Luzerner Ampeln: Fussgänger sollen weniger lang warten müssen
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Luzerner AmpelnFussgänger sollen weniger lang warten müssen

In Luzern werden mehr Grünphasen und weniger Wartezeiten an Fussgängerampeln gefordert. Experten unterstützen die Idee, sind aber auch skeptisch.

von
gwa

Warten an der Ampel: 20 Minuten machte einen Selbsttest. (Video: TK)

«50 Sekunden als maximale Wartezeit an sämtlichen Fussgängerampeln» – dies fordert die SP/Juso-Fraktion per Vorstoss im Luzerner Stadtparlament vom Stadrat. «Die Ampel am Fussgängerstreifen will und will nicht grün werden – manchmal sogar, wenn gar kein Verkehr rollt», schreiben Mario Stübi und Yannick Gauch.

Luzern bei Fussverkehrs-Tests auf letztem Platz

Im Postulat verweisen sie auf einen Test, den die Verkehrsorganisation Umverkehr 2016 durchgeführt hatte. Darin nahm sie acht Städte unter die Lupe – Basel, Bern, Biel, St. Gallen, Thun, Winterthur, Zürich und Luzern. Die Stadt Luzern belegte bei der Fussgängerfreundlichkeit den letzten Platz.

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«50 Sekunden als maximale Wartezeit an sämtlichen Fussgängerampeln» – dies fordert die SP/Juso-Fraktion per Vorstoss im Luzerner Stadtparlament vom Stadrat.

«50 Sekunden als maximale Wartezeit an sämtlichen Fussgängerampeln» – dies fordert die SP/Juso-Fraktion per Vorstoss im Luzerner Stadtparlament vom Stadrat.

20 Minuten/TK
Ein Test beim Schwanenplatz hat ergeben, dass Fussgänger eine Minute und sechs Sekunden warten müssen, bis für sie grün wird. Dann haben sie 14 Sekunden Zeit, die Strasse zu überqueren.

Ein Test beim Schwanenplatz hat ergeben, dass Fussgänger eine Minute und sechs Sekunden warten müssen, bis für sie grün wird. Dann haben sie 14 Sekunden Zeit, die Strasse zu überqueren.

20 Minuten/TK

«Insbesondere zwei getestete Querungen (Pilatusstrasse und Schweizerhofquai) mit Wartezeiten von über 60 Sekunden bezeichnen die Verfasser als ‹deutlich zu lang›», heisst es. Die Tests seien zwar nicht repräsentativ, aber doch fundiert.

Ein Test beim Schwanenplatz ergab, dass Fussgänger eine Minute und sechs Sekunden warten müssen, bis für sie Grün wird. Dann haben sie 14 Sekunden Zeit, die Strasse zu überqueren.

Dauergrün für Fussgänger

Ebenso wird verwiesen auf die Schweizerische Vereinigung der Verkehrsingenieure und Verkehrsexperten (SVI), die ebenfalls eine Anpassung der Ampelzyklen fordere. Diese gehe gar so weit, dass sie für gewisse Ampeln «Dauergrün» empfiehlt. Das heisst, dass die Fussgängerampel grundsätzlich auf Grün gestellt ist. Komme ein Auto vorbei, würde sie umgestellt. Ein solcher Regimewechsel soll ebenfalls geprüft werden – dies aber nur auf Strassen, wo es viele Fussgänger und nur wenig motorisierten Individualverkehr (MIV) hat.

Durch einen Regimewechsel könne auch verhindert werden, das Fussgänger «aus Ärger leichtsinnig bei Rot die Strasse überqueren, was heute leider regelmässig zu beobachten ist», so das Argument der Grossstadträte.

Viele Ampeln unterbinden Fussgängerfluss

Verkehrssoziologe Timo Ohnmacht von der Hochschule Luzern findet die Forderung gerechtfertigt. So sei die Umlaufzeit – die Dauer, bis alle Ampelphasen einmal durch sind – in Luzern mit 120 Sekunden im schweizweiten Vergleich am längsten. «Das klingt nach wenig, aber in der Stadt gibt es viele Ampeln. Dadurch ergibt sich für Fussgänger ein Stop-and-go-Modus, was den Fluss unterbindet.»

Dauergrün für Fussgänger könne eine Option sein: «Aber sicher nicht auf den Hauptverkehrsachsen.» Ohnmacht fände auch längere Grünphasen sinnvoll: «Insbesondere für ältere Menschen oder Touristengruppen sind kurze Grünphasen mühsam.»

Mit kürzeren Wartezeiten würden auch weniger Leute bei Rot über die Strasse huschen. Routinierte Fussgänger wissen laut Ohnmacht, wann die Phasen wechseln und würden diese Chancen nutzen. «Die Leute nehmen sich diese Freiheit heraus, auch weil es für viele Fussgänger offensichtlich ist, dass sie gegenüber dem MIV benachteiligt werden.» Sie seien aber bereit zu warten, wenn die Ampelphasen angepasst würden.

«Bin nicht sicher, ob das nötig ist»

Alexander Stadelmann von der TCS-Sektion Waldstätte ist skeptisch: «Es müsste kritisch hinterfragt werden, ob mehr Grünphasen für Fussgänger sinnvoll sind», sagt er. Denn dadurch müssten auch andere Verkehrsteilnehmer wie ÖV-Benutzer und Velofahrer viel länger warten. «Es ist fraglich, ob dies der Weisheit letzter Schluss ist.»

Bezüglich dauergünen Ampeln sagt Stadelmann: «Ich kann die Idee nachvollziehen, bin aber der Meinung, dass das nicht nötig ist.» Auf Strassen mit wenig Verkehr habe es meist keine Ampeln. «Die Leute auf den Fussgängerstreifen haben dort sowieso Vortritt.» Am wichtigsten sie es, «einen Mix zu finden, bei dem niemand benachteiligt wird – egal, ob ÖV, MIV oder Langsamverkehr».

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