Aktualisiert

Gaddafi verteidigt Todesurteile gegen Bulgarinnen

Libyens Machthaber Muammar Gaddafi hat die Todesurteile gegen sechs Ausländer in einem umstrittenen Aids- Prozess verteidigt und zur Aufklärung der Hintergründe des Falls aufgerufen.

«Wenn sie ein Verbrechen begangen haben und zum Tode verurteilt wurden, ist das die Entscheidung des Gerichts», sagte Gaddafi am Freitag vor Regierungsvertretern, Religionsführern und Journalisten in Tripolis. «Die wesentliche Frage ist, warum die Gruppe den Kindern Aids injiziert hat.»

«Wer gab den Befehl - war es ein libyscher oder ein amerikanischer Geheimdienst, ein israelischer oder ein bulgarischer Geheimdienst?» fügte Gaddafi hinzu. «Das ist es, was wir herausfinden müssen.»

Mit Blick auf die westliche Kritik an dem Todesurteil zog Gaddafi einen Vergleich zum Fall eines Libyers, der 2001 wegen des Attentats auf ein Flugzeug über Schottland zu lebenslanger Haft verurteilt worden war: Damals habe niemand eine Freilassung gefordert.

Ein Gericht hatte Mitte Dezember das Todesurteil gegen fünf bulgarische Krankenschwestern und einen palästinensischen Arzt bestätigt. Ihnen wird vorgeworfen, mehr als 400 libysche Kinder wissentlich mit dem Aids-Virus HIV infiziert zu haben.

Die Verurteilten weisen die Vorwürfe zurück. Verteidigung und Menschenrechtsorganisationen haben wiederholt auf mangelhafte hygienische Zustände in der Klinik hingewiesen, die von Experten für die Ausbreitung der Krankheit verantwortlich gemacht werden.

(sda)

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