Winterthur-Captain Davide Callà tritt zurück
Publiziert

Mit Basel feierte er viele Titel«Fussball ist nicht nur Business, Geld und Karriere» – Callà tritt zurück

Eine sehr lange und erfolgreiche Karriere geht am Donnerstagabend zu Ende. Winterthur-Captain Davide Callà tritt nach dem letzten Saisonspiel zurück. Im Interview mit 20 Minuten blickt er auf 18 Jahre Profizeit zurück.

von
Nils Hänggi

2015 wurde Davide Callà mit dem FC Basel Meister. Auf der Feier auf dem Barfi rockte er dann zusammen mit Behrang Safari die Party.

20 Minuten

Darum gehts

  • Am Donnerstagabend steht der Schweizer Fussballer Davide Callà zum letzten Mal als Profi auf dem Fussballplatz.

  • Mit dem FC Winterthur spielt er gegen den FC Schaffhausen.

  • Im Interview mit 20 Minuten spricht er über seine lange Karriere.

  • So sagt der 36-Jährige beispielsweise: «Fussball ist mein Leben. Das war es schon immer.»

Davide Callà, wie geht es dir?

Davide Callà: Eigentlich sehr gut. Ja, wirklich.

Ich frage, weil du am Donnerstag gegen Schaffhausen deine letzte Partie im Profifussball bestreitest. Gar nicht traurig, dass jetzt alles vorbei ist?

Ich habe mir in den letzten Tagen schon ein wenig Gedanken gemacht. Manchmal bin ich schon auch ein wenig traurig, manchmal schwingt Wehmut mit. Aber teils muss ich auch einfach nur lachen, wenn ich an Episoden aus meiner Karriere denke. Im Grossen und Ganzen ist es aber schon so, dass ich happy bin, wie es jetzt ist. Verspüre ich doch vor allem, und das ist das stärkste Gefühl, das ich habe: Dankbarkeit. Ich bin überzeugt, dass der Rücktritt jetzt richtig ist.

Findest du schade, dass fast keine Fans im Stadion sind? Wäre doch emotionaler gewesen …

Ich finde es eigentlich noch speziell. So ist es intimer. Das mit Sicherheit. Es gibt doch dieses Sprichwort: Dass sich der Kreis schliesst. Bei mir ist das sicherlich so. Ich habe in Winti vor ein paar Nasen angefangen, jetzt höre ich in Winti vor ein paar Nasen auf. Mein erstes Spiel verpasste, glaube ich, mein Vater sogar.

Gegen Schaffhausen ist er aber dabei?

Ja, bei meinem letzten Spiel in der Karriere ist er da (lacht). Da muss er da sein! Ich finde es einfach mega speziell, dass bei meinem ersten Spiel nur meine Engsten dabei waren – und jetzt gegen Schaffhausen wieder.

Du wirst dem FC Winterthur als Co-Trainer erhalten bleiben.

Ja, das stimmt. Ich bleibe Winti erhalten. Ich kümmere mich dann vor allem auch um die jüngeren Spieler als sogenannter Talentmanager. Das ist eine spannende Aufgabe. Und für mich ist das eine coole Aufgabe. Bereits in den letzten Jahren coachte ich immer wieder die jungen Spieler. Ich probierte immer, ein gutes Beispiel zu sein.

1 / 6
Mit Basel wurde Davide Callà mehrmals Meister. Exakt gesagt: Vier Mal durfte er mit dem FCB den Meistertitel feiern. 

Mit Basel wurde Davide Callà mehrmals Meister. Exakt gesagt: Vier Mal durfte er mit dem FCB den Meistertitel feiern.

pool fcb/freshfocus
Bei Basel gefiel es ihm. Im Interview mit 20 Minuten sagt er: «Es hat mir überall super gefallen aber die Zeit bei Aarau, Basel und Winterthur war schon mega toll. Ich habe Titel gefeiert, habe tolle Menschen kennengelernt.»

Bei Basel gefiel es ihm. Im Interview mit 20 Minuten sagt er: «Es hat mir überall super gefallen aber die Zeit bei Aarau, Basel und Winterthur war schon mega toll. Ich habe Titel gefeiert, habe tolle Menschen kennengelernt.»

Andy Mueller/freshfocus
Und auch die Basler Fans feierten den Mann, der am Donnerstag sein letztes Profi-Spiel bestreitet. 

Und auch die Basler Fans feierten den Mann, der am Donnerstag sein letztes Profi-Spiel bestreitet.

