Versuch in St. Gallen: Fussfessel statt Jugendheim
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Versuch in St. GallenFussfessel statt Jugendheim

Zwei junge Räuber müssen in St. Gallen elektronische Fesseln tragen – dafür kommen sie ums Jugendheim herum und können die Lehre fortsetzen. Das Experiment scheint zu funktionieren.

Die St. Galler Jugendanwaltschaft geht neue Wege: Zwei mutmassliche Straftäter wurden elektronisch überwacht anstatt ins Heim gesteckt. Die Jugendlichen konnten dadurch ihre Lehre fortsetzen. Am Donnerstag stehen die beiden wegen qualifizierten Raubs vor Gericht.

Im Kanton St. Gallen sei das so genannte «Electronic Monitoring» (EM) vorher noch nie angewandt worden, weder bei Jugendlichen noch bei Erwachsenen, sagte der Leitende Jugendanwalt Stephan Ramseyer auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Normalerweise wird das EM als überwachter Vollzug ausserhalb der Vollzugseinrichtung angewandt. «Wir wollten den Versuch wagen, Jugendliche, die noch nicht bestraft sind, statt in einem Heim mit elektronischen Fesseln zu überwachen», sagte Ramseyer.

Der Versuch sei geglückt. Die beiden Jugendlichen, die in eine Serie von Raubüberfällen auf Passanten verwickelt waren, hätten sich an die Vorgaben gehalten. «Die Jugendlichen konnten ihre Ausbildung fortsetzen und zuhause wohnen», sagte Ramseyer.

Kosten sparen

Die St. Galler Jugendanwaltschaft hat mit den elektronischen Fesseln, welche vom Kanton Basel-Land gemietet wurden, auch Kosten eingespart: Die elektronische Überwachung ist rund zehn Mal billiger als eine Unterbringung in einem Jugendheim.

«Wir haben eine Risikoabschätzung gemacht, bevor wir uns für die elektronische Überwachung entschieden haben», sagte Ramseyer. Die Sicherheit gehe vor. Ein weiterer Jugendlicher, der bei der Raubserie mitbeteiligt war, konnte aufgrund der Schwere seiner Delikte nur teilweise von der elektronischen Überwachung profitieren.

Der heute 18-Jährige ist seit vergangenem November in verschiedenen Heimen untergebracht. Er hat seine Lehrstelle verloren. Ihm werden von der Jugendanwaltschaft unter anderem mehrfacher qualifizierter Raub vorgeworfen. Die Anklage fordert einen unbedingten Freiheitsentzug von drei Jahren.

Dauerhafte Einführung geplant

Die Kantone sollen die elektronische Überwachung in Zukunft dauerhaft einsetzen können. Die gesamtschweizerische Einführung ist Bestandteil der laufenden Strafrechtsrevision. Seit 1999 ist das EM erst versuchsweise zugelassen. Neben dem Kanton Basel-Land kennen die Kantone Waadt, Bern, Tessin, Genf, Solothurn sowie Basel-Stadt die elektronische Fussfessel. (sda)

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