Libanon: Fussball für den Frieden
Aktualisiert

LibanonFussball für den Frieden

35 Jahre nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Libanon haben Spitzenpolitiker der einst verfeindeten Lager auf dem Fussballfeld nationale Einigkeit demonstriert.

von
pbl
Im Fussball vereint: Das pro-westliche Lager (rot) und die pro-iranische Hisbollah-Mannschaft (weiss).

Im Fussball vereint: Das pro-westliche Lager (rot) und die pro-iranische Hisbollah-Mannschaft (weiss).

«Heute tragen wir rote und weisse Trikots mit der Zeder und spielen Seite an Seite ungeachtet der Parteizugehörigkeit», sagte der Abgeordnete Simon Abi Ramia von der christlichen Freien Patriotischen Bewegung am Dienstag im Stadion von Beirut. Der sunnitische Ministerpräsident Saad Hariri und der schiitische Hisbollah-Abgeordnete Ali Ammar führten die beiden Mannschaften unter den aufmerksamen Blicken des christlichen Präsidenten Michel Suleiman an.

Der jüngste Spieler auf dem Platz, der 29-jährige Sami Gemayel von der rechtsgerichteten christlichen Phalange-Partei, entschied mit zwei Treffern in der Schlussphase der Partie das Spiel für die rote Mannschaft Hariris. Die sportliche Begegnung unter dem Motto «Wir sind ein Team» dauerte 30 Minuten. «Die Botschaft lautet, dass der Sport die Libanesen vereinen kann. Das ist sehr wichtig, da die Politik dies leider nicht kann», sagte Gemayel.

Vor leeren Rängen

Tatsächlich herrscht auch zwei Jahrzehnte nach dem Ende des blutigen Bürgerkriegs ein fragiler Friede in dem kleinen Land, das 18 religiöse Gruppierungen beheimatet. Der Libanon ist gespalten in ein pro-westliches Lager sowie ein pro-syrisches und pro-iranisches Lager. Nach den Parlamentswahlen im letzten Jahr dauerte es fünf Monate, bis eine wackelige All-Parteien-Regierung unter Führung des pro-westlichen Saad Hariri gebildet werden konnte.

Ein Indiz für die nach wie vor grossen Spannung zwischen den Volksgruppen bildet auch die Tatsache, dass der Friedens-Match vor leeren Rängen stattfand. Dies entspricht den Gepflogenheiten, denn seit 2008 sind zu den Spielen der nationalen Liga keine Zuschauer mehr zugelassen, obwohl die Libanesen grosse Fussballfans sind. Der nationale Verband reagierte mit der radikalen Massnahme auf wiederholte Ausschreitungen – die Klubs sind jeweils einer bestimmten ethnischen oder religiösen Gruppierung zugeordnet.

Nicht alle sind erfreut

Immerhin werden die Spiele am Fernsehen übertragen, auch jenes zwischen den Politikern. Die Zuschauer amüsierten sich dabei in erster Linie über die untrainierten Abgeordneten, denen schnell der Schnauf ausging. Nicht alle Libanesen allerdings fanden es lustig, einige bezeichneten die Partei als heuchlerisch, ja beleidigend: «Sie haben es lustig zusammen, können aber unsere Probleme nicht lösen. Mit diesem lächerlichen Spiel verspotten sie uns», sagte Roula, eine 21-jährige Biologie-Studentin, der BBC. (pbl/sda)

Der libanesische Bürgerkrieg

Mit einem Überfall christlicher Milizionäre auf einen mit Palästinensern besetzten Bus begann am 13. April 1975 der Bürgerkrieg im Libanon, der einst als «Schweiz des Orients» bezeichnet wurde. Nach dem Prinzip «Alle gegen jeden» kämpften christliche gegen muslimische, libanesische gegen palästinensische, sunnitische gegen schiitische und pro-syrische gegen pro-iranische Gruppen. Der Krieg endete 1990, er forderte rund 150 000 Tote und verursache Schäden von rund 25 Milliarden Dollar.

Deine Meinung