Martin Meienberger/freshfocus

Für dich war es aber immer klar, dass du dem Fussball erhalten bleibst?

Fussball ist mein Leben. Das war es schon immer. Ich wusste daher immer, dass ich im Fussball bleibe. Ich liebe diese Sportart einfach.

Was liebst du denn am Fussball so?

Die Emotionen ganz sicher. Die negativen und die positiven. Fussball war für mich eine echte Lebensschule. Auch gibt es für mich nichts Schöneres, als mit meinen Jungs die Zeit zu geniessen. Auf dem Platz und in der Kabine. Mal einen Spruch machen, lachen, feiern. Vielleicht aber auch einmal streiten und diskutieren. All das macht für mich den Fussball aus.

Schauen wir auf deine Karriere: Welche Highlights hast du vor allem in Erinnerung?

Ich schaue meine Karriere eigentlich als grosses Ganzes an. Natürlich gibt es Dinge, die herausstechen. Das erste Tor, mein erster Einsatz. Der erste Schweizer Meistertitel, das erste Mal Champions League. Aber ich bin auch dankbar für jeden traurigen, komplizierten und schwierigen Moment. Ich bin der, der ich jetzt bin, wegen allem. Mein Rucksack ist prall gefüllt.

Das verstehe ich! Aber trotzdem: Was ist der emotionalste Moment für dich gewesen?

Die Krönung waren wohl meine Einsätze in der Champions League. Vorher schrammte ich am Karriereende vorbei. Für einen Fussballer gibt es nichts Grösseres, als in der Königsklasse zu spielen. Ich durfte in diesem Wettbewerb spielen! Ich! Das war unglaublich.

Das ist Davide Callà

Davide Callà kann auf eine lange Karriere zurückblicken. Der 36-Jährige absolvierte in 18 Profijahren für Winterthur, Basel, St. Gallen, GC, Aarau, Wil und Servette über 400 Einsätze in den beiden höchsten Schweizer Spielklassen. Besonders erfolgreich war er beim FC Basel. Vier Meistertitel und einen Cupsieg feierte er mit den Baslern. Darüber hinaus durfte er in der Champions League antreten. Ein Traum, wie er im Interview mit 20 Minuten schwärmt. Nach seinem Karriereende bleibt der Captain des FC Winterthur dem Club erhalten. «Ich kümmere mich vor allem um die jüngeren Spieler als sogenannter Talentmanager. Das ist eine spannende Aufgabe», so Callà. (nih)

Du hast bei verschiedenen Clubs gespielt, wo gefiel es dir am besten?

(lacht) Es hat mir überall super gefallen, aber die Zeit bei Aarau, Basel und Winterthur war schon mega toll. Ich habe Titel gefeiert, habe tolle Menschen kennengelernt. Aber auch die Zeit beim GC war schön, ebenso in St. Gallen. In Genf bei Servette war es kurz und intensiv aber auch lehrreich, und in Wil habe ich ganz verrückte Sachen erlebt mit dem Cupsieg als Highlight. Schade finde ich es einfach, dass ich in St. Gallen und vor allem beim GC so oft verletzt war und deshalb nicht den wahren Davide Callà zeigen konnte.

Hast du einen Wechsel bereut?

Ach. Das Leben besteht aus Scheidewegen. Nach einer Entscheidung kann man nicht mehr zurück. So ist das halt. Manchmal ist man hinterher schlauer. Dann ist es jedoch zu spät. Aber nein, jede Entscheidung, die ich getroffen habe, würde ich nochmals gleich treffen.

Du meintest vorhin, dass du stets die Zeit mit deinen Jungs genossen hast. Hast du im Fussball echte Freunde gefunden?

Ich weiss, dass es Fussballer gibt, die sagen: Man findet im Fussball keine echten Freunde. Doch das kann ich widerlegen. Beim Schaffhausen-Spiel werden ein paar Jungs dabei sein, die ich teils seit 15, 16 Jahren kenne. Ich habe in meiner Karriere unglaublich viele Menschen kennengelernt. Und eine Handvoll davon darf ich als wahre Freunde bezeichnen.

Das ist schön.

Sehr! Fussball ist halt nicht nur Business, Geld und Karriere. Es ist so viel mehr.

Jetzt haben wir viel über deine Karriere geredet. Schauen wir auf den Aufstiegs-Showdown. Was denkst du, schafft dein Ex-Club GC den direkten Aufstieg?

GC gehört in die Super League. Das ist klar. Und ich glaube auch, dass der Club das schafft.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

7 Kommentare