So tickt er jetzt - Gabirano, wieso verteilst du an einer Corona-Demo Fruchtsaft?
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So tickt er jetztGabirano, wieso verteilst du an einer Corona-Demo Fruchtsaft?

Gabirano hat sein Dasein als Comedian erstmal an den Nagel gehängt. Sein neuer Fokus: Verschwörungstheorien und Frutarismus. Wir haben nachgehakt, was da genau los ist.

von
Stephanie Vinzens
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Statt Witze verteilt Comedian Gabirano jetzt Fruchtsaft – und zwar an Corona-Demos. 

Statt Witze verteilt Comedian Gabirano jetzt Fruchtsaft – und zwar an Corona-Demos.

Instagram/gabirano
Dieses Wochenende lief er, ausgestattet mit einem Trolley und einem Kanister voll frisch gepresstem Wassermelonensaft, mit dem Demonstrationszug in Aarau mit.

Dieses Wochenende lief er, ausgestattet mit einem Trolley und einem Kanister voll frisch gepresstem Wassermelonensaft, mit dem Demonstrationszug in Aarau mit.

Instagram/gabirano
Vor der unbewilligten Demo kaufte der Berner, der seit drei Monaten Frutarier ist, natürlich erstmal Früchte ein.

Vor der unbewilligten Demo kaufte der Berner, der seit drei Monaten Frutarier ist, natürlich erstmal Früchte ein.

Instagram/gabirano

Darum gehts

  • Am Wochenende hat Comedian Gabirano (22) an einer Demo in Aarau gegen Corona-Massnahmen Wassermelonensaft verteilt.

  • Seit er sich im April von seinem Management getrennt hat, macht er auf Instagram immer mehr mit spirituellen Botschaften und Verschwörungstheorien von sich reden.

  • Wir haben bei ihm nachgehakt und wollten wissen: Was ist da eigentlich los?

  • Verschwörungstheorie-Experte Marko Ković schätzt Gabiranos Aussagen auf Social Media indes als gefährlich und «im schlimmsten Fall gar lebensbedrohlich» ein.

Gabirano, was hat dich dazu bewegt, an der Corona-Demo in Aarau Wassermelonensaft zu verteilen?
An Demos sind ja immer alle sauer und ich weiss nach meinen drei Monaten als Frutarier, dass Früchte beruhigend wirken.

Wie haben die Leute an der Demo auf deine Aktion reagiert?

Alle haben es geliebt – bis auf eine bestimmte 30-köpfige Gruppe.
Gegendemonstranten?
Genau. Sie haben meine Message nicht verstanden und mit Hass reagiert. Ich wurde als Nazi beschimpft und als ich ihnen zur Beruhigung Äpfel gab, warfen sie diese auf den Boden und zerstampften sie.

Was sagst du denn zu ihrem Vorwurf, du würdest mit Rechtsextremen sympathisieren?

Ich habe an der Demo keine Neo-Nazis gesehen. Die einzigen Nazis sind in meinen Augen jene, die mich beschimpft haben. Auf diese Menschen trifft die Definition doch eher zu, als auf die Menschen, die sich freundlich bei mir bedankt haben?

Nur weil eine Person Danke sagen kann, heisst es aber nicht, dass sie kein Neo-Nazi ist.

Bezeichnungen wie Antisemitismus oder Rechtsextremismus sind für mich nichts mehr als Triggerwörter, um Menschen hässig zu machen. Ich sehe Seelen, die sich verloren haben und zu gegebener Zeit noch den richtigen Weg finden werden. Man kann sein Leben immer ändern.

Aber jetzt mal Klartext: Macht dich deine Sympathie für Rechtsradikale nicht zum Antisemiten, wie manche es dir in den Kommentaren auf Instagram vorwerfen?

Wenn man zu viele Mainstream-Medien konsumiert und linken Ideologien folgt, denkt man schnell mal, dass alle Freidenkenden Rechtsextremisten und Antisemiten sind.

Wie stehst du denn nun zu Corona. Glaubst du an das Virus?

Es ist doch simpel. Wenn du den Tod in dich hinein fütterst – in Form von verarbeitetem Essen und toten Tieren, die gelitten haben, dann muss es dich nicht wundern, wenn du wie ein Zombie drauf bist und krank wirst. Würden wir hingegen nur noch rohe Früchte und Gemüse konsumieren und so Natur und Leben in unseren Körper lassen, hätten wir diese Probleme nicht.

Also auch kein Corona mehr?

Corona ist doch auch so ein Triggerwort. Nennt es wie ihr wollt – schlussendlich ist es eine Krankheit. Meiner Meinung nach stammen alle Krankheiten von einer Übersäuerung des Körpers und das passiert eben, wenn wir uns schlecht ernähren.

Was würdest du einer Person sagen, die tatsächlich jemanden durch Corona verloren hat?

Ich sage ja nicht, dass die Leute nicht krank werden. Das sehe ich mit eigenen Augen. Aber es liegt nicht an Corona, sondern daran, dass ihre Körper übersäuert sind.

Woher hast du diese Info?

Von Dr. Sebi, Robert Morse, Aris Latham – und vielen weiteren Rohkost-Veganern.

Nach der Infobox geht es weiter mit dem Interview.

