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EnergiewendeGabriel pariert Greenpeace-Störaktion

Greenpeace störte eine Rede des Deutschen Vizekanzlers Sigmar Gabriel. Er konterte mit einer spontanen Rede und rechnete mit dem «blauäugigen Ökopopulismus» ab.

von
fbs

Sigmar Gabriel betrat die Bühne, um vor dem Kongress der Deutschen Energieagentur (Dena) eine Rede über Energieeffizienz zu halten. Doch Greenpeace-Aktivisten stiegen links und rechts des Bundesministers für Wirtschaft und Energie auf die Bühne, wie Die Welt berichtete, und rollten Transparente aus mit der Aufschrift «Herr Gabriel: Klimaschutz braucht Kohleausstieg!»

Während sich der Dena-Geschäftsführer Stephan Kohler beeilte, Sicherheitskräfte aufzubieten, welche die Demonstranten aus dem Saal werfen sollten, schien der herausgeforderte Gabriel Lust zu bekommen, auf die Provokation zu reagieren. Er hielt eine spontane halbstündige Rede, in der er sich direkt an Greenpeace richtete und die Forderung nach einem plötzlichen Ausstieg aus der Kohlenenergie nach Strich und Faden zerpflückte.

Kohleausstieg nicht zu verantworten

Deutschland habe mit dem Fahrplan zum Automausstieg bereits einen mutigen Entschluss gefasst, sagte Gabriel. «Man kann nicht gleichzeitig aus Atom und Kohle aussteigen – jedenfalls nicht, wenn man wirtschaftlich irgendwie überleben will.» Mit der von Greenpeace vorgeschlagenen Energiepolitik würde nicht nur die Grundstoffindustrie, sondern ganze Wertschöpfungsketten aus dem Land vertrieben, sagte der Energieminister.

Die anwesenden Greenpeace-Leute kamen gehörig ihr Fett weg: «Dass Sie sich hier ein ruhiges ökologisches Gewissen machen und es anderen überlassen, für die Sicherheit von 50'000 Arbeitsplätzen in der Kohlewirtschaft zu sorgen, das ist eine Arbeitsteilung, die ich vorsichtig gesagt antiquiert nennen würde», erklärte Gabriel und erntete dafür spontanen Applaus aus dem Saal.

Auch aus Gründen der Versorgungssicherheit wäre ein Ausstieg aus der Kohle unverantwortlich, argumentierte der Minister weiter. Gabriels spontane und launige Rede geriet zur umfassenden Abrechnung mit dem «blauäugigem Ökopopulismus» und den «Illusionen der Energiewende-Propaganda», welche Greenpeace seiner Ansicht nach schürt.

«Aufhören, die Dinge zu simplifizieren»

Zwischenrufe der Aktivisten fegte Gabriel mit launigem Humor weg: «Das Problem ist doch: Ich habe das Mikro», zitiert ihn «Die Welt». «Ich weiss, das ist blöd. Aber die Gelegenheit, hier mal Ihre Argumente zu widerlegen, lass ich mir nicht entgehen.»

Gegen Ende von Gabriels Rede riefen die Aktivisten nur noch «Aufhören!». Doch der Minister war nicht zu stoppen. «Aufhören, die Dinge zu simplifizieren, weil nachher ständig nur die Illusionen der Menschen enttäuscht werden», verlangte er seinerseits von Greenpeace.

Auch er wolle die Klimaschutzziele erreichen, sagte Gabriel. Dies hätte aber in einer Weise zu geschehen, welche möglichst die Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Stabilität des Landes nicht gefährde.

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