Alternative Anlagen: Fussballertrikot als Goldgrube
Aktualisiert

Alternative AnlagenFussballertrikot als Goldgrube

Was rar ist und viele begehren, steigt im Preis. Dies gilt für edle Tropfen ebenso wie für Leibchen von Fussballern. Fälschungen sind allerdings an der Tagesordnung.

von
Sandro Spaeth
Pelés Orginanltrikot aus dem WM-Final von 1970 wechselte 2002 für rund 230 000 Franken den Besitzer

Pelés Orginanltrikot aus dem WM-Final von 1970 wechselte 2002 für rund 230 000 Franken den Besitzer

Für eine Originalholzkiste mit sechs Flaschen Château Pétrus Jahrgang 1982 zahlte ein Sammler auf einer Aktion in Hongkong Anfang Jahr fast 57 000 Euro. Der edle Tropfen ist einer der gefragtesten Bordeaux-Weine überhaupt; als Statussymbol und Anlageobjekt. Der Grund: Die Flaschen der exklusiven Jahrgänge sind enorm selten.

Rar und begehrt sind zuweilen auch Fussballerleibchen, beispielsweise jenes des legendären Weltmeisterschaftsfinals 1970 in Mexiko. Damals kämpften Brasilien und Italien um die Krone im Weltfussball. Auf dem Platz standen Stars wie Pelé oder Luigi Riva. Péle schoss seine Mannen zur 1 : 0 Führung und bereitete zwei weitere Tore vor. Am Ende besiegte die Seleção die Azzurri mit 4 zu 1.

Das Trikot, das Pelé beim Final im Sommer 1970 trug, kam 2002 bei Chrsitie's unter den Hammer und wurde zum teuersten «Stück Stoff» aller Zeiten. Ein Sammler zahlte fürs gelbgrüne Dress 230 000 Franken. Das zweitteuerste Trikot war laut «Handelszeitung» jenes des britischen Fussballers Geoff Hurst im WM-Spiel 1966. Sein Leibchen wechselte für 105 000 Franken den Besitzer.

Wertsteigerungen bis 200 Prozent

Das richtige Trikot im Schrank kann einem reich machen, auch wenn die Preise zuletzt nicht mehr in solche Bereiche vorgestossen sind. Gerade in Zeiten von magerer Renditen auf dem Kapitalmarkt könnten sich Investments in Fussballertrikots dennoch lohnen, so der Auktionator Wolfgang Fuhr vom Agon-Sport Verlag. «In den vergangenen zehn Jahren waren bei Fussball-Sammlerstücken Wertsteigerung von 100 bis 200 Prozent drin», so Fuhr zur «Handelszeitung». Er glaube, dass sich das künftig weiter so fortsetzen werde.

Wirklich hohe Preise zahlen Sammler nur für echte Trikots. Eine Fälschung von einem tatsächlich Original zu unterscheiden ist hingegen kein leichtes Unterfangen – ähnlich wie bei exklusiven Weinflaschen. Hier mehren sich kopierte Etiketten, gefälschte Holzkisten und lückenhafte Herkunftsnachweise. Vor vier Jahren mutmasste der bekannte Weininvestor Jan-Eric Paulson im «Wine Spectator Magazine», dass fünf Prozent aller bei Auktionen oder im Handel erstandenen Weine, gefälscht seien.

Anleger Latein

Wie der Weininvestor die Begriffe «Grand Cru» oder «en primeur» – man kauft dabei den Wein noch bevor er in die Flaschen abgefüllt wird – kennen muss, gibt es auch ein Latein für Fussballtrikot-Anleger. «Matchworn» steht für ein tatsächlich in einem Spiel getragenen Leibchen – was Höchstpreise garantiert. Ein Spieler hat aber auch Ersatztrikots, die noch mehr einbringen als reine Fantrikots, welche die Clubs als Merchandising-Artikel zu hunderten absetzen. Einem solchen Trikot lässt sich mit etwas Schmutz und Schweiss aber im Nu einen anderen Look verpassen. Die Wahrscheinlichkeit kein echtes Spielertrikot zu bekommen, liegt laut Auktionator Fuhr bei 80 Prozent.

Spezialisiert auf den Verkauf von echten Fussballtrikots ist das Portal Sport-Auktion.de. Dank Exklusivverträgen mit Vereinen erhalten die Plattformbetreiber die Ware aus erster Hand – teilweise ungewaschen. In der Regel werden laut den Betreibern für aktuelle «Matachworn»-Trikots zwischen 200 und 1000 Euro bezahlt. Für gewaschene Trikots stellt Sport-Auktion.de ein Echtheitszertifikat aus.

Vorsicht Falle

Viel schwieriger ist es hingegen bei historischen Trikots und anderen Fussballraritäten. Diese veräussern Sammler oder Erben auf Auktionen oder im Internet – oftmals ohne Echtheitsbeweise. Täuschungsversuche seien alltäglich, so Auktionator Fuhr im Interview mit dem Fussballmagazin «11Freunde». «Das WM-Finaltrikot von Franz Beckenbauer aus dem Jahr 1974 wird uns praktisch monatlich angeboten.» So viele Hemden könne selbst der Kaiser nicht getragen haben, mit Furh.

Ähnliche Geschichten gibt es auch beim Wein. Vom bei Investoren, Sammlern und Angebern beliebten Burgunder Rotwein Romanée Conti mit dem Jahrgang 1945 sind wurden bereits mehrer tausend Flaschen versteigert. Dabei ist bekannt, dass das Weingut in diesem Jahr nur 600 Flaschen produziert hatte.

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