Staatsbesuch beendet: Gaddafi hat sein Zelt abgebrochen
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Staatsbesuch beendetGaddafi hat sein Zelt abgebrochen

Der libysche Revolutionsführer Muammar el Gaddafi hat seinen Staatsbesuch in Italien beendet, der als Beginn einer neuen Ära in den Beziehungen seines nordafrikanischen Landes mit seiner früheren Kolonialmacht gilt.

Zum Abschluss empfing er am Samstag einige der 20 000 Italiener, die er 1970 als Strafe für die von 1911 bis 1941 dauernde Kolonialherrschaft ausgewiesen hatte.

Zu dem Treffen waren auch Vertreter der 6000 Juden eingeladen, die Libyen als Reaktion auf den Sechstagekrieg 1967 des Landes verwies. Diese blieben aber unter Protest fern: Gaddafi habe den Empfang auf den Sabbat gelegt, was es einem gläubigen Juden unmöglich gemacht habe zu kommen, sagten Führer der jüdischen Gemeinde.

Italiener in Libyen willkommen

Den ausgewiesenen Italienern sagte Gaddafi, sie seien in Libyen wieder willkommen. Sie könnten dort auch wieder Geschäfte treiben und sich zur Arbeit niederlassen. Einige der meist in Libyen geborenen Italiener sagten nach dem Treffen, Gaddafi habe sich als ihr Retter präsentiert: die libysche Führung habe sie im Lagern internieren wollen, wie sie das faschistische Italien nach der Niederschlagung eines Aufstands vor dem Zweiten Weltkrieg errichtet hatte. Tausende wurden damals deportiert und getötet.

«Das ist unmöglich zu überprüfen», sagte Gianfranco Prado, ein 58-jähriger Römer, der in Libyen aufgewachsen war. «Man muss aber zugeben, dass der Mann Charisma hat.» Ein 66-jähriger Geschäftsmann, Letterio Alabiso, sagte, Gaddafi habe die Italiener «wie alte Freunde» begrüsst.

Vor seinem Rückflug nach Tripolis erörterte Gaddafi mit dem Vorstandsvorsitzenden des italienischen Energieriesen Eni, Paolo Scaroni, gemeinsame Projekte wie den libyschen Erdgasexport nach Europa, meldete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Eni hat in grossem Umfang in dem öl- und gasreichen Libyen investiert. (dapd)

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