Trockenheit: «Gab noch nie so viele abgemagerte Igel»
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Trockenheit«Gab noch nie so viele abgemagerte Igel»

Trotz Herbstbeginn fehlt es den Igeln an Wasser. Tierschützer rufen deshalb dazu auf, Wasserbehälter in den Garten zu stellen.

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anp
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«Es gab noch nie so viele abgemagerte und geschwächte Igel wie dieses Jahr», sagt Bernhard Bader, Geschäftsleiter der Schutz-Vereinigung Pro Igel.

«Es gab noch nie so viele abgemagerte und geschwächte Igel wie dieses Jahr», sagt Bernhard Bader, Geschäftsleiter der Schutz-Vereinigung Pro Igel.

Keystone/Carlo Reguzzi
Der fehlende Regen im Sommer trocknete den Boden dermassen aus, dass es den Tieren an Nahrung fehlt. «Igel sind Insektenfresser. Larven und Kleintiere gibt es aber durch die Trockenheit bis 40 Zentimeter unterhalb der Bodenfläche keine.»

Der fehlende Regen im Sommer trocknete den Boden dermassen aus, dass es den Tieren an Nahrung fehlt. «Igel sind Insektenfresser. Larven und Kleintiere gibt es aber durch die Trockenheit bis 40 Zentimeter unterhalb der Bodenfläche keine.»

Keystone/Carlo Reguzzi
Der Insektenbestand werde sich dieses Jahr nicht mehr verbessern, sagt Bader. Manche Ortschaften in der Schweiz, wie das Fricktal, hätten bis heute keinen anhaltenden Regen abbekommen und die Insekten fehlen. Damit sei die Lage der Igel immer noch prekär.

Der Insektenbestand werde sich dieses Jahr nicht mehr verbessern, sagt Bader. Manche Ortschaften in der Schweiz, wie das Fricktal, hätten bis heute keinen anhaltenden Regen abbekommen und die Insekten fehlen. Damit sei die Lage der Igel immer noch prekär.

Keystone/Matthias Balk

Auch wenn Regen gefallen ist und das Feuerverbot vielerorts wieder aufgehoben wurde: Die Igel leiden weiterhin unter der starken Trockenheit. Die Wasserquellen für die Wildtiere werden immer weniger. «Es gab noch nie so viele abgemagerte und geschwächte Igel wie dieses Jahr», sagt Bernhard Bader, Geschäftsleiter der Schutz-Vereinigung Pro Igel.

Der fehlende Regen im Sommer hat den Boden dermassen ausgetrocknet, dass es den Tieren an Nahrung fehlt. «Igel sind Insektenfresser. Larven und Kleintiere gibt es aber durch die Trockenheit bis 40 Zentimeter unterhalb der Bodenfläche keine.»

Mit Füttern ist Vorsicht geboten

Der Insektenbestand wird sich laut Bader dieses Jahr nicht mehr verbessern. Manche Gegenden in der Schweiz wie das Fricktal hätten bis heute keinen anhaltenden Regen abbekommen und die Insekten fehlten. Damit sei die Lage der Igel immer noch prekär.

Eingerichtete Wasserstellen für Igel könnten Abhilfe schaffen: Der Experte empfiehlt, ein Schälchen mit Wasser und Katzentrockenfutter in den Garten zu stellen. Bader warnt aber davor, permanente Futterstellen mit Katzenfutter einzurichten. Es sei wichtig, gezielt zu füttern: «Igel sind Gewohnheitstiere und tauchen in der Regel immer zur gleichen Zeit auf.» Wenn der Igel gefressen habe, sollte der Napf wieder versorgt werden, so der Experte. «Durch den Futternapf werden sonst Füchse, Marder und Katzen angezogen und Krankheiten und Parasiten verbreitet. Das kann im schlimmsten Fall eine ganze Igelpopulation auslöschen.»

Rudolf Wyss, Tierschützer der Wildstation Landshut, rät gänzlich davon ab, den Igeln Futternäpfe bereitzustellen. «Menschen wissen nicht, wann sie damit aufhören sollen, und ein Igel gewöhnt sich schnell daran. Er wird nicht in den Winterschlaf gehen, solange er noch Nahrung in den Gärten findet.» Der Igel soll aber seine Futterquelle selbst suchen und kann das auch. Wichtig sei, dass ein Igel im Herbst 500 Gramm wiege, damit könne er den Winterschlaf überleben. Gegen Wasserquellen in den Gärten von Haushalten hat Wyss nichts: «Von Wasser in den Gärten werden Igel nicht abhängig. Die Situation hat sich aber durch den Tau am Morgen schon beruhigt.»

Auch andere Wildtiere betroffen

Andrea Turnell von der Eichhörnchenstation Buttwil betreut rund 20 Wildtiere, die alle aufgrund des Hitzesommers im August als Jungtiere abgegeben wurden. «Neben Wasserknappheit ist zu wenig Nahrung für die Eichhörnchen verheerend», sagt Turnell. «Tannenzapfen und Bucheckern sind die Hauptnahrungsquelle für Eichhörnchen. Weil sie so dürr waren dieses Jahr, fielen die meisten herunter.»

Für den Winter seien alle Wildtiere, die im Wald leben, schlecht gerüstet. Die Trockenheit des Sommers habe zu wenig Nahrung produziert. «Igeln, die in Gärten leben, kann besser geholfen werden als Eichhörnchen in den Wäldern», sagt Turnell. Eine Möglichkeit sei vielleicht, Nüsse in den Wald zu bringen. Vielmehr könne nicht gemacht werden.

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