25.08.2020 03:04

Einkaufstouristen bleiben fern«Fussgängerzone ist wie ein Lockdown light»

In Weil am Rhein (D) hält eine Pop-up-Fussgängerzone die Schweizer Einkaufstouristen fern und lässt die Umsätze der Läden in den Keller rasseln. In einem Video setzen diese einen Hilferuf an die Stadtregierung ab.

von
Lea Lozano

Mit diesem Video hoffen die Einzelhändler der Weiler Innenstadt die Stadtregierung zu erreichen.

Weil-aktiv e.V.

Darum gehts

  • Ein Teil der Hauptstrasse in Weil am Rhein wurde kürzlich zu einer temporären Fussgängerzone umfunktioniert.
  • Die Umsätze der Ladenbesitzer gingen seither rasant zurück, nicht zuletzt weil die Einkaufstouristen aus der Schweiz fernbleiben.
  • Im Gewerbeverein «Weil-aktiv» schliessen sich die Geschäfte zusammen und bitten um die Wiedereröffnung der befahrbaren Strasse.

Damit die Abstandsregelungen zur Eindämmung des Coronavirus korrekt eingehalten werden können, wurde ein Teil der Hauptstrasse in Weil am Rhein bis Ende September für Autos gesperrt. Die neu entstandene Fussgängerzone kommt jedoch nicht bei allen gut an. Anstatt dass mehr Fussgänger durch die Einkaufsmeile flanieren, klagen die Einzelhändler über massive Umsatzrückgänge, da die Schweizer Einkaufstouristen fernbleiben. «Seit die Fussgängerzone eröffnet wurde, haben wir über 50 Prozent Umsatzrückgang», berichtet etwa die Geschäftsführerin des Schuhhauses Wachenheim.

Nach der schwierigen Zeit während des Lockdown folgt nun also der nächste Schlag für die Händler. Gemäss einer Medienmitteilung des Gewerbevereins «Weil-aktiv» stehen einige von ihnen kurz vor dem Ruin. «Wir haben jetzt durch die Fussgängerzone einen Lockdown light», unterstreicht Axel Teubner, Geschäftsführer des Modehauses Ermuth & M3.

Auch Bewohner sind verärgert

Nicht nur die Ladenbesitzer scheinen unter den Folgen der Pop-up-Fussgängerzone zu leiden. Auch die Bewohner der anliegenden Strassen beklagen sich über eine Zunahme an Dreck, Gestank und Verkehr, der durch die Umleitungen entstehe. «Hupen, Rasen, nicht mal am Sonntag hat man hier seine Ruhe», schreibt eine Facebook-Nutzerin.

Die Geschäfte, die sich im Gewerbeverein «Weil-aktiv» zusammengeschlossen haben, fordern nun mit allen Mitteln das sofortige Ende des Projekts. «An die Stadt Weil am Rhein: Hört unser Hilferuf», bittet die Geschäftsführerin des Coiffeursalons Haircules die Stadtregierung. Ob der Apell der Ladeninhaber erfolgreich war und wie die Zukunft des Projekts Fussgängerzone aussieht, ist bisher noch unklar. Der Oberbürgermeister von Weil am Rhein (D), Wolfgang Dietz, beantwortete eine Anfrage von 20 Minuten am Montag nicht. Laut Wolfgang Raithel, Vorsitzender von «Weil-aktiv», habe es inzwischen Gespräche mit der Verwaltungsspitze gegeben und es würden nun mögliche Lösungen erarbeitet.

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19 Kommentare
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807687

26.08.2020, 19:16

Mir ist es genau umgekehrt ergangen: Im September 2019 wurden wir informmiert, dass ab 1. November die Strasse für Autos DAUERHAFT gesperrt wird. Die Stadt verhöhnte uns mit der Aussage, sie hätten rechtzeitig informiert. Klar, aber nicht für Leute wie mich, die langjährige Mietverträge für ihre Läden und Werkstätten haben. Ich bin auf Autokunden angewiesen. Mein Vermieter war kulant genug, mich aus dem Vertrag zu entlassen und fand nahtlos einen Mieter, der nicht auf Autofahrer angewiesen ist. Im März konnte ich raus. Da kam der Lockdown. Ich habe die Werkstatt nun in meinem Schlafzimmer, mein Bett ist das im Gästezimmer und das Büro auch und Gäste schlafen jetzt halt in der Stube. Aber der Lockdown und die folgenden Monate ergaben weitere happige Umsatzeinbussen. Heute stehe ich vor dem Ruin und versuche, die Firma abzuwickeln, ohne in Konkurs zu gehen. Ich hoffe, dass die Lieferanten mitmachen. Wir hatten immer ein supergutes Verhältnis und ich war von der Bonität her AAA+ oder so.

BB

26.08.2020, 05:53

Das wäre die Gelegenheit: Masken abschaffen, dann kommen wir gerne nach Weil am Rhein. In Basel will aktuell sowieso niemand shoppen 😊

Stefan

25.08.2020, 06:59

Herrlich diese Einkaufstouristen. Wenn nicht direkt vor dem Laden parkiert werden kann, bleiben sie fern. So überlebenswichtig scheint der günstige Einkauf also doch nicht zu sein.