G-8: Überraschender Durchbruch beim Klimaschutz
Aktualisiert

G-8: Überraschender Durchbruch beim Klimaschutz

Die G-8-Staaten haben sich auf ihrem Gipfel in Heiligendamm erstmals auf eine gemeinsame Strategie zur Bekämpfung des Klimawandels verständigt.

Nach hartnäckigem Widerstand erklärten sich die USA überraschend bereit, die Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2050 nach dem Vorbild der Europäer «ernsthaft in Betracht zu ziehen». Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem Riesenerfolg. Kritik kam von Umweltverbänden.

Bindende Vorgaben zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen enthält die Erklärung nicht. Doch bekennen sich die G-8-Staaten dazu, den Kampf gegen die Erderwärmung unter dem Dach der Vereinten Nationen zu führen.

Merkel betonte: «Diesem Abkommen entkommt niemand, das ist ein Riesenschritt nach vorne.» In der Erklärung wird auf die jüngsten Berichte des Weltklimarats verwiesen. Darin heisst es, die Folgen des Klimawandels blieben nur dann einigermassen erträglich, wenn der Anstieg der Temperatur weltweit bis 2100 auf zwei Grad begrenzt wird.

US-Präsident George W. Bush hatte sich dagegen gewehrt, diese Zahl in die Abschlusserklärung zu übernehmen. Mit dem Verweis findet sie sich nun zumindest indirekt dort wieder. Merkel unterstrich, die USA hätten den IPCC-Bericht als Grundlage für das weitere Vorgehen anerkannt. Damit werde auch ein Bezug zur Begrenzung der Erderwärmung hergestellt.

Merkel sagte: «Es haben sich viele bewegt. Das ist ein starkes Signal.» Nun sei für die Umweltminister der Weg frei, bei der UN-Klimakonferenz auf Bali Ende des Jahres über ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zu verhandeln.

Bush sagte zu, dass seine eigene Klimaschutzinitiative in den bereits laufenden Prozess der Vereinten Nationen einmündet. Der US-Präsident hatte vergangene Woche vorgeschlagen, die 15 grössten Produzenten von Treibhausgasen - darunter China und Indien - sollten bis Ende kommenden Jahres gemeinsame Ziele vereinbaren. Bushs Sicherheitsberater Stephen Hadley erklärte in Washington, die Übereinkunft von Heiligendamm stehe im Einklang mit den Vorschlägen Bushs von vergangener Woche.

Merkel sagte, die Vereinbarung des Gipfels sei ein Bekenntnis der gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung. Die Schwellenländer würden einbezogen, die Industrieländer übernähmen eine führende Rolle.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy bedauerte, dass die USA sich nicht zu bindenden Verpflichtungen bereit erklärt hätten. Doch sei es noch am Vortag undenkbar gewesen, dass eine konkrete Zahl in der Abschlusserklärung stünde. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der britische Premierminister Tony Blair begrüssten die Einigung mit den Worten: «Wir haben jetzt eine solide Basis, um im UN-Prozess gemeinsame Klimaschutzziele zu vereinbaren.»

«Wortklauberei und Etikettenschwindel»

Die Umweltverbände äusserten sich dagegen enttäuscht. Greenpeace warf den G-8 Versagen vor. Die Achtergruppe hätte mit ehrgeizigen Verpflichtungen zeigen können, «dass sie in der Lage ist, Verantwortung und Vorreiterschaft zu übernehmen».

«Das Klassenziel für den G8-Gipfel ist klar verfehlt worden», erklärte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Es sei nett, dass auch Kanada und die Vereinigten Staaten eine Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2050 «ernsthaft in Betracht ziehen» wollten. Erforderlich seien dafür aber eine Reduzierung um 80 Prozent in den Industrienationen und verbindliche Zwischenziele.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz monierte die «schwammigen Versprechungen». BUND-Geschäftsführer Gerhard Timm begrüsste dennoch die Absichtserklärung zur Halbierung der Treibhausgase.

Der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer kritisierte: «Frau Merkels angeblicher Riesenerfolg ist ein gewöhnlicher Etikettenschwindel. Er ist ein Triumph der Unverbindlichkeit und ein Sieg der Wortklauberei.» Die Linke sprach von «wirkungslosen Unverbindlichkeiten». Die FDP-Fraktion erklärte, die Einigung könne nur der erste Schritt für eine substanzielle Vereinbarung sein. (dapd)

G-8-Erklärung zum Klimaschutz

Die G-8-Staaten haben auf ihrem Gipfel in Heiligendamm einen Kompromiss beim Klimaschutz erzielt. Ein Auszug aus der Abschlusserklärung in einer inoffiziellen Übersetzung der Nachrichtenagentur AP:

«Wir setzen uns daher für starke und rasche Massnahmen gegen den Klimawandel ein, um die Konzentration von Treibhausgasen auf einem Niveau zu halten, das einen gefährlichen vom Menschen verursachten Eingriff in das Klimasystem verhindert.

Unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Erkenntnisse, wie sie in den jüngsten IPCC-Berichten stehen, muss der weltweite Anstieg beim Ausstoss von Treibhausgasen gestoppt werden, gefolgt von substanziellen Senkungen der globalen Emissionen weltweit. Indem wir in dem heute vereinbarten Prozess ein weltweites Ziel für die Reduzierung der Emissionen gesetzt haben, werden wir ernsthaft die Beschlüsse der Europäischen Union, Kanadas und Japans in Betracht ziehen, die das Ziel einer Halbierung der globalen Emissionen bis 2050 beinhalten.» (ap)

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