Fust geht für fast eine Milliarde an Coop
Aktualisiert

Fust geht für fast eine Milliarde an Coop

Coop auf Einkaufstour: Der Detailhändler übernimmt Jelmolis Problemsparte Elektrohaushalt- und Multimedia für 990 Millionen Franken.

Der Verwaltungsrat von Jelmoli sei zur Überzeugung gelangt, dass der Verkauf der Elektrohaushalt- und Multimedia-Sparte die bestmöglichen Chancen zu einer entwicklungsfähigen Zukunft und zur Nutzung von Synergien biete, heisst es in der Mitteilung als Begründung für den Verkauf.

Fust werde als eigenständige Unternehmenskette weitergeführt. Die Übernahme erfolge auf den Zeitpunkt des Vorliegens der erforderlichen Bewilligungen der zuständigen eidgenössischen Behörden.

Keine Überraschung

Der Verkauf von Fust überrascht nicht. An der Jelmoli- Bilanzmedienkonferenz Anfang April hatte der Konzern bestätigt, dass die Unternehmensstrategie überprüft werde. Dabei solle etwa auch die Abspaltung des Immobilien-Portefeuilles oder der Detailhandelsaktivitäten überprüft werden. Ein Verkauf von Teilen der Gruppe sei möglich, hiess es.

Ausserdem versucht der heute 66-jährige Fust-Gründer und Jelmoli- Grossaktionär Walter Fust seit 1994 mangels Interesse seiner drei Kinder am Unternehmen seine Nachfolge zu regeln. Mit dem Verkauf von Fust an Coop dürfte endlich Ruhe für die Fust AG eintreten.

Komplizierte Nachfolgeregelung

In einem ersten Schritt verkaufte Walter Fust im August 1994 die Mehrheit an der damaligen Dipl. Ing. Fust AG für 141,5 Mio. Fr. an den Warenhauskonzern Jelmoli und sicherte sich gleichzeitig eine gut 10-prozentige Beteiligung an Jelmoli. Er wisse sein Unternehmen nun in guten Händen, sagte Walter Fust damals.

Gut zwei Jahre später, im November 1996, kaufte Fust nach «Hahnenkämpfen» im Hause Jelmoli, für rund 270 Mio. Fr. das Mehrheitspaket der Basler Handelsgesellschaft UTC an Jelmoli auf. Fust als neuer starker Mann der Jelmoli-Gruppe straffte die Führung und kontrollierte 40,6 Prozent des Kapitals und 50,6 Prozent der Stimmen.

2002 und 2003 versuchte Walter Fust eine Teilrückzug von Jelmoli, um seine Nachfolge zu regeln. Im Februar 2003 gab er schliesslich eine Mehrheit seiner Stimmen- und Aktienanteile an die Pelham Investments von Georg von Opel ab.

Laut aktuellem Aktienführer hält Georg von Opel via Hansa und Pelham Investments 54,6 Prozent der Stimmen und 28,1 Prozent des Kapitals an Jelmoli. Jelmoli-Verwaltungsratspräsident ist Grosaktionär Walter Fust, der 14,9 Prozent der Stimmen und 7,6 Prozent des Kapitals hält.

Umsatzzahlen

Jelmoli machte 2006 mit ihrem Bereich Elekrohaushalt und Multimedia (Fust, Eschenmoser, netto24) mit 1655 Beschäftigten einen Umsatz von 840,2 Mio. Franken (+8,1 Prozent).

Coop ist im Bereich Elektrohaushalt und Multimedia mit ihrer Tochter Interdiscount am Markt. 2006 erzielten die 178 Interdiscount-Läden einen Umsatz von 909 Mio. Franken (+0,5 Prozent).

Jelmoli-Aktie verliert - Schritt in Richtung Immobilienkonzern

Die Aktien des Detailhandels- und Immobilienkonzerns Jelmoli haben nach dem angekündigten Verkauf der Elektrohaushalt- und Multimedia-Sparte etwas schwächer notiert.

Mit dem Verkauf der Dipl. Ing. Fust und netto24 an Coop habe Jelmoli einen wichtigen Schritt in Richtung Aufspaltung des ganzen Konzerns unternommen, urteilten Marktbeobachter. Die Jelmoli-Aktie habe diesen Schritt aber zum grössten Teil schon vorweggenommen.

Bis um 11 Uhr verloren die massgebenden Jelmoli-Inhaber 0,1 Prozent auf 4389 Franken, die Namenaktie tendierte 1,7 Prozent leichter auf 865 Franken.

Die Analysten der Bank Vontobel erwarten, dass auch die verbleibenden Detailhandelsaktivitäten in den kommenden Monaten veräussert werden. Jelmoli werde sich danach auf ihr Immobiliengeschäft konzentrieren.

Bei der ZKB kann man sich hingegen vorstellen, dass Jelmoli in näherer Zukunft seine Immobilien beispielsweise an eine an der SWX kotierte Immobilienfirma verkauft. Damit könnte der Konzern die stolzen Prämien einkassieren, die der Markt derzeit für Top- Immobilien zu zahlen bereit sei.

Der Verkaufspreis für die Elektroniksparte geht den Analysten zufolge «in Ordnung», liegt bei anderen Banken gar über den Erwartungen.

Ein Fragezeichen stellten Analysten allerdings hinter die Durchführbarkeit der Transaktion. Da die Käuferin Coop mit Interdiscount bereits Jelmolis schärfster Konkurrent im Ladengeschäft für Heimelektronik sei, werde die Kartellbehörde den Deal sicherlich mit der grossen Lupe beäugen. (sda)

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