Schüsse aus der Botschaft: Gaddafi entschuldigt sich für Tod von Polizistin
Aktualisiert

Schüsse aus der BotschaftGaddafi entschuldigt sich für Tod von Polizistin

Muammar al-Gaddafi hat sein Bedauern über den Tod einer Polizistin ausgedrückt, die 1984 aus der libyschen Botschaft in London erschossen wurde. Man wisse jedoch nicht, wer es getan habe, sagte Gaddafi – obwohl die britische Polizei zwei Verdächtige identifiziert hat.

von
pbl

Die 25-jährige Yvonne Fletcher wurde am 17. April 1984 in den Rücken getroffen, als aus der libyschen Botschaft das Feuer auf friedliche Demonstranten eröffnet worden war. Die junge Polizistin starb an den Folgen der Verletzungen. Wer die Schüsse abgefeuert hatte, wurde nie aufgeklärt. Nach der umstrittenen Freilassung des mutmasslichen Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al-Megrahi geriet der Fall wieder in den Fokus der Öffentlichkeit.

Nun hat sich der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi im Interview mit dem britischen Sender Sky News erstmals für den Tod von Yvonne Fletcher entschuldigt, die «keine Feindin von uns» gewesen sei. «Wir bedauern ihren Tod sehr, sie hat unsere Sympathie, denn sie hat nur ihre Pflicht erfüllt und die libysche Botschaft bewacht», sagte Gaddafi. Er betonte aber auch, das Problem sei, man wisse nicht, wer es getan habe.

Diese Aussage steht im Widerspruch zu einem Bericht der britischen Polizei, die 2007 zwei Libyer als Verdächtige ermittelt hat (20 Minuten Online berichtete). Bei einem von ihnen soll es sich um Matouk Mohammed Matouk handeln, der bis vor kurzem stellvertretender Premierminister war. Queenie Fletcher, die Mutter der getöteten Polizistin, zeigte sich gegenüber dem «Daily Telegraph» frustriert darüber, dass die Polizei genügend Beweise gegen die beiden Männer gesammelt hat, «und trotzdem ist nichts geschehen».

Briten sollen Attentat aufklären

In Grossbritannien ist die Hoffnung klein, dass die Todesschützen trotz Gaddafis Entschuldigung jemals zur Rechenschaft gezogen werden. Zumal die Libyer als Bedingung für eine Zusammenarbeit gefordert haben, dass Grossbritannien zur Aufklärung eines angeblichen Attentats auf Muammar al-Gaddafi beiträgt, dass vom Geheimdienst MI6 finanziert worden sein soll. «Die beiden Fälle sind miteinander verknüpft», sagte der libysche Minister Mohammed Siala laut der «Times» im September.

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