G.W. Bush am Tiefpunkt

Aktualisiert

G.W. Bush am Tiefpunkt

Die Stimmung im Weissen Haus soll miserabel sein. Der Präsident sei frustriert und wütend, auch wenn er unbeirrt an die Richtigkeit seiner Politik glaube, so ein politischer Freund von Bush laut der Zeitung «Daily News».

Die gefürchteten Zornesausbrüche von US-Präsident George W. Bush träfen nicht mehr nur engste Mitarbeiter, «die das zu nehmen wissen, sondern nunmehr auch einige der jungen Berater». Dies sind «die dunkelsten Tage der Bush-Präsidentschaft» kommentierte die «Washington Post» nüchtern.

Spitze des Eisbergs

Die Meldung über den 2000. toten US-Soldaten im Irak war nur die jüngste Hiobsbotschaft, die das Weisse Haus in diesen Wochen erreicht. Bush-Vertraute und führende Republikaner sind in Skandale und staatsanwaltliche Ermittlungen verwickelt.

Das konservative Lager zweifelt immer offener an Politik und Entscheidungen des Präsidenten. Bush befindet sich nach Meinungsumfragen auf einem Tiefpunkt seiner bisherigen, fünfjährigen Amtszeit.

Nach einem Jahr seiner zweiten Amtszeit glauben nur noch rund 40 Prozent der Amerikaner, dass «Bush seinen Job gut macht». Noch deutlicher sank die Zustimmung seiner Landsleute zum Irakkrieg.

Neues Ungemach

Diese Woche steht Bush neues Ungemach ins Haus. Bei den Ermittlungen über die Entlarvung der CIA-Agentin Valerie Plame drohen engsten politischen Weggefährten Anklagen.

Bushs Stabschef Karl Rove sowie der Stabschef des Vizepräsidenten Dick Cheney, Lewis Libby, werden verdächtigt, sich mit Indiskretionen strafbar gemacht zu haben.

Selbst Cheney ist nun ins Visier des Sonderermittlers Patrick Fitzgerald geraten. Dieser soll aufklären, wer die Ehefrau des Ex- Sonderbotschafters Jospeh Wilson verraten hatte. Der Verdacht lautet, dass Bush-Getreue sich an dem Irakkriegskritiker Wilson haben rächen wollen.

Für Bush ist diese Entwicklung besonders dramatisch, da zumindest Cheney und Rove zu seinem berüchtigten Küchenkabinett gehören, das der Ex-Stabschef im Aussenministerium, Lawrence Wilkersen, bitter als «Verschwörung» im Weissen Haus beschrieb.

Dieser enge, von Neokonservativen geprägte Kreis sei das Entscheidungsgremium für zentrale Fragen der US-Politik gewesen und passe eher «zu einer Diktatur denn einer Demokratie».

Sein damaliger Chef, der ehemalige Aussenministers Colin Powell habe eine «Serie desaströser Entscheidungen» in diesem Kreis nicht verhindern können, schrieb Wilkersen in einem Beitrag für die «Los Angeles Times».

Eigentore

Auch bei den Parteifreunden von Bush brennt es lichterloh: Der zurückgetretene Sprecher der Republikaner im Repräsentantenhaus, Tom DeLay, steht im schiefen Licht: Er soll Industriespenden mit illegalen Tricks in die Parteikasse geschleust zu haben.

Als ein politisches Eigentor des Präsidenten droht die Nominierung seiner Rechtsberaterin Harriet Miers für das Oberste Gericht zu werden. Sie erinnert die Amerikaner daran, dass der Präsident Posten vor allem an loyale Gefolgsleute vergibt.

Das war zuletzt bei der Katastrophe nach dem Hurrikan Katrina deutlich geworden. Denn der Chef der Katastrophenbehörde Fema, der Ex-Pferdesportmanager Michael Brown erwies sich als Fehlbesetzung und musste abgelöst werden.

(sda)

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