Das sagt der Experte

Marko Ković ist Sozialwissenschaftler und Experte auf dem Gebiet der Verschwörungstheorien. Wir haben ihn um eine Einschätzung von Gabiranos Aussagen gebeten.

Der Frutarismus als Heilbringer
«Ich bin selber vegan und finde nicht unsympathisch, was er macht – aber zu behaupten, dass man sich durch Ernährung vor Covid-19 schützen kann, ist wahnwitzig und im schlimmsten Fall gar lebensbedrohlich», warnt Ković. Für Gabiranos Auffassung gebe es «wissenschaftlich absolut keine Belege». Der Experte betont: «Die Eindrücke, die wir von unserem Körper haben, sind wichtig. Sie ersetzen aber keine wissenschaftlich erhobenen Daten.»

Die positiven Reaktionen auf Instagram
Viele Leute im Netz reagieren positiv auf Gabiranos spirituelle Botschaften und Verschwörungstheorien. Dafür hat Ković eine Erklärung: «Er ist ein Influencer, ein junger Mann, der gesund aussieht und Humor hat. Wenn Menschen positive Eigenschaften haben, tendieren wir dazu, sie generell in einem guten Licht zu sehen.» In der Kognitionspsychologie nenne man das den Halo-Effekt. Deshalb funktioniert laut dem Experten auch Werbung mit Promis und Influencern so gut.

Die Gefahr der Verschwörungen
Gabiranos Aussagen schätzt Ković als gefährlich ein. «Klar werden jetzt nicht alle 132’000 Personen, die Gabirano auf Instagram folgen, plötzlich Covid leugnen – aber es wird Verunsicherung gesät.» Besonders im digitalen Zeitalter sei dies heikel: «Fehlinformationen verbreiten sich schnell und schwappen dann in den Alltag über. Wer mal anfängt zu googeln, landet zudem wahnsinnig schnell an immer extremeren Orten.»

Die Antisemitismus-Frage
Dass Gabirano sich auf Social Media nicht klar von rechtsradikalen Kreisen distanziert, sieht Ković kritisch: «Es scheint ihm egal zu sein, ob er sich in einem Dunstkreis von Rechtsextremisten oder Antisemiten befindet. Das zeugt von einem Desinteresse, das nicht angebracht ist. Es geht schliesslich um sehr hasserfüllte Ideologien.»

Glaubst du an die Wissenschaft?

Ja, denn Wissenschaft heisst ja, eine These aufzustellen und diese dann selber zu überprüfen. Das ist ja das, was ich mache.

Naja, es ist schon etwas komplexer.

Und genau das macht mich misstrauisch. Wieso muss es so kompliziert sein? Ich traue lieber meiner eigenen Erfahrung, statt mich auf fremde Quellen zu verlassen und mich in diesen Informationen zu verlieren. Ich bin seit drei Monaten Frutarier – und mir geht es so gut, wie noch nie.

Du machst immer weniger Comedy und widmest dich auf Instagram vermehrt spirituellen Botschaften oder Verschwörungstheorien. Wieso?

Mit 18 habe ich realisiert, dass niemand etwas aus meinen Videos lernt. Dass ich gar keine Message habe. Und ich wusste auch wieso: Weil ich meine eigene Meinung nicht äussern durfte.

Du hast aber immer sehr offen gewirkt.

Zu Beginn war ich auch noch authentisch und konnte über alles Mögliche reden. Als ich aber mit 17 anfing, Geld durch meine Videos zu verdienen, änderte sich das schnell. Ich habe zwar mehr verdient als der Rest meiner Familie, aber es hat mich überhaupt nicht glücklich gemacht. Ich wurde seelisch und moralisch ausgeraubt. Ich habe meine Identität verloren und nur noch leere Witze gemacht.

Vor nicht allzu langer Zeit hast du noch Werbung für Fanta und McDonald’s gemacht.

Mir war schon von Anfang an unwohl bei diesen Werbedeals – aber ich habe mich nie getraut, was zu sagen. Ich hatte Angst um meinen Job und meine Existenz. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und während Corona wusste ich: Jetzt ist die Zeit gekommen, du kannst ohnehin nicht auftreten.

So kam es zum Bruch mit deinem Management?

Ja, sie konnten nicht hinter meiner Message stehen und das habe ich auch verstanden. Gleichzeitig habe ich aber realisiert, dass meine Gedanken frei sein müssen. Ich habe es nicht mehr ausgehalten, ständig aufpassen zu müssen, was ich sage.

Man hat dir einst eine glänzende Karriere als Comedian vorausgesagt. Was wird jetzt daraus?

Ich kann schon noch lustig sein, das gehört zu meiner Persönlichkeit! Aber der Zweck von Comedy ist es doch, in Humor verpackt, eine Message rüberzubringen. Doch was, wenn man keine hat? Dann ist es einfach nur Blabla. Dann bist du zwei Stunden in meiner Show gesessen und hast nichts gelernt. Das ist nicht meine Bestimmung auf dieser Erde.

Was hast du stattdessen vor?

Der Plan ist, keinen Plan zu haben. Wie ganz am Anfang meiner Karriere. Damals hat es auch funktioniert. Wenn man in Gott vertraut, bringt er dir vielleicht nicht was du willst, aber ganz sicher das, was du brauchst.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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