Aktualisiert 07.06.2007 16:22

G-8: Wilde Verfolgungsjagd auf hoher See

Die Gegner des G-8-Gipfels haben ihre Proteste am Donnerstag mit spektakulären Aktionen fortgesetzt. Auf der Ostsee lieferten sich Mitglieder von Greenpeace eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei.

25 Umweltaktivisten waren mit elf Schlauchbooten in die Sperrzone vor Heiligendamm eingedrungen. Sie wollten den Mächtigen der G-8 eine Petition zum Klimaschutz zu überbringen. Doch die Wasserschutzpolizei drängte die Boote ab und beendete die Aktion.

Dabei schob sich mindestens ein Polizeischlauchboot in einem riskanten Manöver auf ein Greenpeace-Boot, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Mehrere Demonstranten und ein Polizeibeamter wurden bei der Verfolgungsjagd verletzt. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben 21 Aktivisten in Gewahrsam und stellte acht Boote sicher.

Greenpeace kritisierte das Vorgehen der Polizei als «absolut unverantwortlich». «Es gibt andere Möglichkeiten, Schlauchboote zu stoppen», sagte eine Sprecherin. Ein Sprecher der Polizeigewerkschaft entgegnete, solche Aktionen seien nie ungefährlich, und zwar für beide Seiten.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel kritisierte Greenpeace scharf. «Ich finde, Greenpeace hat auch schon seriösere Unterfangen gemacht im Zusammenhang mit dem Klimaschutz», sagte die Gipfel- Gastgeberin. «Ich hoffe, sie werden nicht allzu viel CO2 emittieren mit ihren Bootsfahrten auf der Ostsee.»

Blockaden am Sicherheitszaun

Am Sicherheitszaun setzten Demonstranten unterdessen ihre Blockaden an den beiden Kontrollpunkten fort. Die Polizei berichtete am Nachmittag von vier Blockaden mit jeweils mindestens 500 Teilnehmern. Eine Sprecherin der Kampagne «Block G-8» sprach von mehr als 2000 Blockierern allein am Kontrollpunkt Rennbahn.

An der zweiten Kontrollstelle in Hinter Bollhagen setzte die Polizei ab Mittag Wasserwerfer ein, um sich dem Zaun nähernde Demonstranten auf Distanz zu halten. Laut Polizei wurden in der Nacht und am Donnerstag bis zum frühen Nachmittag 365 Demonstranten festgenommen.

Popstars singen gegen Armut

In Rostock strömten 70 000 Menschen zum Konzert «Stimmen gegen Armut» mit Popstars wie Herbert Grönemeyer, U2-Sänger Bono, Bob Geldof und Die Toten Hosen. Mitinitiator Grönemeyer appellierte an die Gipfelteilnehmer, die Afrika gegebenen Versprechen zu halten und den Menschen dort aus der Armut zu helfen.

Bis zum Abend wechselten sich die Stars mit «Botschaftern» aus acht Entwicklungsländern ab. Stellvertretend für andere arme Länder machten sie als «Poor 8» (P8, «Die Armen 8») auf die Not dort aufmerksam. (sda)

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