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Strafgericht BSFussball-Senior tickte aus und verletzte Schiri (60)

Es war wohl ein Pfiff zu viel: Ein Senioren-Fussballer des FC Riehen stand am Mittwoch vor Gericht, weil er aus Wut auf den Unparteiischen losging und diesen verprügelt haben soll.

von
daf
Der Eklat im Seniorenfussball ereignete sich auf dem Fussballplatz der Sportanlage Grendelmatte in Riehen.

Der Eklat im Seniorenfussball ereignete sich auf dem Fussballplatz der Sportanlage Grendelmatte in Riehen.

Kanton Basel-Stadt

Eigentlich ist Fussball ja nur ein Spiel – und gerade im Amateurbereich steht der Spass am Sport im Zentrum. Sehr ernst nahm es aber ein 54-jähriger Senioren-Kicker des FC Riehen, der sich am Donnerstag vor Gericht verantworten musste. Während einer Partie gegen den SC Dornach im September 2016 eskalierte beim Stand von 4:4 auf der Sportanlage Grendelmatte in Riehen die Situation: Dem Fussballer aus Huningue (F) wird vorgeworfen, in seiner Wut auf den Unparteiischen losgegangen zu sein. Er soll diesen niedergeschlagen und gewürgt haben.

Laut Anklage konnte der Veteran kurz zurückgehalten werden, ehe er den 60-jährigen Schiedsrichter erneut angriff. Er habe dem Spielleiter einen Schlag in den Nacken verpasst, worauf dieser erneut zu Boden gegangen sei. Andere Spieler hätten den wutentbrannten Veteranen schliesslich unter Kontrolle bringen können, so die Staatsanwaltschaft. Die Partie wurde abgebrochen und mit 3:0 für den SC Dornach gewertet. Der Schiedsrichter trug Verletzungen am Hals und Nacken davon, darunter Würgespuren.

Spieler gesperrt, Team aufgelöst

Die Konsequenzen für den Täter und den FC Riehen liessen nicht auf sich warten: Der Spieler wurde auf unbestimmte Zeit vom Fussballplatz verbannt und musste dem Verband eine Geldbusse zahlen. Die Senioren-Mannschaft des FC Riehen konnte die laufende Saison nicht zu Ende spielen und löste sich schliesslich auf. Zudem wurde der Club mit 500 Franken gebüsst.

Nun forderte die Anklage für den gewalttätigen Fussballer eine bedingte neunmonatige Freiheitsstrafe. Dieser gab am Donnerstag vor dem Basler Strafgericht an, dass er den Schiedsrichter lediglich geschubst hatte. «Beim zweiten Mal vielleicht etwas heftiger, und der Schiri fiel um», so der Franzose. Schläge stritt er ab. Der gebürtige Algerier begründete den zweiten Angriff damit, dass der Schiedsrichter ihm zugerufen habe: «Ich kommandiere hier die dreckigen Araber!» Diese Vorwürfe bestritt der ehemalige Referee vor Gericht. Er pfeift heute laut eigener Aussage keine Spiele mehr.

Richterin: «Mehr als nur blaue Flecken»

Der Darstellung des Täters schenkte das Gericht keinen Glauben. Zu stark seien die Verletzungsspuren am Hals des Schiris. «Das sind mehr als nur blaue Flecken», so die Richterin. «Sie haben den Schiedsrichter zweimal zu Boden geschlagen», sagte sie in Richtung des Fussballers. Dies zeigten der Befund des Arztes und die Physiotherapie, in die sich der Schiedsrichter begeben habe.

Das Gericht beurteilte die Gewalttat auf dem Spielfeld dennoch milder als die Staatsanwaltschaft. So war es nach Meinung der Richterin nicht zu Faustschlägen und einem Kopfstoss gegen den Schiri gekommen, wie dem Angeklagten vorgeworfen wurde. Der Franzose habe bislang eine weisse Weste im Strafregister und sei bereits durch den Verband bestraft worden, so das Gericht. Es verurteilte ihn schliesslich zu einer bedingten Geldstrafe von 210 Tagessätzen à 20 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren.

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