Revolution in Libyen : Gaddafi will einen Guerilla-Krieg entfachen
Aktualisiert

Revolution in Libyen Gaddafi will einen Guerilla-Krieg entfachen

Während der Übergangsrat beim Wiederaufbau Libyens auf bislang eingefrorenes Geld in Milliardenhöhe bauen kann, meldet sich Gaddafi zu Wort: Der untergetauchte Diktator will nicht aufgeben.

Der untergetauchte libysche Diktator Muammar al-Gaddafi hat sich Fernsehberichten zufolge am Donnerstagabend erneut zu Wort gemeldet. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira in der Nacht berichtete, strahlte der syrische Sender Al Rai TV eine zweite Audiobotschaft binnen weniger Stunden aus.

Darin habe sich der Despot erneut kämpferisch gezeigt. «Wir werden in jedem Tal, in jeder Strasse, in jeder Oase und jeder Stadt kämpfen», habe Gaddafi mit Blick auf die Stämme in seiner Geburtsstadt Sirte und der Wüstenstadt Bani Walid gesagt.

«Die imperialistischen Mächte» wollten das libysche Volk unterjochen und sich seiner Bodenschätze bemächtigen. «Wir sterben lieber, als uns unter westliche Kontrolle zwingen zu lassen», zitierte Al-Dschasira Gaddafi.

Wenige Stunden zuvor hatte der 69-Jährige seine Anhänger ein einer ersten Audiobotschaft aus seinem Versteck bereits aufgerufen, das «Land zu befreien». «Geht, greift zu den Waffen und kämpft», rief Gaddafi, der vor genau 42 Jahren die Macht in Libyen ergriffen hatte.

(Quelle: YouTube/AP)

Konferenz über Libyen-Milliarden

Gestern wurde in Paris über im Ausland eingefrorene libysche Gelder diskutiert. Ein Teil der Gelder dürfte dem Übergangsrat zufliessen. Bei der Libyen-Konferenz am Donnerstag kündigte der französische Präsident Nicolas Sarkozy an, dass 15 Milliarden Dollar freigegeben würden, die bislang im Rahmen von Sanktionen gesperrt waren.

Darunter befinden sich Guthaben in Höhe von einer Milliarde Euro allein in Deutschland und eineinhalb Milliarden Euro aus Frankreich. Insgesamt drei Milliarden Dollar entfallen auf die USA und Grossbritannien. Insgesamt sollen knapp 120 Milliarden Euro (rund 136 Milliarden Franken) libyscher Gelder im Ausland geparkt sein.

«Welt hat auf Libyen gesetzt»

Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdel Dschalil, versprach den Vertretern von etwa 60 Staaten und Organisationen, dass sie nicht enttäuscht würden. «Die Welt hat auf die Libyer gesetzt. Und die Libyer haben ihren Mut gezeigt und ihren Traum verwirklicht», sagte Dschalil.

Er und Übergangsregierungschef Mahmud Dschibril erläuterten Pläne, Libyen innerhalb von 18 Monaten eine Verfassung zu geben und Wahlen durchzuführen. Die Mitglieder des Übergangsrates wollen sich vier Jahre lang nicht um ein politisches Amt bewerben, wie ein Sprecher des Gremiums sagte.

Kein zweiter Irak

Der Westen will schnelle Hilfe für Libyen organisieren, um eine Wiederholung der im Irak gemachten Fehler zu vermeiden. Dort hatten die Westmächte kein schlüssiges Wiederaufbau-Konzept. Die Folge war eine Welle der Gewalt. «Wir müssen dem Nationalen Übergangsrat helfen, weil das Land verwüstet ist», sagte der französische Aussenminister Alain Juppé vor dem Treffen.

Viele Länder der internationalen Gemeinschaft haben den Übergangsrat der Rebellen bereits als legitimen Vertreter des libyschen Volkes akzeptiert. Auch die Schweiz anerkennt das Gremium als Ansprechpartner. Zwar unterstützen auch 18 der 54 Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union den Übergangsrat. Allerdings hat der Staatenbund als Ganzes die Aufständischen bisher noch nicht anerkannt.

Weichen gestellt

In den nächsten Tagen werden in Frankreich voraussichtlich auch die Weichen für die umfangreichen Investitionen gestellt, die in Libyen nötig sind. Die französische Zeitung «Libération» berichtete, Frankreich solle als Belohnung für seine führende Rolle bei den Militärinterventionen Zugriff auf ein Drittel des libyschen Öls bekommen.

Auch die Nachrichtenagentur Reuters konnte ein entsprechendes Schreiben einsehen. Der französische Öl-Konzern Total widersprach. Solche Absprachen gebe es nicht. Der deutsche Energiekonzern RWE kündigte an, mit seiner Ölfördertochter Dea die Arbeit in Libyen wieder aufzunehmen. Der Übergangsrat hat bereits angekündigt, dass bei der Verteilung der Aufträge jene bevorzugt würden, die an führender Stelle beim Kampf gegen Gaddafi geholfen hätten. (sda)

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