtiges Ergebnis ist es wichtig, dass der Test korrekt angewendet wird. Dazu zählt unter anderem, dass man vor der Durchführung rund eine Stunde nicht raucht, trinkt, isst oder Kaugummi kaut.

So unterscheiden sich PCR-Test und Antigen-Schnelltest

Bei den Corona-Schnelltests handelt es sich in der Regel um einen Antigen-Test. Während man beim PCR-Test in den Nasen- und Rachenabstrichen nach Erbgut von Sars-CoV-2 fahndet, sucht man bei ihnen nach Eiweissmolekülen, die charakteristisch für das Virus sind. Findet man solche vor, zeigt der Teststreifen positiv an.

So funktioniert der Antigen-Schnelltest für zuhause.

20min

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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