Aktualisiert 26.02.2010 20:58

Dschihad in der Schweiz«Gaddafi braucht mehr Schlaf»

Gehorchen die Schweizer Muslime Gaddafis Dschihad-Aufruf und rüsten zum Krieg gegen die ungläubigen Schweizer? 20 Minuten Online hat in einem Kebabrestaurant, einer Moschee und einer Halal-Metzgerei nachgefragt.

Müssen sich die Schweizer bald auf kleinere und grössere Angriffe einstellen? Werden die Muslime hierzulande dem Dschihad-Aufruf folgen? Oder was bedeutet die Aufforderung konkret? Exemplarisch waren wir mit Kamera und Mikro in Zürich unterwegs, um diesen Fragen nachzugehen.

Erste Station: Der Kebabstand

Zülfikar Ilhan und Mohammed Ali Topkaya, Geschäftsführer eines Kebab-Restaurants in der Zürcher Kalkbreite, sitzen an einem Tisch. Es ist 11 Uhr, die ruhige Phase vor dem Mittagsandrang. Zu Gaddafis Kriegsaufruf sagt Topkaya: «Kompletter Irrsinn.» Ilhan pflichtet bei.

Beide stammen aus der Türkei. Jeder solle seine Religion leben wie er es wolle. Dann fragt sich Topkaya, ob türkische Immigranten hierzulande wirklich noch religiös seien. «Frag lieber mal bei den Libanesen, den Iranern, den Pakistanis und so weiter nach», meint er.

Zweite Station: Die Moschee

Fehlanzeige auch dort. Vor der unauffälligen Moschee der Swiss Muslim Society an der Weinbergstrasse unterhalten sich Pakistani in kleinen Gruppen. Sie kommen vom Mittagsgebet und gehen gleich wieder zur Arbeit. Als der Reporter seine Mission erklärt und den Namen «Gaddafi» ausspricht, brechen die Männer in Gelächter aus. Einer erklärt in gebrochenem Deutsch und Zeichensprache, dass Gaddafi ein alter Mann sei und besser aufpasse, dass er genügend schlafe, anstatt Theater zu veranstalten.

Um Gadaffis Autorität scheint es unter den Mitgliedern der Swiss Muslim Siociety schlecht zu stehen. Einige haben gar nicht mitgekriegt, dass jetzt Jihad gegen die Schweiz herrscht. Mohammed Irfan Dar hat den Aufruf mitbekommen. Aber auch er lächelt nur mitleidig und tippt sich an den Kopf, als er vom lybischen Führer redet. «Gaddafi ist krank», sagt Dar, man höre ihm besser gar nicht zu.

«Ich finde, wir Muslime haben es gut in der Schweiz», sagt er und fügt an: «Nur das mit dem Minarettverbot war nicht so toll.» Shabbir Mohammed meint: «Ich weiss nicht, was Gaddafi damit erreichen will, wir haben einen guten Zusammenhalt mit den Schweizern.»

Dritte Station: Der Hilal-Metzger

Der Reporter beschliesst, in einer muslimischen Metzgerei an der Schaffhauserstrasse vorbeizuschauen. Vielleicht wird dort für den heiligen Krieg aufgerüstet. Doch der Ladeninhaber stapelt nur Keksrollen in die Regale, während er sich relativ desinteressiert das Anliegen des Reporters anhört. Auch er hat offensichtlich von Gadaffis Aufforderung nichts mitgekriegt.

«Ich weiss nicht, was für eine Scheisse jemand wieder gesagt hat», meint der Metzger, er jedenfalls komme sicher nicht in die Schweiz, um einen Laden zu eröffnen und dann noch Jihad zu führen. Wenn es ihm hier nicht passe, gehe er halt wieder zurück in den Irak. Zum Schluss lamentiert er noch: «Immer Probleme mit grossen Männern.»

Islam-Dachverbände verärgert über Gaddafi

Besonders ernst nehmen auch die offiziellen Islam-Verbände Gaddafis Kriegsgeschrei nicht. Sie zeigen sich vielmehr verärgert. Hisham Maizar, Präsident des gemässigten Föderation Islamischer Dachverbände in der Schweiz, sagt gegenüber 20 Minuten Online: Gaddafi suche die Provokation und die Sensation. «Aber wer Gaddafi kennt, weiss, dass er zu allem fähig ist. Er versucht, die Gesellschaft ins tiefe Mittelalter zurückzuführen», sagt Maizar.

Qaasim Illi, Sprecher des orthdoxen Islamischen Zentralrates Schweiz, sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Man muss Gadaffis Jihad-Aufruf als Boykottaufruf, nicht als Gewaltandrohung verstehen – auch wenn seine Rede auf Youtube sehr kriegerisch tönt.» Schlimm sei jedoch, dass Gaddafi mit seiner Aufforderung alle Muslime exkommuniziere, die in der Schweiz leben würden. «Gaddafi verärgert mit seinem Aufruf mehr Muslime, als dass er Anhänger sammelt», sagt Qaasim Illi. Im Übrigen sei Gaddafi für Muslime keine Autorität.

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