Aktualisiert 15.02.2006 15:57

G-8-Polizeieinsatz bleibt wohl straflos

Die Staatsanwaltschaft hat vor dem Bezirksgericht in Nyon die Anklage gegen zwei Polizisten fallen gelassen. Ihre Fehler seien auf Grund der Umstände verständlich.

Der umstrittene Einsatz auf der Autobahnbrücke bei Aubonne gegen G-8-Gegner von 2003 wird möglicherweise keine strafrechtlichen Folgen haben.

Für den stellvertretenden Staatsanwalt Daniel Stoll war klar, dass beim Einsatz am Rande des G-8-Gipfels in Evian Anfang Juni 2003 Fehler passiert sind und die Angeklagten sich nicht professionell verhalten haben. Er hielt den Polizisten aber die sehr aufgeladene Situation zu Gute. Der angeklagte 26-jährige Schaffhauser Polizist habe sicher einen Fehler begangen, als er das quer über die Autobahnbrücke führende Seil gekappt habe. «In einer Stresssituation ist das aber verständlich», sagte Stoll am Mittwoch vor dem Bezirksgericht in Nyon. Die Blockade der Autobahn habe eine grosse Gefahr bedeutet. Der Polizist habe schliesslich das Messer gezückt, um den Kollegen bei der schnellen Räumung der Strasse zu helfen. Weil er stark mit Aktivisten beschäftigt gewesen sei, habe er die Lage nicht richtig erfasst. Durch den Schnitt fiel ein Aktivist aus England, der an einem Seilende hing, über 20 Meter tief ins Bachbett und verletzte sich schwer. Die deutsche Frau am anderen Seilende konnte rechtzeitig festgehalten und auf die Brücke gezogen werden.

Beim ebenfalls angeklagten 54-jährigen Waadtländer Einsatzleiter bestand der Fehler laut Stoll darin, dass er seinen Untergebenen nicht darüber informiert habe, dass zwei Menschen am Seil hingen. Auch er habe allerdings unter Stress gehandelt.

«Alle müssen aus diesem Fall lernen, die Polizei genauso wie die Demonstranten», sagte Stoll. Der Unfall habe viele Ursachen, die Blockade der Autobahn aber sei die wichtigste: «Wenn das Seil nicht über die Autobahn gespannt gewesen wäre, hätte der Polizist niemanden verletzen können.»

Der Anwalt der beiden Aktivisten, die als Nebenkläger auftreten, forderte allerdings die Verurteilung der Polizisten. Sie hätten unglaublich unvorsichtig und unbedacht gehandelt. Er verwahrte sich dagegen, dass die Fehler der Opfer betont werden, um die Polizei zu entlasten.

Die G-8-Gegner hatten mit der Aktion Anfang Juni 2003 die Zufahrt zum Gipfel im französischen Evian blockieren wollen. Zusammen mit einem Waadtländer Mitstreiter wurden die beiden Aktivisten für die Aktion bereits verurteilt. Die Deutsche und der Waadtländer erhielten Gefängnisstrafen von zehn beziehungsweise 20 Tagen. Dem Engländer wurde die Strafe wegen seiner schweren Verletzungen erlassen. (dapd)

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