28.07.2016 19:42

Argentiniens PräsidentFussball-Fehde lebt durch TV-Satire wieder auf

Ein TV-Moderator karikiert Argentiniens Präsidenten. Daraufhin bricht ein Shitstorm über ihn herein. Dahinter steckt die Regierung.

von
K. Leuthold
Buenos Aires
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Argentiniens Präsident Mauricio Macri hat gezeigt, dass er nicht viel von politischer Satire hält.

Argentiniens Präsident Mauricio Macri hat gezeigt, dass er nicht viel von politischer Satire hält.

Maurizio Gambarini
Nachdem der TV-Moderator Marcelo Tinelli (links) sich in einer Parodie über den Präsidenten lustig machte, erhielt er Drohungen via Twitter.

Nachdem der TV-Moderator Marcelo Tinelli (links) sich in einer Parodie über den Präsidenten lustig machte, erhielt er Drohungen via Twitter.

Screenshot Youtube
Der Medienunternehmer präsentiert seit Jahren politische Satire in seiner Sendung Showmatch.

Der Medienunternehmer präsentiert seit Jahren politische Satire in seiner Sendung Showmatch.

Screenshot Youtube

Zwei der mächtigsten Männer in Argentinien stehen auf Kriegsfuss: Einer ist TV-Zar Marcelo Tinelli, der andere der Präsident des Landes, Mauricio Macri. Der Grund des Konflikts: In Tinellis Abendsendung «Showmatch» karikiert ein Komiker den Politiker – und das passt diesem offenbar gar nicht.

Seit Wochen tritt der Humorist Freddy Villareal in einer Parodie als Macri verkleidet auf. Dabei thematisiert er den «Tarifazo», die Tarifsteigerung von Strom, Gas, Wasser und Transport, die die Regierung immer wieder runterspielt: «In absoluten Zahlen ist das der Betrag zweier Pizzas», meinte der Wirtschaftsminister Alfonso Prat-Gay, als er im Februar die Preiserhöhung der Dienstleistungen um bis zu 700 Prozent ankündigte.

Hinter den Tweets stecken Bots der Regierung

«Tinelli macht sich vor drei Millionen Zuschauern in böswilliger Art über mich lustig», beklagte sich Präsident Macri kürzlich in einem Interview in Bezug auf die Parodie. Gleichzeitig erhielt TV-Moderator Tinelli auf seinem Twitter-Account rund um die Uhr üble Beschimpfungen und Drohungen. Dabei fiel ihm auf, dass sich – jeweils unter verschiedenen Nutzernamen – einzelne Sätze immer wiederholten.

Tinelli liess die Tweets untersuchen. Informatikexperten fanden heraus, dass die meisten Beiträge von sozialen Robotern, sogenannten Bots, automatisch verfasst wurden. Noch mehr: Die Software lief auf Computern, die in einem Call-Center der Regierungspartei Pro stehen.

Ist Tinelli wegen der AFA beleidigt?

Regierungsmitglieder bestreiten, dass die Parodie in Tinellis Sendung etwas mit den Internetattacken zu tun hat. Eher geben sie zu verstehen, dass der wahre Grund für den Konflikt zwischen den beiden woanders liegt. Tinelli, Vizevorsitzender des Fussballvereins San Lorenzo, soll über den Präsidenten verärgert sein, weil er beim nationalen Fussballverband AFA verdrängt wurde.

Nichts wünschte sich der Medienunternehmer mehr als Präsident der AFA zu werden. Indirekt beschuldigt er Macri, bis 2007 Präsident des populären Klubs Boca Juniors und immer noch stark in der rentablen Fussballwelt vernetzt, hinter der Einsetzung eines Normalisierungskomitees des Weltfussballverbands Fifa zu stecken. Damit waren Tinellis Chancen auf die AFA-Präsidentschaft zunichtegemacht worden.

Am Mittwoch trafen sich der Moderator und der Präsident zu einem Gespräch. Die beiden kennen sich seit über 30 Jahren und haben sogar geschäftlich miteinander zu tun. Das Treffen endete mit einer Umarmung und einem ziemlich bizarren gemeinsamen Snapchat-Video (siehe unten). Argentinische Medien vermuten nun, dass die humoristische Macri-Nummer bei Showmatch nicht mehr zu sehen sein wird – zumindest nicht mit demselben kritischen Unterton.

Nach dieser Sendung begann Tinelli Drohungen auf Twitter zu erhalten. (Quelle: Youtube/MITV)

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