Lockerbie-Attentäter frei: Gaddafi unterdrückt Jubel für Terroristen

Aktualisiert

Lockerbie-Attentäter freiGaddafi unterdrückt Jubel für Terroristen

Nach internationaler Kritik an dem begeisterten Empfang für den begnadigten Lockerbie-Attentäter Abdel Basset al Megrahi in Libyen scheint die dortige Regierung um Schadensbegrenzung bemüht. Grossbritannien und die USA drohten Libyen derweil mit Konsequenzen, sollte der ehemalige Geheimagent zum Helden stilisiert werden.

von
Tarek El-Tablawy

Al Megrahi wurde am Donnerstag vom schottischen Justizminister Kenny MacAskill aus humanitären Gründen begnadigt, da er an Prostata-Krebs im Endstadium leidet. Bei seiner Rückkehr nach Tripolis wurde er am späten Abend von tausenden Menschen wie ein Held begrüsst. Gleichwohl gab es Anzeichen, dass die Pläne für seinen Empfang in letzter Minute geändert wurden. In London wurde später bekannt, dass Premierminister Gordon Brown den libyschen Staatschef Muammar al Gaddafi zu einem vorsichtigen Verhalten aufgefordert habe.

Anfangs wurden noch unzählige junge Männer in Bussen zu dem Militärflughafen gefahren, auf dem Al Megrahi landete. Doch später wurden die meisten zum Verlassen des Geländes aufgefordert - ebenso wie internationale Medien. Auch die nationalistischen Gesänge der Versammelten wurden gestoppt. Der einzige Fernsehsender, der live berichten durfte, zeigte nur kurze Ausschnitte von der Landung, was die Behörden offiziell mit technischen Problemen begründeten.

Keine Kundgebung zum Jahrestag der Revolution

Der Sender gehört Saif al Islam Gaddafi, dem Sohn des Staatschefs. Er hatte Al Megrahi auf seinem Rückflug begleitet und verliess gemeinsam mit ihm das Flugzeug. Die beiden hätten anschliessend zum zentralen Grünen Platz in Tripolis fahren sollen, wo sich tausende Menschen zum 40. Jahrestag der libyschen Revolution versammelt hatten. Der geplante Auftritt fand jedoch nicht statt, und in den Reden wurde die Freilassung Al Megrahis nicht erwähnt.

Ein ehemaliger westlicher Diplomat in Tripolis nannte es bemerkenswert, wie stark die libysche Regierung bemüht zu sein schien, den Fall herunterzuspielen. Offensichtlich wolle sie den Westen nicht verärgern. Gaddafi hat stets die Unschuld Al Megrahis propagiert. Andererseits übernahm er die Verantwortung für den Lockerbie-Anschlag und sagte den Angehörigen der Opfer Entschädigung zu.

«Zutiefst schmerzlich und zutiefst erschütternd»

Der Sprecher des Weissen Hauses, Robert Gibbs, die Bilder von Al Megrahis Empfang seien eine Beleidigung für die Hinterbliebenen der Lockerbie-Opfer. Präsident Barack Obama bezeichnete die Begnadigung als Fehler und forderte Libyen auf, den Heimgekehrten unter Hausarrest zu stellen.

Der britische Aussenminister David Miliband sagte der BBC, das Verhalten Libyens in den kommenden Tagen werde für die Wiederaufnahme des Landes in die «Gemeinschaft zivilisierter Staaten» ausschlaggebend sein. Die Szenen bei der Ankunft Al Megrahis in Tripolis seien «zutiefst schmerzlich und zutiefst erschütternd - für die 270 Opfer-Familien ... sowie für jeden, der auch nur ein kleines Stück Menschlichkeit in sich hat».

Al Megrahi wurde 1999 von Libyen an die Niederlande überstellt, wo der Lockerbie-Prozess nach schottischen Recht stattfand. Er wurde 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt. Bei der Bombenexplosion an Bord einer Pan-Am-Maschine über der schottischen Ortschaft Lockerbie kamen im Dezember 1988 insgesamt 270 Menschen ums Leben, überwiegend US-Bürger.

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