Aktualisiert 02.10.2012 07:30

Diplomaten-Gerüchte

Gab Sarkozy den Befehl, Gaddafi zu erschiessen?

In Diplomatenkreisen wird gemunkelt: Ein französischer Nachrichtendienstler soll mit Hilfe des syrischen Geheimdienstes den libyschen Despoten Gaddafi getötet haben – auf Befehl des damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy.

von
gux/kle

Ein französischer Agent soll im Auftrag des damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi getötet haben. Dies berichteten «gut unterrichtete Quellen in Libyen», wie der «Corriere della Sera» schreibt. Aussagen des libyschen Interims-Premiers Mahmoud Jibril gegenüber dem ägyptischen Staatsfernsehen weisen in eine ähnliche Richtung.

Demzufolge hatte sich der Agent während des Aufstandes gegen Gaddafi unter die Rebellen gemischt. Als der Tyrann auf seiner Flucht im Dezember von der Nato beschossen worden war und sich in einem Abwasserroh versteckte, fiel er den Rebellen in die Hände. Diese malträtierten und misshandelten den «König der Könige von Afrika» – bis der französische Agent Gaddafi aus dem Hinterhalt eine Kugel in den Kopf jagte.

Assad lieferte Gaddafi ans Messer

Wie die britische Zeitung «The Telegraph» schreibt, sollen die Franzosen allerdings Hilfe vom syrischen Geheimdienst bekommen haben. Offenbar hat Präsident Baschar al-Assad seinen alten Freund ans Messer geliefert. Wie die islamistischen Brigaden nun erfahren, sollen ausschliesslich die Syrier den genauen Aufenthaltsort des libyschen Diktators gekannt haben. Diese gaben wenige Tage vor Gaddafis Tod die Nummer seines Satellitentelefons an dem französischen Geheimdienst weiter.

Ein namentlich nicht genannter Diplomat aus Tripolis unterstreicht gemäss «Corriere»: «Sarkozy hatte jeden Grund, Gaddafi so schnell wie möglich zum Schweigen zu bringen.» Gaddafi sollte nicht über seine engen Verbindungen zum Elysée-Palast reden. Tatsächlich unterhielt der libysche Wüstenfuchs engste Beziehungen zu Nicolas Sarkozy. Dies zeigte sich etwa darin, dass Sarkozy Gaddafi 2007 einen Staatsempfang erster Güte bereitete und ihn als «Bruderführer» willkommen hiess – «aus Respekt vor der Wüstentradition» stellte er ihm anlässlich eines Staatsbesuches 2007 ein Beduinenzelt in den Garten des Elysee-Palastes.

Der Grund für die übertrieben wirkende Gastfreundschaft, so mutmassten Medien später, dürfte darin gelegen haben, dass Gaddafi Sarkozy 2007 im Wahlkampf unter die Arme griff: 50 Millionen Euro soll dieser dem ehrgeizigen Franzosen zur Finanzierung seines Wahlkampfes gegeben haben. Sarkozy wies diese Anschuldigungen immer entrüstet von sich. Bis heute liegen dafür keine Beweise vor. Ähnlich verhält es sich mit Gaddafis Todesursache. Ob in dem Chaos, das seinem unmittelbaren Tod voranging, tatsächlich ein ausländischer Agent mitmischte, dürfte nie restlos geklärt werden.

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